Messe SchweizRené Kamm übersteht Baselworld-Krise nicht
Nach dem Rückzug von Swatch aus der Baselworld kommt es bei der Messebetreiberin MCH-Group zum Chefwechsel: René Kamm tritt zurück. Das Messewesen erlebt einen tiefgreifenden Wandel.
Nach dem Verlust von Swatch als Aussteller kommt es bei der Messebetreiberin MCH-Group zum Chefwechsel: René Kamm tritt zurück. Angesichts der «fundamentalen Transformationsphase» seien der Verwaltungsrat und Kamm «gemeinsam und einvernehmlich» zur Überzeugung gelangt, dass der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Spitze gekommen sei, wie das Unternehmen am Freitag vor Börsenbeginn mitteilte.
Kamm, der seit 2003 als CEO der MCH-Group amtete, wird dem Unternehmen in der Übergangszeit noch beratend zur Verfügung stehen. Bis die Nachfolge geregelt ist, wird Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer die operative Führung übernehmen.
Scharfe Kritik von Swatch-Boss Hayek
Die MCH-Group befindet sich in einer schwierigen Phase. Ihr Flagschiff, die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld steckt in der Krise. «Der Markt hat sich innert drei Jahren blitzartig verändert», so Vischer. Und vergangenes Wochenende folgte der nächste Knall. Die Swatch Group, die grösste Ausstellerin, hat ihre Teilnahme für 2019 abgesagt.
Swatch-Chef Nick Hayek sparte gegenüber der «NZZ am Sonntag» nicht mit Kritik. Die MCH-Gruppe habe die Aussteller bei der Erarbeitung des neuen Konzepts zu wenig einbezogen. Der MCH fehle der Mut für tiefgreifende Veränderungen. Swatch war mit fast allen seiner 18 Marken und einem Messebudget von über 50 Millionen Franken der bisher grösste Aussteller an der Baselworld.
Die Messe wurde von Hayek auf dem kalten Fuss erwischt. Noch im Mai habe sich Hayek in einem Gespräch nur positiv über die Baselworld geäussert, erklärte Vischer. Und noch am 3. Juli erteilte ein hochrangiger Vertreter der Swatch Group sein Einverständnis für das neue Ausstellungskonzept.
Mögliche Wertberichtigung
Auch wenn dadurch die Durchführung der Baselworld nicht grundsätzlich in Frage gestellt werde, habe die Absage dieses wichtigen Ausstellers Fragen nach den Konsequenzen für die Ergebnisentwicklung der Gruppe ausgelöst, schrieb MCH nun. Der Verzicht der Swatch Group auf eine Teilnahme werde Auswirkungen auf das Ergebnis 2019 haben, die zurzeit noch nicht konkret abschätzbar seien.
Auch eine weitere Wertberichtigung auf die Messehallen in Basel könnte notwendig werden. Schon 2017 hatte der Bedeutungsverlust des wichtigen MCH-Standbeins Baselworld die Messebetreiberin das erste Mal in ihrer Geschichte in die roten Zahlen gedrückt. Infolge der Schrumpfkur bei Baselworld musste MCH über 100 Millionen Franken auf ihrem Messegebäude abschreiben.
«Zeit für Neuanfang»
«Als wir diese Halle geplant haben, war das iPhone noch nicht auf dem Markt», konterte René Kamm Kritik, die jüngst am 2013 eröffneten 430-Millionen-Bau laut wurde. «Das klassische Messewesen kommt noch aus der alten Welt.» Dennoch sei das Unternehmen für die Zukunft gerüstet. «Wir haben die Antworten, aber es ist auch Zeit für einen Neuanfang», begründete er seinen Rücktritt.
Der langjährige CEO der MCH-Group René Kamm gab am Freitag seinen Rücktritt bekannt. Zuvor stürzte die Baselworld, das Flagschiff des Messeunternehmes in die Krise. (Video: 20 Minuten)
René Kamm erklärt seinen Rücktritt und die Herausforderungen, die die Messe zu bewältigen hat. (Video: 20 Minuten)
MCH hält an ihrer Unternehmensstrategie fest, wie es weiter hiess. So will sie das Dienstleistungsangebot erweitern, die internationale Präsenz verstärken und sich zunehmend digitalisieren. Sie setzt auch verstärkt auf Messeformate mit klarer Zielgruppenansprache. Im September steht etwa die Premiere der Grand Basel an, eine Messe für Autokultur, die sich an Sammler richtet.
Kurserholung nach Rücktrittsmeldung
Der Abgang von Kamm sorgte nun für eine leichte Kurserholung bei den MCH-Aktien. Sie legten am Freitagmorgen um 2,4 Prozent zu. In den Vortagen hatten Anleger die Papiere reihenweise verkauft. Alleine am Montag stürzten sie um 11,3 Prozent ab. Auf Wochensicht liegt die Aktie rund 15 Prozent im Minus. (lha/sda)