FestnahmeRapperin Loredana zockt Walliser Ehepaar ab
Die Star-Rapperin Loredana soll ein Walliser Ehepaar um 700'000 Franken gebracht haben. Die Staatsanwaltschaft Luzern hat eine Untersuchung wegen Verdachts auf Betrug eingeleitet.
Petra Z. erzählt, wie Star-Rapperin Loredana sie um 700'000 Franken erleichtert hat.
Die Luzerner Polizei hat gestern Abend die Star-Rapperin Loredana Zefi in einer Wohnung in der Stadt Luzern festgenommen und eine Hausdurchsuchung durchgeführt. «Die Staatsanwaltschaft Luzern hat eine Untersuchung wegen Verdachts auf Betrug eingeleitet», sagt Sprecher Simon Kopp gegenüber 20 Minuten. Eine Befragung habe noch nicht stattgefunden. Für Loredana Zefi, die wieder auf freiem Fuss ist, gilt die Unschuldsvermutung. Ihr Anwalt will zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung nehmen.
Die Rapperin und ihr älterer Bruder sollen der Walliserin Petra Z.* (52) und ihrem Mann Hans* (53) mit einer miesen Nummer über 900'000 Franken abgeknöpft haben: «Ich wurde betrogen, erpresst, genötigt und bedroht», sagt Petra Z. gegenüber 20 Minuten. Die Walliserin hat im Frühling 2018 bei der Polizei in Brig Anzeige gegen Loredana Zefi und ihren Bruder eingereicht. Die Anzeige gegen Loredanas Bruder wurde fallen gelassen. Grund: Die Zahlungen seien freiwillig erfolgt. Ausserdem habe Petra Z. die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen missachtet.

Petra (52) und Hans Z. (53) sind hoch verschuldet und haben ihre Eigentumswohnung verloren.
«Loredana und ihr Bruder haben uns alles genommen. Unser Geld, unsere Eigentumswohnung.»
Vor über zwei Jahren hatte die Kellnerin im Internet einen Mann kennen gelernt, dem sie für eine angebliche Operation 87'000 Franken vorschoss. Das Darlehen stieg auf 200'000 Franken. Doch das Geld bekam sie nicht zurück. Stattdessen meldete sich einige Monate später eine junge Frau bei Petra Z., die sich als Anwältin ausgab und ihr anbot, das Geld auf rechtlichem Weg zurückzuholen. Innert weniger Monate soll es der angeblichen Juristin gelungen sein, Petra Z. und ihrem Mann 700'000 Franken aus der Tasche zu ziehen. Dafür verschuldeten sie sich bei Verwandten und Freunden.
20-Minuten-Recherchen zeigen: Hinter der vermeintlichen Anwältin steckt Instagram-Star und Rapperin Loredana Zefi aus Luzern. Sie ist die Schwester der Internet-Bekanntschaft, die mit Petra Z. im Internet angebandelt hatte. «Loredana und ihr Bruder Berat* haben uns alles genommen. Unser Geld, unsere Eigentumswohnung. Einfach alles, wofür wir einfachen Leute hart gearbeitet haben», sagt Petra Z. «Ihretwegen wollte ich mir das Leben nehmen.»

