FettnäpfchenBortoluzzi schiesst gegen junge Akademikerinnen
SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi schliesst einen vorzeitigen Rücktritt aus, weil dann eine junge Frau nachrücken würde - und erst noch Juristin. Ein Schreiner wäre ihm lieber.
SVP-Urgestein Toni Bortoluzzi sorgte jüngst für einen Sturm der Entrüstung: Schwule hätten «einen Hirnlappen, der verkehrt läuft», sagte er in einem Interview. Jetzt hat der 67-Jährige seine Aussagen gegenüber der «Berner Zeitung» und den Zürcher Landzeitungen erneut verteidigt - nicht ohne gleich wieder einen Angriff zu reiten. Diesmal äusserte er sich wenig wohlwollend über junge Akademikerinnen. Ein Dorn im Auge ist ihm namentlich seine Parteikollegin und Zürcher Kantonsrätin Barbara Steinemann. Die 38-jährige Juristin würde bei einem frühzeitigen Rücktritt von Bortoluzzi in den Nationalrat nachrücken.
Gefragt nach einem solchen Schritt sagte Bortoluzzi: «Das ist kein Thema. Ich habe dies zwar ursprünglich nicht ausgeschlossen. Aber es kommt drauf an, wer nachrückt. Wenn es in meinem Fall ein Schreiner wäre, dann wäre ein vorzeitiger Rücktritt nicht ausgeschlossen.» Es handle sich um eine junge Frau und eine Juristin, und beides sei ein Problem. «Für mich ist sie keine ideale Vertreterin der Frauen. Ich glaube, meine Frau würde sie nicht wählen.» Ideale SVP-Frauen seien dagegen Verena Herzog, Nadja Pieren oder Andrea Geissbühler. Diese seien «sehr konservativ».
«Ergraute Alte werden zur Belastung»
Steinemann schlägt auf Anfrage von 20 Minuten zurück: «Für Bortoluzzi gehört die Frau an den Herd.» Sie sei in gesellschaftlichen Fragen aufgeschlossener als ihr Parteikollege: «Ich habe nichts gegen Schwule und Kinderkrippen, die Lebensform sollte jedem selbst überlassen sein.» Die erneute Entgleisung Bortoluzzis zeige, dass der Generationswechsel bei der SVP längst hätte vollzogen werden sollen.
«In der Partei hält man Bortoluzzi für nicht mehr zurechnungsfähig. Es rächt sich nun, dass sie SVP bei den Nationalratswahlen 2011 auf die ergrauten Alten wie Bortoluzzi oder Hans Fehr gesetzt hat», sagt Steinemann. Bortoluzzi fühle sich bedroht, da er aus der Partei immer wieder höre, er solle endlich Platz machen. «Dabei will die Basis genau junge, gut ausgebildete Frauen in diesen Ämtern», so Steinemann.
Sie rechnet trotzdem nicht mehr mit einem Rücktritt vor dem Ende der Legislatur. Ob sie 2015 wieder antritt, will sie offen lassen. Bortoluzzi war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.