Braucht es an Schulen Krankenschwestern?

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Für mehr ChancengleichheitBraucht es an Schulen Krankenschwestern?

An einigen deutschen Schulen gibt es neu Krankenschwestern. Das soll etwa die Gesundheit von Kindern aus armen Familien verbessern. Ein Modell auch für die Schweiz?

A. Schawalder
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A. Schawalder
Im deutschen Bundesland Brandenburg kümmern sich seit neuem Schulkrankenschwestern um die Gesundheit der Kinder. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt an einzelnen Schulen.
Diese Schulkrankenschwestern sollen sich um die Gesundheit der Schüler kümmern. Dazu gehört Erste Hilfe, Betreuung von kranken Kindern und Prävention.
Besteht dafür auch in der Schweiz Bedarf? SVP-Nationalrätin Verena Herzog verneint: «Es braucht an Schweizer Schulen nicht noch mehr Spezialisten für neue Spezialaufgaben.» Lehrpersonen seien fähig, eine Situation einzuschätzen und entsprechend zu reagieren.
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Im deutschen Bundesland Brandenburg kümmern sich seit neuem Schulkrankenschwestern um die Gesundheit der Kinder. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt an einzelnen Schulen.

zvg

Im deutschen Bundesland Brandenburg werden in einem Pilotprojekt Schulkrankenschwestern in einigen Schulen eingesetzt. In der Schweiz kennen die meisten dieses Prinzip wohl nur von Harry Potter, wo die Zauberschüler jeweils Madame Pomfrey im Krankenflügel besuchen können. In den USA, in Grossbritannien oder Finnland sind solche Schulkrankenschwestern hingegen völlig normal.

Nun springt also auch Brandenburg auf den Zug auf: Die Krankenschwestern sollen dort Erste Hilfe leisten, kleinere Verletzungen verarzten und Schüler betreuen, die sich schlecht fühlen. Sie kümmern sich auch um Schüler mit chronischen Gesundheitsproblemen wie Diabetes. Ausserdem betreiben sie Prävention, indem sie Schulklassen über Gesundheitsthemen informieren.

Das Projekt soll neben der Gesundheit auch die Chancengleichheit der Schüler erhöhen. So hätten Armut und die damit verbundene ungesunde Ernährung negative Effekte auf eine gute Bildung, wie das Bundesland Brandenburg schreibt. Die Beratung und Betreuung der Schulschwestern soll dem entgegenwirken.

Auch Potenzial in der Schweiz?

Auch in der Schweiz beobachten Fachleute die Entwicklung mit Interesse. Im Kanton Waadt sind Schulkrankenschwestern schon einige Jahre im Einsatz. Jürg Brühlmann vom Schweizer Lehrerverband findet den Einsatz von Schulkrankenschwestern sinnvoll – speziell in Tagesschulen: «Da das Kind die Eltern dort den ganzen Tag nicht sieht, ist eine kompetente medizinische Versorgung wichtig.» Zudem könnten die Krankenschwestern dazu beitragen, dass chronisch kranke Kinder einfacher in den Schulalltag integriert werden können. Bei Fragen rund um Ernährung, Sexualität und andere Gesundheitsthemen könnten sie Schüler aufklären und beraten.

Heute kümmern sich die Lehrer um kleinere medizinische Probleme wie etwa Schürfungen. In den meisten Schulen gibt es zudem einen Notfallkoffer. Zur Frage, ob nicht besser Fachleute zum Einsatz kommen sollten, meint Regula Behringer von den Schulgesundheitsdiensten der Stadt Zürich: «Dies ist unter anderem eine Kostenfrage. Es braucht dazu Personal, Räume und so weiter.»

Zweifel an Notwendigkeit

Verena Herzog, SVP-Nationalrätin und Mitglied der Gesundheits- und der Bildungskommission, hält das für unnötig: «Es braucht an Schweizer Schulen nicht noch mehr Spezialisten für neue ‹Spezialaufgaben›.» Lehrpersonen seien fähig, eine Situation einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. Nach Heilpädagoginnen und Sozialarbeitern auch noch Schulschwestern zu engagieren, sei völlig übertrieben. «Wichtiger ist eine gut funktionierende Kommunikation zwischen Schule und Eltern.»

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