Die Rapperin Loredana hat über 1,3 Millionen Follower auf Instagram.
20 Minuten trifft Petra Z. Mitte Februar dieses Jahres in ihrem Zuhause in einer Walliser Gemeinde. Die kleine, zierliche Frau mit schmalem Gesicht und Brille wirkt zerbrechlich, als sie am Esstisch Platz nimmt und der Katze durchs rote Fell streicht. Weisser Plattenboden. An der Wand hängt Jesus am Kreuz. Auf dem Balkon weht eine Walliser Fahne. Wuchtig ragen die Berge empor. Den ganzen Winter fallen keine Sonnenstrahlen durchs Fenster in die Wohnung des Ehepaars Z.
1. Wie alles begann
Hier erzählt Petra Z., wie sie mit Loredanas Bruder bzw. mit der Rapperin in Kontakt geriet.
(Video: 20 Minuten)
Juni 2016. Es war einer dieser Tage, an denen sich Petra Z. etwas einsam fühlte, als sie sich auf dem Community-Portal Badoo einloggte und die Freundschaftsanfrage des gutaussehenden Antonio Cas akzeptierte. Sie sei zu jener Zeit oft auf dem Community-Portal gewesen, um neue Leute kennen zu lernen. Mit Antonio habe sie sich «nett unterhalten». «Er war ein toller Gesprächspartner», erinnert sich Petra Z.. Jeden zweiten Tag schrieben sie sich per Whatsapp.
«Er wirkte so vertrauenswürdig und zuvorkommend.»
So habe sie denn auch eingewilligt, als er ihr vorgeschlagen habe, sie im Wallis daheim zu besuchen. Aber «nur für einen Kaffee». Schliesslich sei sie verheiratet. Seit über 28 Jahren. Beim Besuch erzählte ihr Antonio, dass er geschieden sei und als Zollbeamter am Flughafen Euro-Airport Basel-Mulhouse arbeite. «Er wirkte so vertrauenswürdig und zuvorkommend», erinnert sich Petra Z.

Dieses Bild schickte «Antonio Cas», der sich später als Berat entpuppte, Petra Z. Es soll ihn als Zollbeamten am Euro-Airport Basel-Mulhouse zeigen.
2. Eine neue Niere
Petra Z. berichtet, wofür Loredanas Bruder angeblich Geld benötigte.
(Video: 20 Minuten)
September 2016. Zwei Monate nach dem Kennenlernen bat Antonio Petra Z. um Geld. «Er sagte, seine kranke Mutter brauche eine neue Niere. Da sie keine Versicherung habe, sei eine Behandlung in der Schweiz unmöglich. Sie müsse in Monaco operiert werden.» Doch er habe kein Geld, da er seiner Ex-Frau Unterhaltszahlungen leisten müsse. Petra Z. lieh Antonio 87'000 Franken. Das Geld übergab sie ihm an drei Treffen in einem Restaurant in einem Walliser Dorf in einem Couvert. «Er bedankte sich und versprach, das Geld bis Ende Jahr zurückzuzahlen.» Ihrem Mann habe sie nichts davon erzählt. Doch als Hans Z. den Kontostand prüfte, sei ihm die Luft weggeblieben, erinnert sich der Lastwagenfahrer.
3. Der Pass
Dezember 2016. Vier Monate waren vergangen. Das Geld hatte Petra Z. noch immer nicht zurückerhalten. So beschloss das Ehepaar, Antonio an dessen Arbeitsplatz am Euro-Airport Basel Mulhouse einen Besuch abzustatten. Dort forderte ihn Hans Z. auf, den Pass zu zeigen. «Als er den Pass aufschlug, stand darin nicht Antonio, sondern Berat. Ich war enttäuscht, dass er mich angelogen hatte», sagt Petra Z. Sie habe sich darüber aber nicht weiter Gedanken gemacht. «Wir wollten einfach unser Geld zurück.»
Loredanas Bruder und der kosovarische Premier
Loredanas Bruder Berat präsentiert sich auf Instagram als Lebemann mit Beziehungen in die obersten politischen Kreise. Einige Fotos zeigen ihn Sekt trinkend oder den Doppeladler machend mit Ramush Haradinaj, dem Premierminister des Kosovo. Haradinaj verbindet ein enges Verhältnis zur Schweiz. Nach seinem Wehrdienst lebte er knapp zehn Jahre in Luzern. In den 90er-Jahren hatte er in der Schweiz politisches Asyl. Hier schloss er sich auch der «Volksbewegung des Kosovo» an, einer Vorläuferorganisation der paramilitärischen Befreiungsarmee des Kosovo (UCK), in der Haradinaj später Karriere machte.
Loredanas Bruder und der kosovarische Premier
4. Die erste Anzeige
Dezember 2016. Das Ehepaar Z. beschloss, Berat bei der Polizei zu melden. Allerdings erfolglos: «Als ich Anzeige erstatten wollte, hiess es, man könne nichts machen. Es handle sich um ein Selbstverschulden. Ich hätte blauäugig einem unbekannten Mann Geld geliehen. Ich war am Boden zerstört.»
5. Das Casino
Januar 2017. Berat schlug dem Ehepaar im Januar 2017 vor, dass er das Geld im Spielcasino Barrière Blotzheim in Frankreich nahe dem Euro-Airport erspielen könnte. Dafür brauche er aber zusätzliches Geld. «Berat meinte, ein Freund, der im Casino arbeite, könne ihm helfen, das Geld zu beschaffen.» Petra Z. willigte ein und drückte Berat vor dem Casino zwischen Januar und Februar dreimal Geld bar in die Hand. Inzwischen schuldete er ihr 200'000 Franken.
März 2017. Das Ehepaar Z. bat Berat darum, eine Schuldanerkennung zu unterschreiben, was dieser am 10. März 2017 auch tat. Dann herrschte ein halbes Jahr Funkstille. Er sei im Gefängnis gewesen, soll Berat Monate später erklärt haben.

