Unter 30-Jährige wollen trotz Greta weiter fliegen

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Trotz KlimademosUnter 30-Jährige wollen trotz Greta weiter fliegen

Lauthals wird gegen den Klimawandel demonstriert. In der Schweiz wollen aber die 14- bis 29-Jährigen weder weniger fliegen noch weniger Auto fahren, wie eine neue Studie zeigt.

B. Scherer
von
B. Scherer
Zum neuen Jahr fassen viele Menschen Vorsätze. Der Umweltschutz muss dabei hinten anstehen, wie eine Umfrage des Zürcher Online-Marktforschungsinstituts Marketagent.com zeigt.
Ein Drittel der Schweizer möchte im neuen Jahr lieber gesund essen oder ...
... mehr Sport treiben.
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Zum neuen Jahr fassen viele Menschen Vorsätze. Der Umweltschutz muss dabei hinten anstehen, wie eine Umfrage des Zürcher Online-Marktforschungsinstituts Marketagent.com zeigt.

Keystone/Ennio Leanza

Fürs neue Jahr fassen viele gute Vorsätze. So möchte fast ein Drittel der Schweizer dieses Jahr mehr Sport treiben oder sich gesünder ernähren. Allerdings wollen sich die wenigsten tatkräftig fürs Klima einsetzen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Zürcher Online-Marktforschungsinstituts Marketagent.com.

Zwar geben 57 Prozent der 1000 Befragten an, 2020 weniger Einweg-Party- und Dekorationsartikel zu kaufen. Bei den Feuerwerkskörpern sind es 59 Prozent. Beim Reisen trägt der Klima-Aktivismus hingegen weniger Früchte: Die Hälfte der Befragten will 2020 gleich viel fliegen wie im Vorjahr.

Unter-30-Jährige verzichten kaum

Dabei fällt der Verzicht fürs Klima besonders den 14- bis 29-Jährigen schwer: Nur 15 Prozent haben sich vorgenommen, dieses Jahr viel weniger zu fliegen. Fast 20 Prozent wollen sogar etwas oder viel mehr fliegen als im Vorjahr. 48 Prozent der Befragten in dieser Altersgruppe wollen ihre Fluggewohnheiten gar nicht ändern. Anders sieht es bei den 50- bis 65-Jährigen aus: Von ihnen will fast ein Viertel in diesem Jahr weniger fliegen.

Auch wenn es ums Autofahren geht, wollen sich junge Schweizer nicht einschränken lassen. Rund 22 Prozent der 14- bis 29-Jährigen wollen dieses Jahr gar häufiger Auto fahren als bisher – bei 49 Prozent soll die Nutzung des Autos gleich bleiben wie bisher.

Freunde sind wichtiger als das Klima

In Zeiten von Klimadebatten und -demos erscheinen diese Aussagen widersprüchlich. Denn gerade die Demonstrationen fürs Klima gehen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. «Das verdeutlicht die Kluft zwischen Einstellung und Verhalten», erklärt Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe an der Kalaidos-Fachhochschule. Es gebe viele, die am Freitag demonstrieren und am Samstag mit dem Auto in die Alpen fahren würden.

Bei Jugendlichen habe die soziale Gruppe einen stärkeren Einfluss auf das Verhalten als die Einstellung. «Um sozial nicht abgehängt zu werden, fliegen Teenager lieber mit Freunden in die Ferien, als fürs Klima darauf zu verzichten», sagt Fichter.

«Ein grosser Teil kümmert sich nicht um das Klima»

Hinzu komme, dass die Welt durch die sozialen Medien kleiner geworden sei. «Heute sind alle Länder virtuell erschlossen, das weckt bei jungen Menschen das Bedürfnis, diese auch physisch zu besuchen.»

Dass 15 Prozent weniger fliegen wollen, sei kein schlechter Wert, findet Klimaaktivist Dominik Waser: «Schliesslich zählt nur ein kleiner Teil der Jugend zur Klimabewegung. Es gehen nicht alle jungen Menschen auf die Strasse, und ein grosser Teil kümmert sich nicht um das Klima.» Zudem würden jüngere Menschen häufig Ferien mit den Eltern oder Sprachaufenthalte machen und hinterfragen das Fliegen weniger.

Klimaschutz ist anstrengend

Grundsätzlich falle den Menschen Verzicht schwer. Auch spiele Bequemlichkeit eine grosse Rolle: «Wer auf dem Land lebt und in der Stadt arbeitet, fährt oft mit dem Auto zur Arbeit – das ist praktisch und einfacher», sagt Fichter. Darauf zu verzichten, wäre aufwendig und anstrengend.

Damit Menschen verzichten, seien deshalb oft Vorschriften nötig. Allerdings: «Man muss den Konsumenten auch nicht jeden Spass verbieten wollen.» Für viele sei der Klimawandel ein zu abstraktes Thema. Denn die Folgen sind nicht direkt ersichtlich. Es helfe daher den meisten, ein konkretes Beispiel vor Augen geführt zu bekommen. «Wer sieht, was mit einer Plastikflasche im Ozean genau passiert und welche Auswirkungen das hat, wirft das nächste Mal wohl keine Flasche mehr ins Meer», meint Fichter.

Auf Social Media kursieren tatsächlich seit längerem genau solche Videos, die aufzeigen, welche Schäden Plastik in den Ozeanen anrichtet. Das scheint einen Effekt auf das Verhalten zu haben. So zeigt auch die Umfrage von Marketagent: Mehr als die Hälfte der Befragten will 2020 weniger Einwegartikel kaufen. Zudem wollen 59 Prozent der Umwelt zuliebe auf Feuerwerkskörper verzichten.

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