Nause zu Skatepark«Ich kann die Skepsis der Eltern verstehen»
Ab Sommer soll vor der Reitschule ein Skatepark thronen – davon sind nicht alle begeistert. Gemeinderat Reto Nause versteht die Bedenken, beschwichtigt jedoch.

Der Skatepark unter dem Eisenbahnviadukt kann gebaut werden. Spätestens Ende Juli soll der Park eröffnet werden.
Kein AnbieterFlips, Grabs und Spins unter dem Eisenbahnviadukt: Ab kommendem Sommer sollen Skateboarder auf der Berner Schützenmatte über Beton surfen können. Der Stadtberner Gemeinderat gewährt dem federführenden Verein sk8.be einen Anschubbeitrag von 240'000 Franken für die Skateranlage. «Wir haben uns sehr gefreut», sagt Initiatior Pablo Cherpillod Lobsang.
Die Bauarbeiten beginnen Mitte April. Spätestens ab Ende Juli soll die Anlage in der Nähe der Reithalle zur Verfügung stehen, wie die Berner Stadtregierung am Donnerstag mitteilte. Die Skateranlage ist für die Öffentlichkeit zugänglich, ausser bei Veranstaltungen oder Trainings des Vereins sk8.be.
Noch fehlen 40'000 Franken
Der Verein engagiert sich seit rund zehn Jahren für eine solche Skateranlage in Bern. Nun sind alle nötigen Punkte zu Bau, Betrieb und Nutzung geklärt und vertraglich geregelt. Die Finanzierung ist jedoch noch nicht gänzlich gedeckt: Noch fehlen laut Initiant Lobsang 40'000 Franken, damit alle Baukosten gedeckt werden können. Doch auch ohne das zusätzliche Geld könne der Skate-Park realisiert werden.
«Ich bin aber überzeugt, dass wir den Betrag noch zusammenbekommen», so Lobsang. Um Spender zu finden, will der Verein ein Fundraising organisieren und mit einem Video auf sich aufmerksam machen. «Am 19. März veranstalten wir eine Skate-Session auf der Schützenmatte und filmen die Teilnehmer», erklärt Lobsang. Er hoffe, dass viele Skater vorbeikommen werden.
Schützenmatte beleben
Dem Gemeinderat geht es nicht nur um die Förderung der Trendsportart, sondern auch um die Belebung der Schützenmatte. Der Platz unter dem Eisenbahnviadukt ist düster. «Jede Belebung des Areals Reitschule ist gut, weil es andere Leute hinbringt», sagt Stapi Alexander Tschäppät dazu. Er glaubt, dass sich der Skate-Park und die Reitschule gut nebeneinander vertragen werden: «Der Standort wurde schliesslich von den Initianten ausgesucht. Es gibt sicher auch viele in der Reitschule, die selber skaten.»
Viele 20 Minuten-Leser freuen sich über die positive Nachricht, so kommentiert Valentino etwa: «Gratuliere! Ich habe das Vorhaben immer wieder verfolgt – freut mich, dass es nun endlich Realität wird!» Die meisten Leser haben jedoch gemischte Gefühle: Sie begrüssen einerseits die Umsetzung des Skate-Parks, halten den Standort in der Nähe der Reitschule aber für ungeeignet. «Super Sache. Doch schade ist der Standort. Bei uns kommen vor allem Kids ab zirka neun Jahren. Ich persönlich möchte nicht, dass mein Sohn am Samstagnachmittag an einem Ort voller Dealergeschichten und Demos skatet», schreibt beispielsweise Leserin Mina.
Mit Skateanlage gegen den Drogenhandel
«Ich kann die Skepsis der Eltern verstehen», meint Reto Nause. Ihm sei bewusst, dass es sich rund um die Reitschule um einen belasteten Perimeter handle. «Mit der Existenz der Skatebahn gibt es eine Durchmischung und Belebung des Publikums. Solche Projekte haben schon immer geholfen, problematische Orte zu entschärfen.» Der Gemeinderat gehe seit einem halben Jahr mit verschiedenen Massnahmen gegen den Drogenhandel vor, um Jugendliche auf der Schützenmatte zu schützen.
Reto Nause war Stadtrat und Mit-Initiant, als das Projekt dem Stadtrat zum ersten Mal vorgelegt wurde: «Dieser Verein hat ein grosses Stück Durchhaltewille bewiesen. Nach über einem Jahrzehnt ist es nun endlich so weit.»
(sda)