Berat bestätigte am 10. März 2017 schriftlich, Petra und Hans Z. 200'000 Franken zu schulden.
6. Die Anwältin «Anna Landmann»
Die Geschädigte Petra Z. berichtet, wie sich Loredana bei ihr unter falschem Namen als Anwältin ausgab.
(Video: 20 Minuten)
September 2017. An einem Vormittag im September 2017 meldete sich eine unbekannte Frau telefonisch bei Petra Z., die behauptete, vom Betrugsfall erfahren zu haben. Ihr Name sei «Anna Landmann». Sie sei die uneheliche 29-jährige Tochter des Zürcher Staranwalts Valentin Landmann und ebenfalls Anwältin. Anna Landmann versprach Petra Z., ihr Geld zurückzuholen.
«Im ersten Moment denkt man nur: Jetzt ist jemand da, der uns hilft.»
«Im ersten Moment denkt man nur: Jetzt ist jemand da, der uns hilft», erinnert sich Petra Z.. Dieses Gefühl habe sich verstärkt, als sie noch am gleichen Nachmittag Anna Landmann in Zürich am Hauptbahnhof persönlich kennen lernte. «Sie war eine sehr sympathische, freundliche junge Frau. Ich dachte: ‹Das ist sicher eine ehrliche Frau›.» Sie habe ihr vertraut.
Für ihre juristische Hilfe verlangte Anna Landmann eine Entlöhnung. So zahlte Petra Z. Anna Landmann eine Woche später 12'000 Franken, die sie ihr in einem Couvert in einem Restaurant am HB Zürich überreichte.

Instagram-Star Loredana gab sich als Anwältin Anna Landmann aus. Sie sei die uneheliche Tochter des Milieu-Anwalts Valentin Landmann.
Zu Beginn bezahlte Petra Z. Anna Landmann für ihre «unterstützende Ermittlungsarbeit» mit einem guten Gefühl und in der Hoffnung, bald wieder ihr Geld von «Antonio Cas» zurückzuerhalten. Doch Anna Landmann habe sie zunehmend unter Druck gesetzt: «Sie sagte, ich müsse Geld bringen. Immer wieder. Ich habe das gemacht. Tausende von Franken.» Später habe sie ihr mit einer Razzia gedroht oder damit, dass ihr Mann vorbeikommen werde und «ich ihn dann richtig kennen lernen würde». Die meisten Drohungen seien telefonisch erfolgt, andere per Whatsapp.

Mit solchen Nachrichten setzte Loredana Zefi Petra Z. unter Druck.
Anna Landmann habe auch Schmuck verlangt. «Die Frau behielt meine Kette mit einem Kreuz, das ich zur Erstkommunion geschenkt bekommen habe, und eine Kette mit einem Herz-Anhänger.»
«Die Anwältin behielt das Kreuz, das ich zur Erstkommunion erhielt.»
Schliesslich habe Anna Landmann Geld-Depots gefordert. Diese seien notwendig gewesen, um ihre Kreditfähigkeit zu beweisen und das bereits vorgeschossene Geld zurückzuerhalten, so Petra Z. «Sie brauche Depots für den Staat, für das Bundesgericht, für die Deutsche Bank und die UBS. Das Depot würde in einem Schliessfach hinterlegt.» Ausserdem habe sie auch Geld «als Sicherheit» vorschiessen müssen. Etwa an ihre vermeintliche Stiefschwester Loredana Zefi.

