Ausländer finden die Schweizer unfreundlich

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«Unwillkommenskultur»Ausländer finden die Schweizer unfreundlich

Im internationalen Vergleich ist die Schweiz bei Expats immer unbeliebter. Viele fühlen sich laut einer Studie nicht willkommen.

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Sie wissen, wie man sich in der Schweiz einlebt: Ausländer in Zürich. (Video: 20 Minuten/Alice Grosjean)

Sie arbeiten für grosse Konzerne wie Google, Unilever oder Roche und sind gut qualifiziert: sogenannte Expats. Die Lebenssituation der globalen Nomaden in 67 Ländern hat die Plattform Internations in einer Studie mit über 14'000 Teilnehmern untersucht.

Die Umfrage zeigt: Im internationalen Vergleich ist die Schweiz für Expats immer weniger attraktiv. Im Ranking belegt sie noch Platz 31 – nach Platz 14 im Vorjahr und Platz 4 vor zwei Jahren. «Die Schweiz hat kontinuierlich an Beliebtheit eingebüsst und liegt nur noch im Mittelfeld, nachdem sie vor zwei Jahren noch zu den Top-Destinationen zählte», sagt Malte Zeeck, CEO von Internations. Damit liegt die Schweiz hinter Staaten wie Tschechien, Rumänien oder Vietnam. Die Nase vorn haben Taiwan und Malta.

«Keine Willkommenskultur»

An der Schweiz schätzen die Expats die hohe Lebensqualität, die Sicherheit, das gute Transportwesen sowie die guten Arbeitsbedingungen. Trotzdem zählen Expats in der Schweiz zu den unglücklichsten weltweit. Negativer als vor zwei Jahren schätzen sie vor allem ihre persönliche finanzielle Situation ein: 65 Prozent halten die Lebenshaltungskosten für zu hoch. Sie machen die hohen Löhne wieder zunichte. Bekannt ist, dass verschiedene Firmen Zusatzleistungen für Expats gestrichen haben.

Äusserst schwer fällt den Fachkräften aus dem Ausland die Integration: Viele fühlen sich nicht willkommen, in nur drei Ländern fällt es den Expats noch schwerer, sich einzuleben. «Reserviert» oder «distanziert» seien die Schweizer, monierten mehrere der Interviewten. Zwei von drei haben Mühe, Schweizer Freunde zu finden. Katastrophal schneidet die Schweiz bei der Freundlichkeit der einheimischen Bevölkerung ab: Sie belegt weltweit den viertletzten Rang. Nur gerade 7 Prozent halten die Einheimischen für sehr freundlich, gut jeder Dritte sagt, sie seien unfreundlich gegenüber Ausländern.

«Die Schweizer bleiben auf Distanz zu den Fremden – es herrscht eine Unwillkommenskultur», kommentiert Zeeck das Ergebnis. Er glaubt, dass die Diskussionen um die Begrenzung der Zuwanderung und die höhere Arbeitslosigkeit Ressentiments gegenüber ausländischen Fachkräften verstärkt haben. «Möglicherweise müssen die Firmen in Zukunft höhere Löhne bezahlen, um diese Nachteile auszugleichen.»

Schweizerdeutsch als Hürde

Die psychologische Beraterin Martina Famos hilft in Zürich Expats in schwierigen Lebenslagen. Sie bestätigt, dass viele keinen Anschluss finden und gar depressiv werden. «US-Amerikaner etwa sprechen Leute schnell mal an. Viele Schweizer meiden aber Augenkontakt, was spontane Gespräche und den Austausch von Höflichkeiten behindert.» Damit würden Ausländer vor den Kopf gestossen. Hinzu komme, dass die Schweiz zu den schwierigsten Ländern gehöre, um die Sprache zu lernen, weil überall Dialekt gesprochen werde. Von Expats, die oft befristete Verträge hätten, könne man nicht erwarten, dass sie an jeder Station eine neue Sprache lernten.

20 Minuten hat auf den Strassen Zürichs aber auch ausländische Arbeitskräfte getroffen, denen es in der Schweiz pudelwohl ist (siehe Video). So sagt Julian Tse, ein Fotograf aus England, ein wenig Schwyzerdütsch helfe bei der Integration. An den Schweizern schätze er insbesondere, dass sie so verlässlich seien. Auch ein deutscher Anwalt ist glücklich in Zürich. Er sagt, es gebe kulturelle Unterschiede, an die man sich anpassen müsse. So habe er lernen müssen, seine direkte deutsche Art etwas zurückzunehmen. «Aber man lernt ja gern dazu.»

Was finden Sie? Sind Schweizer wirklich so unfreundlich? Schreiben Sie Ihre Meinung ins Kommentarfeld.

Top 10

Top 10

1. Taiwan

2. Malta

3. Ecuador

4. Mexiko

5. Neuseeland

6. Costa Rica

7. Australien

8. Österreich

9. Luxemburg

31. Schweiz

Grösste Verlierer

In Klammern: Verlorene Plätze im Vergleich zum Vorjahr

1. Vereinigte Arabische Emirate (21)

2. Indonesien (20)

3. Hongkong (20)

4. Malaysia (17)

5. Schweiz (17)

6. Irlan (16)

7. USA (13)

8. Argentinien (11)

9. Dänemark (11)

10. Thailand (11)

(Internations Expat Insider 2016)

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