Hals- und Beinbruch als PR-Strategie

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Red BullHals- und Beinbruch als PR-Strategie

Der Promo-Sprung für Red Bull hat Ueli Gegenschatz das Leben gekostet. Der österreichische Getränkehersteller verfolgt eine halsbrecherische PR-Strategie. Doch aus dem Marketingspass wurde schon oft lebensgefährlicher Ernst.

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Ein PR-Gag hat ihn das Leben gekostet. Die Windböe erfasste den Fallschirm von Ueli Gegenschatz laut Augenzeugenberichten kurz nachdem er vom Sunrise Tower in Oerlikon aus 88 Metern Höhe gesprungen war. Er geriet ins Trudeln, stürzte aus etwa fünf Metern ab und blieb schwer verletzt auf dem Asphalt liegen. Die Flügel, die Redbull gemäss Slogan verleihen soll, hätte Ueli Gegenschatz gut gebrauchen können. Zwei Tage nach dem Unfall erlag er seinen schweren Verletzungen.

Air Race, Cliff Diving, Base-Jumping: Der Getränkehersteller Red Bull bringt seine Dosen mit einer aufwändigen Strategie unter die Leute. Die PR-Strategien des österreichischen Getränkeherstellers produzieren am Laufmeter verrückte Events, die Redbull ins Gespräch bringen sollen. Dabei gilt die Devise: Je verrückter, desto besser. Doch was, wenn aus dem Werbespass lebensgefährlicher Ernst wird?

Die verrückte Ideenkiste des österreichischen Bullen

Das jüngste Beispiel aus der verrückten und manchmal lebensgefährlichen Ideenkiste des österreichischen Getränkeherstellers ist der Gleitschirm-Wettkampf «Red Bull X-Alps», der als einer der härtesten Abenteuerwettkämpfe der Welt gilt. Der Wettbewerb dauert über mehrere Tage an und die Teilnehmer haben kaum Aussicht auf Schlaf und genügend Erholung: Ziel des Wettkampfes ist es, den Alpenbogen vom österreichischen Dachstein-Gletscher bis Monaco zu durchqueren. Erlaubte Transportmittel: Der Gleitschirm und die eigenen Füsse. Am «Red Bull X-Alp» 2009 erreichten unter diesen harten Bedingungen nur zwei Teams das Ziel. Zwölf Teams mussten vorzeitig aufgeben, davon sechs Teams wegen Verletzungen.

Knapp am Tod vorbei stürzte der Brite Cameron Sinclair am «Red Bull X Fighters», ein Motorradsport-Indoor-Event, bei dem Akrobaten auf Motorrädern über künstliche Sandhügel und Schanzen springen. Sinclair landete nach einem zweifachen Backflip – also einen doppelten Rückwärtssalto – mit dem Gesicht im Sand und erlitt dabei schwere Verletzungen. Sinclair überlebte zwar, erholt sich aber noch heute von seinen Verletzungen.

Ein anderer Anlass, an dem die Sanitäter sozusagen neben den Wettkämpfern in den Startlöchern stehen: Das «Red Bull Crashed Ice»-Rennen. Die Teilnehmer rasen auf Schlittschuhen durch einen 400 Meter langen Downhill Eisparcours. In der-Red-Bull-Werbesprache ist das «adrenalinreiche Action», die seit 7 Jahren von Moskau über Prag bis in die USA zuverlässig für Aufmerksamkeit und Publikumsaufmärsche sorgt. Typische Verletzungen sind Schnittwunden, die durch Stürze auf dem Eis entstehen. Ein eindrückliches Zeugnis dieser Action lieferte 2008 das Schweizer Fernsehen, das zufällig zugegen war, als ein «Crashed Ice»-Unglücksathlet ins Spital Davos eingeliefert wurde. Ein blutiger Knochen ragte durch den Stoff der Eishockey-Montur.

Gefahr mit Flügeln: Vogelschlag

Ein anderes Beispiel, bei dem es immer wieder zu lebensgefährlichen Zwischenfällen kommt: Das «Red Bull Air Race», ein tollkühner Parcours für mutige Piloten, die mit ihren Propellerflugzeugen waghalsige Manöver fliegen. Da der Parcours immer über Meeresbuchten oder anderen Gewässern stattfindet, stellt der Vogelschlag durch Möwen und andere Seevögel die grösste Gefahr dar. «Air Race»-Teilnehmer Hannes Arch zum Beispiel geriet arg ins Trudeln, als er mit einem Pelikan kollidierte. Arch landete seine Maschine mit viel Glück sicher auf dem Boden. Ob der Pelikan die Begegnung überlebt hat, ist dagegen ungewiss.

Red Bull steht auch nach dem Unfall beim Promo-Event in Oerlikon hinter der riskanten Marketing-Strategie. Red Bull beantwortet Medienanfragen, die sich auf die Marketingstrategie des Konzerns beziehen, ausschliesslich in schriftlicher Form: «Wir engagieren uns in den verschiedensten Sportarten und -veranstaltungen und helfen so Menschen bei der Verwirklichung ihrer Träume und Ideen. Daran werden wir auch in Zukunft festhalten», schrieb der österreichische Getränkehersteller noch am Mittwoch. «Trotz aller erdenklicher Vorsichtsmassnahmen und Professionalität passieren leider Unfälle- im Extremsport sogar weniger häufig als im täglichen Leben», hiess es bei Red Bull. Ob nach dem tragischen Tod von Ueli Gegenschatz ein Umdenken stattfinden wird, ist ungewiss.

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