Petra Z. überwies am 25. Januar 2018 Loredana Zefi 16'000 Franken. Anwältin Landmann habe behauptet, Zefi sei ihre Stiefschwester.
Anna Landmann habe immer wieder beteuert, ihr das Geld wieder zurückzugeben. Innerhalb der nächsten neun Monate sollte Petra Z. der angeblichen Anwältin über 700'000 Franken zukommen lassen, wofür sie sich bei Bekannten und Freunden verschuldete.
Obwohl ihr Anna Landmann zu Beginn vertrauenswürdig erschienen war, entschied sich Petra Z. laut eigenen Angaben, Valentin Landmann ein E-Mail zu schreiben, um die Wahrheit zu überprüfen. Dieser konnte sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht an ein solches E-Mail erinnern. Er bestätigte aber, dass in der Vergangenheit tatsächlich eine Anna Landmann in seiner Kanzlei gearbeitet habe. Dabei handle es sich um seine Ex-Frau.
Geldtransfers
Petra Z. erzählt, über welche Wege sie ihr Geld an Loredana und Komplizen überwies.
(Video: 20 Minuten)
60 Prozent der Geldüberweisungen seien bei zahlreichen Treffen in bar erfolgt, sagt Petra Z.. Etwa am Hauptbahnhof Zürich, in Hotels in Luzern oder im Auto. Es habe sich um Summen im vier- und fünfstelligen Bereich gehandelt.
Der Rest sei per Postkonto überwiesen worden. 20 Minuten liegen sechs Bankauszüge vor, die Geldüberweisungen in der Höhe von insgesamt über 75'000 Franken von Petra Z. an vier Mitglieder und Bekannte der Familie Zefi in Emmenbrücke und Pristina belegen. Unter anderem auch an Loredana persönlich. Sie habe argumentiert, diese Leute würden sie bei den Ermittlungen unterstützen.
Drohungen
Petra Z. berichtet, wie sie von Loredana und Komplizen bedroht wurde.
(Video: 20 Minuten)
Petra Z. betont, die Überweisungen seien auf Druck erfolgt und mit dem Versprechen, das Geld zurückzubekommen. Loredana forderte laut Z., dass sie alle Chatverläufe löschen solle, und warnte sie davor, Beweise zu Hause aufzubewahren. «Sie sagte, dann würden mein Mann und ich bestraft und kämen ins Gefängnis. Wir würden verlieren und sie gewinnen. Sie hätten mehr Macht als wir.» Würden sie sich nicht an ihre Anweisungen halten, würden sie das Geld nie zurückbekommen. «Sie sagte, dass ich mir dann das Leben nehmen könne. Ich hatte Angst. Sehr grosse Angst.» Der anhaltende psychische Druck habe sie zerstört, sagt Petra Z.. Letzten Sommer habe sie 12 Kilo verloren. Sie wog noch 33 Kilogramm.
Geldtransfers
7. Der Bankchef «Hans Meier»
Oktober 2017. Im Oktober trat eine weitere Person in das Leben des Ehepaars Z. Sie stellte sich als «Bankchef Hans Meier» vor. Kommunizieren konnte man mit Hans Meier nur per Whatsapp. «Der Bankchef schrieb mir immer wieder, dass ich nun bald das Geld abholen könne», sagt Z., die wieder Hoffnung geschöpft hatte.
Dezember 2017. Am 28. Dezember 2017 schrieb der Bankchef, dass Petra Z. am 1.1.2018 400'000 Franken in Cash abholen könne. 380'000 Franken würden ihr überwiesen. Ausserdem müsse sie 25'000 Franken in Cash dabeihaben. Z. zahlte und wartete umsonst auf das Geld.

Petra Z. hat einzelne Screenshots zur Sicherheit ausgedruckt, sollte ihr das Handy abhanden kommen.
Februar 2018. Anfang Februar 2018 schrieb der Bankchef, dass Petra Z. am 7.2.2018 980'000 Franken erhalten werde. Die Summe setzt sich zusammen aus den 200'000 Franken, die Berat Petra Z. schuldete, den 700'000 Franken, die Anna Z. schuldete, plus 80'000 Franken Zinsen, Spesen und Entschädigung, die Petra Z. versprochen wurden. Petra Z. schöpfte wieder Hoffnung. Vergeblich.

