US-PredigerWeltuntergang um fünf Monate verschoben
Der 89-jährige Radioprediger Harold Camping gibt sich kleinlaut. Er habe sich bei seiner Prognose – Weltuntergang am 21. Mai 2011 - verrechnet. Das «Sorry» hilft seinen Anhängern wenig.

Hält am Weltuntergang fest. Hat sich bei seiner Voraussage aber verrechnet: Das sagt der US-Prediger Harold Camping.
Der amerikanische Prediger, der in einer grossen Kampagne das Ende der Welt für vergangenen Samstag ankündigte, hat sich für seine ungenaue Vorhersage entschuldigt. Es tue ihm leid, dass er die Daten nicht so genau berechnet habe, wie er es hätte tun sollen, sagte er am Montag der Presse in der Zentrale seines Medienunternehmens in Oakland. Der Weltuntergang sei um fünf Monate verschoben.
Bei Gesprächen mit einem Freund an diesem für ihn schwierigen Wochenende sei ihm aufgegangen, dass der 21. Mai nicht der Tag der biblischen Entrückung, an dem Millionen Christen in den Himmel auffahren, sei, sondern der Tag des Jüngsten Gerichts, an dem Christus sein Urteil über alle Menschen gefällt habe. Der Erdball werde erst in fünf Monaten zerstört, sagte er.
Anhänger stehen vor dem Ruin
Weil Gott am Samstag bereits sein Urteil über die Errettung der Menschen gefällt habe, werde er seine Warnungen nun nicht mehr verbreiten, kündigte der Prediger an. Das sei ja nun sinnlos. Bis zum Ende der Welt am 21. Oktober werde sein Sender nur noch christliche Musik und andere christliche Programme ausstrahlen, kündigte er an.
Zahlreiche Anhänger des 89-jährigen Radio-Propheten hingegen stürzte dies in ein kollektives Tief und liess sie rat- und fassungslos zurück, wie amerikanischen Medien berichteten.
Der 60-jährige Robert Fitzpatrick aus New York City steht jetzt vor dem Nichts. 140 000 US-Dollar – fast sein ganzes Erspartes – investierte er in Plakate, auf welchen er die Bevölkerung auf das Ende aufmerksam machte. Was nun aus ihm wird, ist unklar. Kurz nach 18 Uhr am Samstag sagte Fitzpatrick gegenüber einem Reporter lediglich: «Ich verstehe nicht, warum nichts passiert ist.»
Auch nicht bekannt ist, was mit Gregory LeCorps geschehen ist. Der Vater von fünf Kindern hat laut der «New York Times» seinen Job gekündigt, um seine Familie vor der Apokalypse zu bewahren. Wie die restlichen Familiy-Radio-Anhänger rechneten beide mit der direkten Auffahrt in den Himmel.
Notfallambulanz, um Suiziden zuvorzukommen
In Kalifornien stellte eine Kirchgemeinde den enttäuschten Gläubigen seelsorgerischen Beistand zur Verfügung, zudem wurde eine psychiatrische Notfallambulanz eingerichtet, um Suizide zu verhindern.
Atheisten hingegen feierten in ganz Amerika Partys, um zu beweisen, dass die Apokalypse ausbleibt. Einige machten sich einen Spass daraus, den Gläubigen Geld für ihr auf der Erde zurückgelassenes Hab und Gut anzubieten. Andere Ungläubige liessen sich dafür bezahlen, sich um die dann herrenlosen Tiere der Radio-Familiy-Leute zu kümmern.
Der vergangene Samstag war nicht der erste Tag, an welchem Camping einen Weltuntergang prophezeit hatte. Er irrte bereits 1994. Die Millionen von Spenden, die er durch seine Ankündigungen eingenommen hat, dürfte er trotzdem behalten.
Howard Camping vor dem Weltuntergang
Video: Familiy Radio (feb/uwb/dapd)