Ausschreitungen in Genua«Ivan der Schreckliche» ist gefasst
Der serbische Ultras-Chef, der zum Abbruch des Spiels Italien-Serbien beitrug, befindet sich in Sicherheitshaft. Die Polizei entdeckte ihn im Motorhohlraum eines Fan-Busses.
Er war die Leitfigur der Ausschreitungen, die gestern Abend in Genua zum Abbruch des Fussballspiels zwischen Italien und Serbien führten: der 30-jährige Ivan Bogdanov. Sitzend auf der knapp vier Meter hohen Plexiglas-Absperrung des Gästesektors heizte er die Stimmung an, zeigte den Polizeikräften den Stinkefinger und verbrannte eine albanische Flagge.
Damit nicht genug. Mit einer Zange schnitt der ganz in Schwarz gekleidete, bullige Mann in aller Ruhe ein Sicherheitsnetz auf, was den Wurf von Petarden serbischer «Fans» auf das Spielfeld erst ermöglichte. Nach dem Spielabbruch gingen die Ausschreitungen im Genueser Qaurtier Marassi weiter. Erst in den frühen Morgenstunden gelang es den Sicherheitskräften, die serbischen Ultras einzukesseln. Danach wurden die Randalierer in Bussen abtransportiert. Sicherheitsverantwortliche sagten: «Ein weiteres Heysel wurde verhindert.»
Die vorläufige Bilanz: 16 Verletzte, darunter zwei Carabinieri, 17 Verhaftete, davon ein Italiener, 35 Verzeigte und 138 identifizierte Ultras. Unter den Verhafteten ist auch Bogdanov, für die italienischen Medien nur noch «Ivan der Schreckliche». Versteckt in einem Motorhohlraum eines Busses versuchte der Leader des rechtsextremen Flügels der Fans von Roter Stern Belgrad nach Serbien zu gelangen. Doch das Unterfangen misslang. Die Polizei konnte ihn, der sein Gesicht im Stadion unter einer Sturmmaske versteckte, dank seiner zahlreichen Tätowierungen auf den Armen identifizieren. Besonders auffällig sei ein Tatoo mit der Jahreszahl 1389 – dem Jahr der Schlacht auf dem Amselfeld, hiess es. Die Schlacht bildet den Mythos für den ultranationalistischen serbischen Geist.
In Serbien bestens bekannt
Während Bogdanov eine albanische Flagge anzündete, skandierte der Block gemäss serbischen Medien: «Tötet, tötet, tötet die Albaner!» Der arbeitslose Bogdanov ist den serbischen Behörden bekannt. Er gilt als Anführer der «Ultra bojs» - der Ultras von Roter Stern Belgrad. Die Gruppierung gehört zu den 14 extremsten Vereinigungen im Land. Staatsanwalt Slobodan Radovanovi hatte in der Vergangenheit angeregt, die Ultra bojs zu verbieten. «Ivan der Schreckliche» ist in Serbien bereits mehrfach verurteilt worden, unter anderem wegen Körperverletzung und Drogenbesitz.
Die serbischen Anhänger hatten bereits vor dem Spiel für blutige Zwischenfälle gesorgt. Sie versuchten unter anderem ins Teamhotel der serbischen Fussball-Nationalmannschaft zu gelangen, wo sie sich an Torhüter Vladimir Stojkovi rächen wollten. Der 27-Jährige, der früher bei Roter Stern unter Vertrag stand, wechselte im Sommer zum Erzrivalen Partizan Belgrad. Dafür hatte er bereits mehrere Morddrohungen erhalten.
Vor dem Stadion griffen die Ultras den Bus der serbischen Nationalmannschaft an. Gemäss der Zeitung «Kurir» entging der Torhüter einem tätlichen Angriff nur, weil sich seine Teamkameraden vor ihn stellten. Die Ultras hätten dabei geschrien: «Stojkovi, Stojkovi, wir wünschen dir viel Glück, einen Holzsarg, einen Holzsarg und darauf einen Strick!» Der Torhüter entschied sich daraufhin die Partie nicht zu bestreiten. Der italienische Nationaltrainer Cesare Prandelli sagte später gegenüber Medien, seine Mannschaft habe sich vor dem Spiel noch gewundert, als sie gesehen habe, wie der Torhüter in der Garderobe zitterte.
Entschuldigung der Botschafterin
Die Polizei stellte während der Ausschreitungen Schlagstöcke und Messer sicher. Am Mittwochmorgen entschuldigte sich die serbische Botschafterin in Rom, Sanda Raskovic-Ivic, im Gespräch mit Journalisten am Rand einer Konferenz in Belgrad für das Verhalten der serbischen Ultras. Laut der Zeitung «La Repubblica» sagte sie: «Diese Schläger repräsentieren nicht die Gefühle des serbischen Volkes. Wir schämen und entschuldigen uns.» Serbiens Verbandspräsident Tomislav Karadzic bezeichnete das Verhalten seiner Landsleute als «Schande» und «Angriff auf unseren Staat». Ein Sprecher der serbischen Polizei kündigte gegenüber lokalen Medien Ermittlungen an, die ans Licht bringen sollen, wie die äusserst aggressiven und offenbar bekannten Hooligans zu den Tickets für das Spiel gekommen sind. Die Medien in Serbien forderten unisono «eine entschlossene Aktion, um den Hooligans ein für alle Mal den Garaus zu machen».
Die Partie Italien - Serbien musste bereits nach sechs Minuten abgebrochen werden, nachdem sie schon mit 35 Minuten Verspätung angepfiffen worden war. Die Situation geriet ausser Kontrolle, nachdem Italiens Torhüter Emiliano Viviano von einem Leuchtgeschoss getroffen worden war.
Mitarbeit: amc