Starkregen«Verirrte» Hurrikans bedrohen die Schweiz
Von der Bahn abgekommene Tropenstürme beeinflussen unser Wetter stärker als angenommen: Laut einer Berner Studie ist das Risiko von Starkniederschlägen dann jeweils doppelt so hoch.
Todesopfer, geschlossene Schulen und 360'000 Haushalte ohne Strom: Im Herbst 2017 legte Wirbelsturm Ophelia mit Windgeschwindigkeiten von fast 160 Stundenkilometern das öffentliche Leben in Irland lahm.
Verirrt sich ein solcher Tropensturm in unsere Breiten, wird das hiesige Wetter komplett gestört: Eine Studie des Mobiliar Labs für Naturrisiken an der Universität Bern zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für Regen mit zerstörerischen Wirkung dann stark zunimmt. «Es hat sich gezeigt, dass sich zwei bis drei Tage nach der Ankunft eines Sturms in den mittleren Breiten die Wahrscheinlichkeit von Starkniederschlägen in Europa verdoppelt», erklärt Klimaforscherin Olivia Romppainen.
Folgen für die Schweiz
Ein Beispiel eines «Ex-Hurrikans», der auch die Schweiz direkt in Mitleidenschaft zog, war Ende Oktober 2014 Gonzalo. Erst zog der Sturm mit hoher Geschwindigkeit über England und Deutschland, danach fegte er mit Windböen von bis zu 185 km/h über die Schweiz und hielt Polizei und Feuerwehr in Atem: Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt und Keller liefen nach Starkregen voll. Danach folgte ein früher Wintereinbruch mit Neuschneemengen in den Bergen von bis zu einem Meter. Und schliesslich zog Gonzalo gegen Süden bis nach Griechenland weiter, wo seine Überbleibsel für Schneestürme und Hochwasser sorgten.
Auch erschweren die verirrten Stürme die Prognosen hiesiger Meteorologen: An Tagen, an denen abgeschwächte Hurrikane in unsere Breiten vorstossen, ist es schwierig, Prognosen zu stellen. Das am Mobiliar Lab gewonnene Wissen über den Zusammenhang von tropischen Stürmen und Starkniederschlägen auf der anderen Seite des Atlantiks könnte laut den Forschern nun mittelfristig zu einer Verbesserung der Prognosen von Wetterextremen beitragen.
Hurrikans im Norden werden normal
Für solche Ex-Hurrikans muss man heute gewappnet sein: Denn Tropenstürme in Europas Norden sind keine Seltenheit mehr. Die tropischen Wirbelstürme entstehen im Atlantik zwischen Afrika und Nordamerika und ziehen danach in die Karibik und den Golf von Mexiko weiter, wo sie sich zu einem grossen Teil verlieren. Zahlreiche dieser ehemaligen Wirbelstürme stossen allerdings weiter gegen Norden zu uns in die mittleren Breiten vor.