Iran entfacht neuen «Golf-Krieg»

Aktualisiert

NamensstreitIran entfacht neuen «Golf-Krieg»

Der Iran duldet in seinem Luftraum keine Airlines mehr, die den Begriff «Arabischer Golf» verwenden. Nur die Bezeichnung «Persischer Golf» ist zugelassen, ansonsten droht ein Grounding.

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Die Frage, welchen Namen das Gewässer zwischen der Mündung von Euphrat und Tigris und der Strasse von Hormus trägt, ist ein ewiger Zankapfel zwischen dem Iran und den arabischen Anrainerstaaten (Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman). Der «Persische Golf» hat sich international weitgehend durchgesetzt, die Araber aber beharren auf der Bezeichnung «Arabischer Golf».

Nun hat sich der Streit vom Wasser in den Luftraum ausgeweitet. Anlass ist ein Zwischenfall an Bord einer Maschine der iranischen Kish Air. Ein griechischer Flugbegleiter hatte sich ein Wortgefecht mit Passagieren geliefert, die sich darüber beschwert hatten, dass auf den Bordmonitoren der Begriff «Arabischer Golf» verwendet wurde. Der Grieche beharrte auf dieser Bezeichnung und drohte gar mit der Verhaftung der Passagiere.

Die iranischen Behörden griffen durch. Der Flugbegleiter wurde gefeuert und des Landes verwiesen. Verkehrsminister Hamid Behbahani ordnete an, dass sich die Verantwortlichen von Kish Air öffentlich entschuldigen. Ausserdem warnte er alle Fluggesellschaften, sie dürften den iranischen Luftraum nicht mehr benutzen, wenn sie den Ausdruck «Arabischer Golf» an Bord verwenden. Bei einem einmaligen Vergehen betrage die Sperre einen Monat, im Wiederholungsfall werde das fehlbare Flugzeug gegroundet und der Fluglinie die Landeerlaubnis im Iran entzogen, sagte Behbahani.

Retourkutsche für Sport-Absage

Die Massnahme richtet sich in erster Linie gegen Airlines der anderen Golfstaaten, sie gilt unter anderem als Retourkutsche für den Beschluss des in Saudi-Arabien beheimateten Islamischen Solidaritäts-Sportverbands, die für April im Iran geplanten Islamischen Solidaritätsspiele abzusagen, weil die Führung in Teheran auf Medaillen, Broschüren und Trikots den Ausdruck «Persischer Golf» verwendete.

Laut dem «Guardian» spielt auch der Streit um das iranische Atomprogramm eine Rolle. Die arabischen Nachbarn teilten die Besorgnis der USA, der Iran wolle Atomwaffen entwickeln, sie unterstützen mehr oder weniger offen neue Sanktionen gegen Teheran. Massgebend ist dabei die Angst der sunnitischen Araber, der schiitische Iran könnte seine Expansion in Irak, Syrien, Libanon und den Palästinensergebieten ausweiten.

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