Neuer VorstossGender-Schilder nun auch in Bern gefordert
Gendergerechte Fussgängerschilder zieren seit einigen Tagen die Genfer Strassen. Nun fordern grüne Politiker dasselbe in der Stadt Bern.
Eine ältere Frau, eine schwangere Frau oder ein lesbisches Paar – die neuen Fussgängerschilder von Genf bewegten letzte Woche die gesamte Schweiz – nun sollen sie auch in Bern zum Einsatz kommen. Das will zumindest das Grüne Bündnis erwirken. «Wir haben schon 2007 einen Vorstoss dazu eingereicht, dieser wurde jedoch vom Gemeinderat abgelehnt», sagt Katharina Gallizzi, Stadträtin GB, gegenüber Tele Bärn. Nun wagt die Partei einen neuen Anlauf.
Frauen nicht willkommen?
«Wenn das in Genf klappt, dann sicher auch in Bern», so Gallizzi zu 20 Minuten. Der neue Vorstoss «Gendergerechte Strassenverkehrsschilder auch für Bern» sei noch in Bearbeitung und solle an der Stadtratssitzung am Donnerstag eingereicht werden. Damit wollen die Verantwortlichen bewirken, dass «sich etwas in den Köpfen der Menschen ändert». Die Präsenz von Männern im öffentlichen Raum sei sehr hoch, so Gallizzi: «So hat man schnell das Gefühl, dass Frauen nicht willkommen sind.»
Es gehe in diesem Vorstoss darum, dass Frauen im öffentlichen Raum wahrgenommen werden. «Wir finden es wichtig, dass sich die Frauenpräsenz in den öffentlichen Strassenschildern widerspiegelt», sagt Gallizzi.
50-Prozent-Quote
Nebst den Fussgängerschildern möchte das Grüne Bündnis Bern dass Frauen auch bei Berns benannten Strassen besser vertreten sind. Laut einer im Juni 2019 eingereichten Motion gibt es lediglich 25 Frauen, nach denen in Bern eine Strasse benannt wurde. Dem gegenüber stehen 150 Männernamen, wie es in der Motion des Grünen Bündnisses heisst. Regula Bühlmann will das mit ihren Vorstoss ändern. Sie fordert, dass bei neuen Strassen in Bern oder bei Umbenennungen Frauennamen bevorzugt werden. «Wir wollen eine Quote von 50 Prozent erreichen.»
«Da bin ich schon von Anfang an klar dagegen»
Gegen den Vorstoss der Grünen ist Alexander Feuz, Stadtrat der SVP Bern. «Da bin ich schon von Anfang an klar dagegen», sagt Feuz. Es gäbe eine Signalisationsverordnung: «Die müssen überall gleich aussehen.» Frauen seien bereits auf den Schildern der 20er-Zonen abgebildet.
Die Motion zum Thema der Strassennamen unterstützt Feuz ebenfalls nicht. «Dass wir Quoten vorschreiben, ist lächerlich und geht völlig am Thema vorbei.» Für ihn spiele es keine Rolle, wie die Strassen benannt seien. Jeder Fall solle situativ behandelt werden.
Starke Frauen oft im Hintergrund
Lu Decurtins, Fachmann für Geschlechterfragen, befürwortet gendergerechte Fussgängerschilder. «Ich denke, dass solche Aktionen, wenn sie gut umgesetzt werden, die Reflexion über Geschlechterrollen anregen und so indirekt etwas zur Gleichstellung beitragen», sagt Decurtins.
In der Weltgeschichte liege der Fokus oft auf Männern. Die starken Frauen hinter den Männern, würden nicht selten im Hintergrund bleiben. Deswegen seien auch mehr Strassennamen nach Männern benannt, als nach Frauen. Der Gleichstellungsexperte findet, dass es Sinn mache, die ausserordentlichen Leistungen von Frauen mit entsprechenden Strassennamen zu würdigen: «Dies inspiriert letztlich auch Mädchen.»