Max-Havelaar-ProdukteVerdienen Migros und Coop bei Fairtrade zu viel?
Bananen mit dem Siegel von Max Havelaar sind teurer als andere. Davon bleibt zu viel Geld bei Supermärkten hängen, kritisiert ein Fairtrade-Händler.
Die Schweizer sind Weltmeister beim Kauf von Fairtrade-Produkten: Nirgendwo liegt der Konsum pro Kopf höher. Bananen, Ananas oder Reis sind mit dem Siegel von Max Havelaar oft etwas teurer als konventionelle Produkte. Konsumenten sind bereit, für faire Löhne für Landarbeiter mehr auszugeben. Bleibt dabei aber auch mehr bei den Detailhändlern hängen?
Bei der Migros kosten normale Bananen 2.91 Franken pro Kilo, die Fairtrade-Frucht dagegen 3.29 Franken. Im Aufpreis enthalten sind der Mindestpreis sowie eine Prämie für Kleinbauern und Feldarbeiter. Die Fairtrade-Firma Gebana kritisiert, dass auch der Handel mehr verdient: «Vom effektiven Preisunterschied zu konventionellen Produkten bleibt das meiste in Europa», sagt Gebana-Geschäftsführer Adrian Wiedmer zu 20 Minuten. Fairtrade wirke sich bei den Bauern in den armen Ländern zu gering aus.
Max Havelaar redet bei Verkaufspreisen nicht mit
Im Durchschnitt erzielte die Migros auf den Umsatz bei all ihren Produkte im vergangenen Jahr 1,7 Prozent Gewinn. Ob Fairtrade-Bananen und andere Havelaar-Produkte dabei mehr oder weniger Profit einbrachten, sagt Migros-Sprecherin Alexandra Kunz nicht. Aber auch wenn die Fairtrade-Margen dem Durchschnitt entsprechen, fällt der Gewinn, welcher der Migros und anderen Supermärkten bleibt, höher aus: Denn der grössere Umsatz führt so auch zu einem höheren Gewinnbeitrag, weil 1,7 Prozent von 2.91 Franken mehr ausmachen als von 3.29 Franken.
Fairtrade Max Havelaar kann die Endverkaufspreise der Produkte nicht direkt beeinflussen. «Sie werden von den Lizenznehmern, die sie verkaufen, zum Beispiel Migros oder Coop, selbst festgelegt», erklärt Havelaar-Sprecher Patricio Frei. Die Fairtrade-Organisation wacht zwar darüber, dass Bauern in armen Ländern ein besseres Einkommen haben, aber nicht über den Gewinn der Händler.
Gewinnverzicht für Fairtrade
«Wenn wir ein bestehendes Produkt auf Fairtrade umstellen, bleibt der Verkaufspreis gleich. Die Mehrkosten gehen grundsätzlich zu Lasten von Coop, unsere Marge wird dadurch also kleiner», betont Coop-Sprecherin Andrea Bergmann. Seit Januar stehen bei Coop nur noch Fairtrade-Muskatnüsse als Eigenmarke im Regal, der Preis ist mit 1.50 Franken dabei der gleiche wie vorher.
Gebana strebt seit diesem Jahr ein neues Fairtrade-Modell an: «Wir starten jetzt damit, 10 Prozent vom Endverkaufspreis an die Bauern zurückzugeben, und zwar zusätzlich», sagt Wiedmer. Ziel müsse sein, mit Fairtrade nicht nur Mindestpreise für Rohwaren zu garantieren, sondern die Bauern auch am Umsatz zu beteiligen, den der Handel in den Läden hier damit macht: «Gerade bei Produkten wie Schokolade macht die Verarbeitung in der Schweiz extrem viel vom Endverkaufspreis aus, davon sollen auch die Kakaobauern profitieren.»
Wettbewerb bei Fairtrade-Modellen
Rolf Weder, Professor für internationalen Handel an der Uni Basel, bewertet das als gute Idee: «Das ist der Versuch, mehr Geld vom Endkonsumenten zum ursprünglichen Produzenten zu
transferieren.» So wüssten auch die Konsumenten besser, was beim Bauern ankommt, denn sie kennen ja nur den Verkaufspreis, den sie selbst zahlen, und nicht den Rohwarenpreis.
Der Fairtrade-Handel kommt damit weiter in Bewegung. Gebana-Produkte haben allerdings kein spezielles Label und sind nur bei Bestellungen im Onlineshop als solche ausgewiesen. Werden sie vom Supermarkt vertrieben, dann unter dem Max-Havelaar-Siegel.
«Das neue Gebana-Modell ist ein interessanter Ansatz», sagt Havelaar-Sprecher Frei. Fairtrade Max Havelaar habe jedoch einen anderen Fokus: «Unsere Stiftung will fair gehandelte Produkte auch über Grossverteiler einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht zu erschwinglichen Preisen zugänglich machen.»
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