Unter der Nummer des Bank-Chefs verspricht Loredana Petra Z., dass sie am 7. Februar 2018 980'000 Franken zurückerhalten wird – sofern sie 15'000 Franken als Sicherheit bezahle.
Schulden
Das Ehepaar Z. soll über 700'000 Franken an Loredana und 200'000 Franken ihrem Bruder Berat abgetreten haben. Doch wie kam das Arbeiterpaar zu so viel Geld? 250'000 Franken stammen gemäss Petra Z. von ihr und ihrem Mann. Rund 650'000 Franken hätten ihnen zehn Verwandte und Bekannte aus der Region geliehen. «Diese Leute haben mir vertraut. Leider.»
Schulden
8. Loredana fliegt auf
Petra Z. erzählt, wie sie eines Tages die Luzerner Rapperin in der Zeitung 20 Minuten wiedererkannt hat.
(Video: 20 Minuten)
14. Februar 2018. Petra Z. war im Februar 2018 im Zug unterwegs, als sie in einer 20-Minuten-Zeitung blätterte und ein Foto von Anna Landmann entdeckte. Doch die Frau hiess in Wirklichkeit anders: Loredana Zefi.

20 Minuten berichtete am 14.2.2018 über die Rapperin Loredana Zefi, die inzwischen über 1,3 Millionen Follower auf Instagram hat.
Die Frau war keine Anwältin. Sie war Rapperin. 20 Minuten berichtete damals über ihren kometenhaften Aufstieg auf Instagram. Dort folgen der albanischstämmigen 23-Jährigen inzwischen über 1,3 Millionen Menschen. Ihr Hit «Sonnenbrille» hat auf Youtube über 44 Millionen Views erzielt. Loredanas Songs wurden in Deutschland vergangenes Jahr 76 Millionen Mal gestreamt. Das sind mehr Abrufe als jeder andere Schweizer Act in Deutschland vorweisen kann. In ihren Musikvideos und auf Instagram präsentiert sich Loredana gern im Pelz, in grossen Autos, mit goldenem Schmuck und mit Geldscheinen in der Hand.
Auszug aus dem Loredana-Hit «Sonnenbrille»

