Frauenrechtlerinnen monieren«Outfits von Turnerinnen sind sexistisch»
SP-Abgeordnete und Frauenrechtlerinnen stören sich daran, dass Turnerinnen Bein zeigen müssen. Der Schweizerische Turnverband sieht keinen Sexismus.
Kurze Röcke, hochgeschnittene Bodys und knappe Höschen: So sehen die Outfits vieler Sportlerinnen aus. Das stösst den Tessiner SP-Grossrätinen Tatiana Lurati und Gina La Mantia sauer auf. Wie der «Corriere del Ticino» schreibt, stören sich die Abgeordneten insbesondere an den Richtlinien der Kantonalen Tessiner Turnvereinigung. Diese schreibt für männliche Wettkampfteilnehmer je nach Turnkategorie lange oder kurze Turnhosen vor. Weibliche Wettkampfteilnehmerinnen müssen dagegen in allen Disziplinen ausschliesslich Kleider mit hohem Beinausschnitt tragen. Shorts sind nicht erlaubt.
Die Politikerinnen wollten nun von der Tessiner Regierung wissen, ob ihr bewusst sei, dass diese Regeln nicht der Gleichstellung der Geschlechter entsprächen und die Diskriminierung förderten. Auch fragten sie die Regierung, ob sie keinen Handlungsbedarf sehe. Sie verweisen zudem auf die Tendenz zur Sexualisierung, die zum Beispiel sehr junge Mädchen in ihrer Phase des pubertären Wachstums und der Identitätsentwicklung beeinflussen könnte.
Gleiche Vorschriften für beide Geschlechter
Ursula Nakamura vom Schweizerischen Verband für Frauenrechte unterstützt die beiden Parlamentarierinnen. «Die Kleidung muss immer der entsprechenden Sportart angepasst sein», so Nakamura. Folglich müssten für beide Geschlechter die gleichen Kleidervorschriften gelten.
Grundsätzlich finde sie auch, dass die Outfits der Damen in gewissen Sportarten, wie zum Beispiel dem Turnen, sexistisch seien. Zudem stünden solche Outfits im Gegensatz zu den Gleichstellungsprinzipien. Auch verstärkten sie die Stereotypen. Zur Bekleidung im Turnen meint sie: «Beim Sport am Barren braucht es für beide Geschlechter einen besseren Schutz.» Frauen sollten deshalb auch am Körper anliegende lange Shorts wie Männer tragen.
«National sind kurze Hosen auch für Frauen erlaubt»
Thomas Greutmann, Sprecher des Schweizerischen Turnverbandes (STV), sieht in den Tenues dagegen keinen Anlass zur Diskussion. «Im Geräte- und im Kunstturnen sind sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern die Wettkampf-Tenues sehr körperbetont. Hier von einer Diskriminierung zu sprechen ist deshalb aus unserer Sicht nicht zutreffend», sagt er. Der enganliegende Schnitt der Wettkampf-Tenues habe auch Sicherheitsaspekte. Bei weit geschnittener Kleidung könnten die Turner hängen bleiben und sich gravierend verletzen.
Anders als im Tessin seien in den nationalen Wertungsvorschriften der Sportart Geräteturnen eng anliegende, kurze Hosen auch für Frauen erlaubt. International gelten aber andere Richtlinien: In der Sportart Kunstturnen sind beispielsweise in den Wertungsvorschriften des internationalen Turnverbandes FIG für Frauen das Tragen eines Turndresses ohne Hosen vorgeschrieben. Diese stellen jedoch keine Probleme für die Sportlerinnen dar: «Aus Sicht des Schweizerischen Turnverbandes sind die Bekleidungsvorschriften des STV und der FIG von den Turnerinnen und Turnern akzeptiert und nicht Gegenstand von Reklamationen und Diskussionen.»