«Ich schäme mich vor der ganzen Welt»

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Geri-Gate«Ich schäme mich vor der ganzen Welt»

Geri Müller erzählte den Medien von seiner erotischen Chat-Beziehung. Er habe seine dunkle Seite ausgelebt und damit einen grossen Fehler gemacht. Stadtammann will er dennoch bleiben.

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Der wegen Nackt-Selfies aus dem Bundeshaus unter Beschuss stehende Nationalrat Geri Müller hat am Dienstagmorgen an einer Medienkonferenz ein langes emotionales Statement abgegeben. Als Erstes entschuldigte er sich bei seinem Umfeld, seinen Angestellten und der Bevölkerung für sein moralisches Verfehlen. Ausführlich beschrieb er danach, wie er durch eine Diskussion über ein erotisches Buch, das die Frau vorgab zu schreiben, in den Chat hineingezogen wurde. «Es war ein rein virtueller Austausch über erotische Fantasien», so Müller. Eine Geliebte sei die Frau, die entgegen der ursprünglichen Berichterstattung von 20 Minuten 33-jährig und Gymnasiallehrerin sei, nie gewesen. Auch habe die Chat-Beziehung keine erregende Bedeutung gehabt.

Geri Müller sei zudem immer klar gewesen, dass die Äusserungen im Chat privat bleiben müssen. Darauf habe er die Frau von Anfang an hingewiesen. «Sie hat mir immer wieder versprochen, dass alles privat bleibe.» Doch als er die Chat-Beziehung beenden wollte, habe sich die Situation gedreht. «Bald schon drohte mir die Frau damit, sich das Leben zu nehmen oder mit dem ausgedruckten Chat zu den Medien zu gehen.» Von da an habe er sich auch mit ihr getroffen.

«Ich war das Ziel einer Obsession geworden»

«Sie verhielt sich zunehmend seltsam», so Müller. Unter anderem habe sie erzählt, ihr Handy sei unter Druck gestohlen zu werden. Sie liess ihn auch wissen, sie habe die Geschichte bereits den Medien gegeben. Im nächsten Moment habe sie dies wieder abgestritten. «Mir wurde bewusst, dass ich das Ziel einer Obsession geworden war.» Er habe bis zu 30 SMS pro Tag erhalten und sich zunehmend genötigt gefühlt. Darum schaltete er einen Anwalt ein. «Meine Macht als Amtsperson habe ich aber zu keinem Zeitpunkt ausgenutzt», betont er.

Für seine Aussagen im Chat entschuldigt er sich während des Statements mehrfach. Er beschreibt auch, wie er sich fühlte, als er am Sonntag die Berichterstattung sah. «Ich schämte mich vor der ganzen Welt.» Er erzählt, wie es zu diesen Chats kommen konnte. «Ich habe meine dunkle Seite ausgelebt und damit einen grossen Fehler gemacht.»

Mülller bezeichnet sich als einfachen Landjungen, der es sehr weit gebracht hat. Er habe in seinem Leben überdurchschnittlich viele gute Sachen geleistet, aber auch eine falsche. Man könne erfolgreich sein und viel Zuspruch bekommen und gleichzeitig diese dunkle Seite haben. Oft sei diese auch die interessantere Seite, weil sie Schwächen zeige. Er warnt darum besonders Junge vor solchen Chats. «Was geschrieben ist, ist geschrieben.»

«Er hat bewusst seine Macht als Amtsperson nicht ausgenutzt»

Kurz geht er auch auf die Frage ein, ob er die Chats während seiner Amtszeit verfasst habe. «Ich bin oft von morgens um 5 bis nachts um 2 Uhr im Büro und erledige dabei auch private Angelegenheiten.» Müller betont, dass er gern Stadtammann von Baden bleiben wolle. «Ich fühle mich körperlich und geistig dazu in der Lage, das Amt weiterhin auszuüben.» Rechtlich habe er sich nichts vorzuwerfen, nur moralisch. «Ich hoffe, dass die Angestellten, mein Umfeld und die Bevölkerung mir dies verzeihen können.»

Am heutigen Dienstagabend diskutiert Geri Müller mit dem Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» im Club (SRF1, 22.25 Uhr) über seinen Fall. Die «Schweiz am Sonntag» hatte seine Geschichte als erstes Medium publiziert und damit ins Rollen gebracht.

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