«Jetzt kann man nur noch Daumen drücken»

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Rosetta-Mission«Jetzt kann man nur noch Daumen drücken»

Zum ersten Mal in der Geschichte soll am Mittwoch ein vom Menschen gemachtes Objekt auf einem Kometen landen. Ein grosser Tag für Kathrin Altwegg (62) von der Uni Bern.

Alessandro Meocci
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Alessandro Meocci
Rosina-Projektleiterin Kathrin Altwegg ist gespannt auf den Mittwoch.

Rosina-Projektleiterin Kathrin Altwegg ist gespannt auf den Mittwoch.

«Alles, was man jetzt noch machen kann, ist Daumen drücken», sagt Kathrin Altwegg, Rosina-Projektleiterin des Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern. Es sei wie ein spannender Krimi. Am Mittwoch soll das Landemodul Philae der Weltraumsonde Rosetta auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko landen. Zehn Jahre lang war die Sonde der Europäischen Weltraumorganisation ESA für ihre Mission durch das Sonnensystem unterwegs. Und mit an Bord ist das Rosina-Messinstrument der Uni Bern. Rosina (Rosetta Orbiter Spektrometer für Ionen- und Neutralgasanalyse) ist eines der Schlüsselexperimente der Mission.

Schlafen kann die Professorin für Physik trotz der bevorstehenden Landung vom Mittwoch sehr gut: «Unsere Messinstrumente sind auf dem Orbiter und nicht auf dem Landeroboter – sonst würde ich wohl kein Auge zu tun», so Altwegg. Aber sie fiebert dennoch mit: «Wenn alles klappt, wäre dies das Tüpfchen auf dem i.» Für die Uni Bern sei die Mission jedenfalls schon jetzt ein Erfolg, da Rosina schon etliche interessante Daten zur Erde geschickt habe.

«Ich hatte Tränen in den Augen»

Letzten August war Rosina aufgewacht und sandte das erste relevante Signal zur Erde. «Ich hatte Tränen in den Augen – das war ein sehr emotionaler Moment», sagt die 62-jährige Weltraumforscherin. Seit 18 Jahren arbeitet Altwegg nun schon an Rosina. «Es ist, als wäre ich Mutter von drei Kindern – zwei erwachsenen Töchtern und Rosina.» Rosina ist mit zwei Massenspektrometern und einem Drucksensor ausgestattet. Damit sollen etwa die Gasschicht um den Kometenkern sowie Temperatur und Geschwindigkeit des Gases gemessen werden. «Dies gibt uns Aufschlüsse über den Ursprung von Kometen und neue Erkenntnisse vom Sonnennebel, der sogenannten Urwolke, aus der unser Sonnensystem entstanden ist», sagt Altwegg.

Einladung von der ESA

Für die Rosetta-Landung wurde Altwegg ins ESA-Kontrollzentrum nach Darmstadt eingeladen. Das Interesse an der Berner Forscherin ist riesig: «Ich musste bereits CNN Red und Antwort stehen», sagt Altwegg. Zu Hause in Bern wird das Ereignis an der Uni ab 16 Uhr live übertragen, kommentiert und mit Vorträgen ergänzt. Die Landung erfolgt voraussichtlich um 16.30 Uhr. Die Signale, ob die Landung geklappt hat, treffen 28 Minuten später auf der Erde ein. Um 19 Uhr werden dann die ersten Bilder dazu erwartet. Der Anlass ist öffentlich, jedoch sind alle 460 Plätze bereits vergeben.

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