RettungsaktionDiese Kartoffel ist zu gross und «visuell ungenügend»
Im Detailhandel gibt es kaum grosse Süsskartoffeln. Damit zehn Tonnen übergrosse Knollen nicht im Müll landen, lancieren Aktivisten eine Rettungsaktion.
Weil die Süsskartoffelernte üppig ausgefallen ist, bleiben Schweizer Produzenten auf zu grossen Süsskartoffeln sitzen. Betroffen ist auch ein Zürcher Bio-Landwirt: «Dieser hat zehn Tonnen Bio-Süsskartoffeln an Lager, die er nicht verkaufen kann», sagt Dominik Waser vom Verein Grassrooted.
Sein Team plant am 2. März deshalb eine «Süsskartoffel-Rettungsaktion», damit mindestens drei Tonnen dieser Süsskartoffeln nicht weggeworfen werden.
Drei Tonnen sind weg
Die bisherigen Rückmeldungen seien überwältigend gewesen, sagt Waser. «Innert weniger Tage sind bei uns schon so viele Bestellungen eingegangen, dass wir die 3-Tonnen-Marke knacken konnten. Aufgrund der grossen Nachfrage werden wir sicher mehr verkaufen können als ursprünglich geplant», sagt Waser zu 20 Minuten.
Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber noch schwer abzuschätzen, wie viele Tonnen effektiv vor dem Wegwerfen gerettet werden könnten.
Kunden kaufen nur das schöne Gemüse
Doch warum haben übergrosse Süsskartoffeln kaum Chancen, in den Regalen der Detailhändler zu landen? Tristan Cerf, Mediensprecher der Migros, sagt: «Wie überall, gibt es auch beim Gemüse Produktnormen. Diese werden in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Branche erarbeitet. Oft gelten diese schweizweit oder entsprechen sogar EU-Normen.»
Allerdings sei die Migros bei den Süsskartoffelnormen ein bisschen kulanter als bei anderen. Dies liege daran, dass es sich nach wie vor um ein Nischenprodukt handle und noch geprüft werden müsse, was die Kunden hinsichtlich Süsskartoffeln wünschten.
Trotzdem habe man bei der Migros die Erfahrung gemacht, dass Kunden visuell ungenügende Produkte nicht kauften. «Schöne und gleichmässig geformte Früchte und Gemüse sind ein klares Kundenbedürfnis», sagt Cerf.
Da der Süsskartoffelanbau in der Schweiz trotz grossem Boom noch in den Kinderschuhen stecke, sei gute Qualität deshalb besonders wichtig. «Da Kunden stets die schönsten Stücke wählen, macht es für uns wenig Sinn, den Markt mit nicht der visuellen Norm entsprechenden Waren zu versorgen und vielleicht lebensmitteltaugliche Ware wegzuwerfen.»
«Jede Aktion gegen Foodwaste ist gut»
Trotzdem engagiere sich die Migros stark gegen Foodwaste: «Jede Aktion gegen Lebensmittelverschwendung ist gut. Aber solche Aktionen müssen auch einen passenden Markt finden.» Cerf verweist in diesem Zusammenhang auf andere Absatzmärkte, wo vermutlich auch grosse Süsskartoffeln Abnehmer fänden. «Ich vermute, dass grosse Süsskartoffeln im Direktverkauf oder in der Gastronomie auf Nachfrage stossen könnten.»
Waser sieht die Normgrössen beim Gemüse negativ: Durch Normgrössen seien sich Konsumenten einfach nicht mehr andere Grössen und Formen gewohnt.
Normgrössen sind ein Problem
Dies führe dazu, dass eine übergrosse Süsskartoffel bei den Konsumenten weniger gut ankomme. «Der Konsument sieht dann oft nur noch den hohen Preis und gar nicht mehr, wie viel er mit dieser Menge an Süsskartoffel alles zubereiten kann.»
Ausserdem müsse man immer im Hinterkopf behalten, dass eine Schweizer Süsskartoffel nun mal teurer sei als eine ausländische beim Discounter: «Wir als Konsumenten sind mit unserem Kaufverhalten für Foodwaste mitverantwortlich.»
++Gesellschaft++
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Ist die Süsskartoffel eine Kartoffel?
Die Süsskartoffel stammt aus Südamerika. Ausser dem Namen und dem Gedeihen unter der Erde teilt die Süsskartoffel aber nur wenige Eigenschaften mit der herkömmlichen Kartoffel. Die Süsskartoffel ist kein Nachtschatten- sondern ein Windengewächs. Auch im Geschmack unterscheiden sie sich. Die Süsskartoffel ist süss und ähnelt im Geschmack eher Kürbissen. Im Vergleich zur Kartoffel enthält die Süsskartoffel wesentlich komplexere Stärke, weshalb sie sich günstiger und besser auf den körpereigenen Insulinspiegel auswirkt. Sie muss also weniger Botenstoff produzieren, damit der Zucker vom Blut in die Zellen wandert.