Airlines könnten bald ums Überleben kämpfen

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Corona-KriseAirlines könnten bald ums Überleben kämpfen

Das Coronavirus legt den Flugverkehr auf der ganzen Welt lahm, das könnte laut Experten für einige Airlines lebensbedrohlich werden.

B. Scherer
von
B. Scherer
Wegen dem Coronavirus leiden die Fluggesellschaften weltweit: Flüge müssen eingestellt werden und Passagiere stornieren ihre Buchungen.
Bereits ging die erste Airline daran pleite: Weil viele Buchungen storniert wurden, musste die stark finanziell angeschlagene britische Fluggesellschaft Flybe den Betrieb für immer einstellen.
Auch der Lufthansa-Konzern, zu dem die Swiss gehört, musste schon etliche Flüge streichen: Bis Ende März wurden 7100 Europa-Flüge gestrichen.
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Wegen dem Coronavirus leiden die Fluggesellschaften weltweit: Flüge müssen eingestellt werden und Passagiere stornieren ihre Buchungen.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Weltweit leiden die Fluggesellschaften unter dem Coronavirus. Am Donnerstag musste die erste Airline ihren Betrieb sogar einstellen: Durch den Ausbruch des Coronavirus wurden beim britischen Regionalflieger Flybe etliche Buchungen storniert. Das war der Todesstoss für die bereits finanziell stark angeschlagene Airline.

Dieses Schicksal könnte auch anderen Airlines drohen: «Die finanziellen Auswirkungen des Coronavirus könnten die Existenz vieler Fluggesellschaften ernsthaft gefährden», sagt ZHAW-Aviatik-Experte William Agius. Wie beispielsweise Cathay Pacific, die ihr Hauptgeschäft in China hat. Um die Krise zu umgehen, müssen die Airlines ihren Flugplan stark reduzieren. Nur so lassen sich die finanziellen Folgen in Grenzen halten.

Das hat der Lufthansa-Konzern, zu dem die Swiss gehört, bereits getan: Etliche Flüge wurden gestrichen. So teilte das Unternehmen am Donnerstag mit, dass 7100 Europa-Flüge im März wegfallen. Betroffen davon ist auch die Swiss, die bis zum 28. März die Flüge nach Tel Aviv aussetzt.

Personal muss weniger arbeiten

Als weiterer Schritt würden wohl die Mitarbeitenden aufgefordert, ihre Überstunden abzuarbeiten oder Ferientage zu beziehen, wie Michael Winkler, ZKB-Analyst für Airlines, erklärt: «Das ist eine der ersten Massnahmen, die ein Unternehmen ergreifen kann, wenn unklar ist, wie lange eine Krise anhält.»

So bietet die Swiss bereits dem fliegenden Personal die Möglichkeit an, unbezahlten Urlaub zu beziehen oder Teilzeit zu arbeiten, wie eine Mediensprecherin zu 20 Minuten sagt. Das sei keine sinnvolle Massnahme, findet Aviatik-Experte Agius: «Niemand will unbezahlten Urlaub beziehen, wenn man nirgends hinfliegen kann.» Agius geht deshalb davon aus, dass nur wenige Mitarbeiter Gebrauch von diesem Angebot machen werden. Teilzeitarbeit sei hingegen eine sinnvolle Lösung, um Kosten zu sparen.

Ticket-Preise könnten steigen

Dass die Airlines ihre Mitarbeiter entlassen, glaubt Winkler von der ZKB erst einmal nicht. Denn sobald sich die Lage verbessere, fehle das Personal sofort. «Und es ist sehr aufwendig, neue Leute einzuarbeiten, das würde sich finanziell nicht lohnen.»

Laut Agius könnte eine andauernde Corona-Krise aber dazu führen, dass die Preise der Tickets in die Höhe schiessen. «Im Moment fliegen beispielsweise nur noch Maschinen der Air China nach Festlandchina.» Damit habe die Airline das Monopol über den Ticket-Preis und könne diesen in die Höhe schrauben.

Erstes Quartal läuft immer schlecht

Noch sei eine schwere wirtschaftliche Krise abzuwenden, sagt Winkler. Denn: «Im ersten Jahresquartal schreiben nur wenige Fluggesellschaften schwarze Zahlen.» Im Sommer würden dann die meisten Flüge gebucht, daher machen Airlines im zweiten und dritten Quartal die meisten Gewinne.

Es werde darum erst prekär, wenn die Corona-Krise bis zum Sommer anhält. «Das würde grosse Löcher in den Umsatz der Fluggesellschaften reissen.» Dann müssten wohl weitere Massnahmen beim Personal getroffen werden und möglicherweise vermehrt Kurzarbeit eingesetzt werden. Bei der Swiss ist Kurzarbeit zurzeit aber kein Thema, wie eine Mediensprecherin sagt.

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