«Einige Zuschauer werden enttäuscht sein»

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Franco Knie«Einige Zuschauer werden enttäuscht sein»

Künftig sind in der Manege des Circus Knie keine Elefanten mehr zu bestaunen. Der Entscheid fiel der Familie schwer. Angst vor weniger Zuschauer hat der Zirkus-Direktor nicht.

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Schwere Entscheidung für Zirkusdirektor Franco Knie.
Ab 2016 sind in der Manege des Circus Knie keine Elefanten mehr zu sehen.
In einer Mitteilung begründete die Familie Knie den Verzicht damit, dass man sich auf die Erhaltung einer «zuchtfähigen und funktionierenden matriarchalen Gruppe» konzentrieren wolle.
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Schwere Entscheidung für Zirkusdirektor Franco Knie.

Keystone/Steffen Schmidt

Seit fast 100 Jahren sind im Circus Knie Elefanten zu sehen. Ab 2016 ist damit Schluss, wie es in einer Mitteilung der Familie heisst. Der Verzicht wird damit begründet, dass man sich auf die Erhaltung einer «zuchtfähigen und funktionierenden matriarchalen Gruppe» konzentrieren wolle. Deshalb blieben die beiden Elefanten-Damen Delhi und Ceylon, welche diese Saison noch mit auf Tournee sind, künftig zuhause.

Mit dem Verzicht auf Elefanten-Nummern im Zirkus brechen die Knies mit einer fast 100-jährigen Familientradition. «Die Entscheidung war sehr emotional für die ganze Familie», sagte Direktor Franco Knie senior zu 20 Minuten. Man habe schon seit längerem diskutiert, wie es mit den Elefanten weitergehen soll. Die Familie habe sich dazu entschieden, einen Park zu realisieren, da es sich bei den asiatischen Elefanten um eine bedrohte Tierart handelt. «Im Zirkus ist eine Zucht nicht möglich», so Knie.

Keinen Zuschauerrückgang erwartet

Am 5. August kam der siebenjährige Bulle Thisiam vom Zoo im polnischen Kattowitz nach Rapperswil. Dort war im März 2015 ein neuer, grosszügiger Elefantenpark eröffnet worden. Darum sei 2016 nun der richtige Zeitpunkt.

Auch im fahrenden Zoo seien die Dickhäuter nicht mehr zu sehen. «Bislang kamen die Elefanten zu den Leuten, nun müssen die Leute zu den Elefanten kommen», so Knie. Einen Rückgang bei den Zirkuseintritten erwartet er hingegen nicht. «Einige Zuschauer werden enttäuscht sein. Der Elefant ist ein Sympathieträger, er ist sowohl bei Kindern wie auch bei Erwachsenen sehr beliebt. Wenn die Leute aber unsere Begründung hören, werden sie unsere Entscheidung nachvollziehen können.»

Forderung nach gesetzlicher Regelung

Beim Schweizer Tierschutz begrüsst man den Entscheid, wie Sara Wehrli von der Fachstelle für Wildtiere zu 20 Minuten sagt. «Für uns hat der Circus Knie die richtige Entscheidung getroffen.» Ganz allgemein habe man aber mit dem Nationalzirkus aus Tierschutzsicht keine Probleme.

In der Tierhaltung sei Knie in der Schweiz vorbildlich. Allerdings sei hierzulande die gesetzliche Regelung zur Zirkustierhaltung mangelhaft. «In 18 EU-Ländern gibt es eine schwarze Liste mit Wildtieren, die nicht in Zirkussen auftreten dürfen. So etwas braucht es auch in der Schweiz», so Wehrli.

«Schritt in die richtige Richtung»

Die Tierschutzorganisation Peta stellt dem Circus Knie ein weniger gutes Zeugnis aus. Man habe den Zirkus vor zwei Jahren besucht und «verhaltensgestörte Tiere» gesehen. Auch eine «schreckliche Affenhaltung» sei auszumachen gewesen, sagt Peter Höffken, Fachreferent zum Thema Tiere in der Unterhaltungsbranche bei der Peta.

Die Entscheidung des Zirkus sei ein «Schritt in die richtige Richtung». «Nun muss der Zirkus aber den ganzen Schritt machen. Es darf keine Zurschaustellung wie Elefantenreiten oder Dressuren mehr geben», fordert Höffken. Dass Knie keine Elefanten mehr in der Manege will, überrascht die Peta nicht. Der internationale Trend gehe in diese Richtung, da viele Zuschauer sich dagegen wehren würden. «Die Leute kennen die schlechten Haltungsbedingungen in Zirkussen und wollen das nicht mehr», so Höffken.

Kein Diktat von Aktivisten

Der Verzicht auf Elefanten in der Manege habe nichts mit der immer wieder laut werdenden Kritik von Tierschützern an der Elefantenhaltung im Zirkus zu tun, erklärte Franco Knie senior auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Man lasse sich «von Aktivisten nicht diktieren», was man zu tun habe.

Die Knies seien selbst Fachleute genug, um die Situation der Tiere und deren Haltung zu beurteilen. Man habe sich stets für das Tier und dessen Wohl eingesetzt.

Welche Rolle übernimmt nun Knies Sohn?

Dies kommt nicht zuletzt auch den Elefanten in freier Natur zu Gute. Dem Kinderzoo liegt - wie anderen Zoos - der Artenschutz am Herzen: Über die Einnahmen des Kinderzoos unterstützt er Projekte zum Schutz der höchst gefährdeten asiatischen Elefanten. Bisher ging es laut Knie um ein Projekt in Sri Lanka. Zurzeit prüfe man ausserdem eines in Thailand.

Über die Rolle seines Sohnes Franco Knie (junior) nach dem Wegfall der Elefantennummern verriet Knie nichts: Er spreche nicht über das nächste Programm, wenn das aktuelle noch laufe. Sein Sohn habe sich im Übrigen schon bisher nicht nur um die Elefanten gekümmert, sondern sei auch «in die technischen Belange involviert» gewesen.

Im Juni und Juli waren drei alte Elefantenweibchen gestorben. Sumatra war laut Mitteilung mit 53 eines natürlichen Todes gestorben. Die 52-jährige Siri hatte fortgeschrittenen Krebs und die 54-jährige Patma litt an einer zunehmenden Niereninsuffizienz. Die beiden Kühe mussten eingeschläfert werden. (slw/dia/sda)

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