Umfrage von XingSchweizer wollen wissen, was Kollegen verdienen
Wissen, was die Kollegen verdienen: Ein Grossteil der Angestellten in der Schweiz sieht darin Vorteile. Lohnverhandlungen sind für die meisten ein Graus.
Wie viel hat der Kollege Ende Monat auf dem Konto? Und was verdient die Teamleiterin? Die Löhne sind in vielen Schweizer Firmen immer noch ein gut gehütetes Geheimnis. Von Lohntransparenz ist die Schweiz noch weit entfernt.
Dabei hätte die Offenlegung der Saläre innerhalb eines Unternehmens Vorteile, finden viele Angestellte. Das zeigt eine neue Studie des Karrierenetzwerks Xing, die 20 Minuten exklusiv vorliegt.
85 Prozent der Befragten glauben, dass mit mehr Lohntransparenz auch die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau steigt. Und für knapp drei Viertel (72 Prozent) macht es den Arbeitgeber attraktiver, wenn die Löhne offen kommuniziert werden.
Schreckgespenst Lohnverhandlung
Auch die Lohnverhandlungen beim Job-Interview könnten einfacher werden, wenn die Lohnstruktur beim potenziellen neuen Arbeitgeber bekannt sind. Das finden 81 Prozent der Befragten.
«Unsere Resultate zeigen: Lohngespräche finden noch zu selten auf Augenhöhe statt. Wir sind überzeugt, dass mehr Lohntransparenz der Weg ist, um dies zu verbessern. Dafür setzen wir uns ein», sagt Xing-CEO Thomas Vollmoeller zu 20 Minuten. Heute plage viele Berufstätige der Verdacht, dass sie sich unter Wert verkaufen. «Das schafft Unmut», so Vollmoeller.
Den meisten Schweizern scheint es vor dem Feilschen ums Salär zu grauen: 78 Prozent hätten es am liebsten, wenn der Lohn für eine neue Stelle von Anfang an klar vorgegeben wäre und nicht verhandelt werden müsste. Frauen haben eine noch stärkere Abneigung gegen Lohnverhandlungen als Männer: Bei den weiblichen Angestellten sind es 82 Prozent, die gern darauf verzichten würden. Bei den Männern sind es 75 Prozent.
Andere Länder schon viel weiter
Firmen mit total offener Salärstruktur gibt es in der Schweiz nur ganz wenige. Eine davon ist die Alternative Bank Schweiz, die die Transparenz bereits bei ihrer Gründung 1990 eingeführt hat. Die rund hundert Angestellten erfahren einmal im Jahr über eine im Intranet veröffentlichte Liste, was die Kollegen verdienen.
Andere europäische Länder sind in Sachen Lohntransparenz schon viel weiter als die Schweiz. Wer zum Beispiel in Schweden wissen möchte, was der Kollege verdient, kann das ganz leicht herausfinden: Steuererklärungen sind öffentlich einsehbar.
In Deutschland gibt es seit 2018 das Entgelttransparenz-Gesetz. Es besagt, dass Angestellte einen Auskunftsanspruch über die Saläre ihrer Arbeitskollegen haben.
Neid könnte zunehmen
Drei Viertel (75 Prozent) der befragten Schweizer glauben, dass die Lohntransparenz in den nächsten fünf bis zehn Jahren auch hierzulande zunehmen wird. Doch die Hälfte denkt auch an die negativen Effekte – Stichwort Neid: 51 Prozent können sich vorstellen, dass mit transparenten Löhnen die Spannungen im Betrieb zunehmen.
Die Studie von Xing Schweiz wurde unter 1000 Deutschschweizer Berufstätigen im Alter von 18 und 65 Jahren durchgeführt.
In gewissen Firmen darf man nicht mal über den Lohn reden, in einigen wenigen sind die Saläre hingegen transparent. Wie ist es in Ihrer Firma? Erzählen Sie es uns übers Formular!
«Schöne neue Arbeitswelt»
Am 25. September findet im Zürcher Kaufleuten unter dem Titel «Schöne neue Arbeitswelt» der erste Schweizer Anlass im Rahmen dieser Veranstaltung statt. Eingeladen sind Geschäftsführer, HR-Verantwortliche, Startups und alle am Thema «New Work» Interessierte. In zahlreichen Keynotes, Workshops und Podiumsdiskussionen erfahren Interessierte, wie Organisationen die Ideen einer neuen Arbeitswelt umsetzen und was sich hinter Schlagwörtern wie «Agilität», «Transparenz» und «Re-Skilling» verbirgt.