Die Sonnenbrille schützt meine Identität
Sie fragen mich, woher, sie ist von Fendi, ey
Die Hände voller Cash, kann nicht ans Handy gehen
Mein Leben so gefickt, ich kann kein Ende sehen
Oh, mein Gott, oh, mein Gott, oh, mein Gott
Ich fahr' wieder zu schnell um meinen Block, um meinen Block
Die Cops halten mich an, ja, sie sagen zu mir, «Stopp!»
Doch mein Lächeln zu charmant, nein, ich mach' mir da keinen Kopf
Nein, ich mach' mir kein Problem, was soll denn schon passieren?
Hab' fast alles schon gesehen, meine Finger sind verziert
Mit den Ringen von Cartier, denn sie passen gut zu mir
Mann, ihr steht mir nicht im Weg, ich kann einfach nicht verlieren
Ich glaub', ich bin geboren, um zu gewinnen
Ja, ich kauf' Louis Vuitton ohne Sinn
Digga, guck, ich hau' mein Geld so einfach raus
Hab' mir das selber aufgebaut
Auszug aus dem Loredana-Hit «Sonnenbrille»
Im Sommer soll die Mutter einer kleinen Tochter gemeinsam mit ihrem Mann Mozzik – einem kosovarischen Star-Rapper – am Openair Frauenfeld auftreten. Für ihre gemeinsame Single «Bonny und Clyde» dürfte das Paar, das in Luzern lebt, seine erste goldene Schallplatte erhalten.
«Als ich das Bild sah, habe ich einen Schock bekommen»
«Als ich das Bild sah, habe ich einen Schock bekommen. Ich traute meinen Augen nicht», erinnert sich Z. Als sie Loredana beim nächsten Treffen mit ihrer Entdeckung konfrontiert habe, habe diese nur laut gelacht und behauptet, das Foto zeige nicht sie, sondern ihre Schwester. Diese sehe ihr sehr ähnlich. «Ich glaubte ihr nicht. Aber ich wollte mich nicht mit ihr streiten. Ich hatte immer Angst, mich mit ihr zu streiten. Ich wusste nicht, wozu diese Frau fähig ist.»
Erst zu einem späteren Zeitpunkt habe Anna Landmann plötzlich zugegeben, Loredana Zefi zu heissen. Sie habe aber betont, nur nebenher Songs zu schreiben und hauptsächlich Klienten zu betreuen. «Lori versprach, sie werde uns wirklich helfen und uns das ganze Geld zurückgeben. Die Frau hat immer gesagt: «Ich schwöre auf meine Kinder. Ich schwöre auf meine Mutter.» Wir haben ihr geglaubt. Deshalb hatten wir weiterhin Kontakt mit ihr.»
«Sie sagte: ‹Ich schwöre auf meine Kinder. Ich schwöre auf meine Mutter.›»
Obwohl Petra Z. nun Anna Landmanns echten Namen kannte, erkannte sie noch nicht, dass Loredana mit Berat, der sich zuvor als Antonio ausgegeben hatte, verwandt war. «Auf diesen Gedanken kam ich nicht, ich war so durch den Wind.» Erst viel später habe ihr Loredana erzählt, dass Berat ihr Bruder sei. «Sie betonte aber, dass sie mir wirklich helfen wolle, das Geld von ihrem Bruder zurückzuholen.» Sie sei zwar skeptisch gewesen, es sei ihr aber nichts anderes übrig geblieben, als ihr zu glauben.

Loredana mit ihrem Bruder Berat.
Dass Loredana nicht nur hinter der fiktiven Person Anna Landmann steckte, sondern auch hinter dem ominösen Bankchef, erfuhr Petra Z. erst von 20 Minuten. Loredana hatte in der Vergangenheit Medienanfragen unter beiden Telefonnummern entgegengenommen.
9. BMW und Porsche
März und April 2018. Loredana Zefi behauptete laut Petra Z., sie brauche Autos, um ihren Fall zu lösen: «Also haben wir Autos gemietet. Mercedes, BMW, Porsche. Sie wollte einfach Luxusautos. Nicht einmal der Bundesrat hat solche Autos.» Zu Beginn habe Loredana die Autos pünktlich zurückgebracht. Das letzte Auto aber habe sie erst nach drei Wochen statt nach 10 Tagen zurückgebracht, worauf Petra Z. von der Avis Autovermietung AG wegen Veruntreuung eine Anzeige kassierte. Loredana Zefi ist darin als Mittäterin aufgeführt.
«Nicht einmal der Bundesrat hat solche Autos»
Aus der Nichtanhandnahmeverfügung vom 20. Februar 2019 der Staatsanwaltschaft Winterthur/ Unterland geht hervor, dass die Polizei den gemieteten Mercedes Ende April im Parkhaus Zürich-Flughafen fand und der Avis übergab. Weiter steht im Schreiben, dass Loredana am 23. April der Führerausweis entzogen wurde. Bei der Befragung bestritt Loredana jedoch, nach dem 23. April ein Fahrzeug gelenkt zu haben.
Wie Petra Z. berichtet, hätten sie und ihre Cousine Bussen wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen bezahlt. 20 Minuten liegt ein Radarfoto vor, das Loredana Zefi am Steuer in einem von Petra Z. gemieteten Auto zeigt.

Dieses Radarfoto zeigt Loredana Zefi in einem Auto, das Petra Z. für sie gemietet hatte.
10. Bruder Agon
Mai 2018. Loredana Zefi ist mittlerweile schwanger geworden. Sie teilte Petra Z. mit, dass sie ihr leider nicht mehr helfen könne, und verwies sie an einen ihrer Brüder. Von nun an werde ihr Agon* helfen. Kurz darauf meldete sich Loredana jedoch wieder bei Petra Z.

Loredana bittet Petra Z. den Kontakt mit ihrem Bruder Agon zu behalten.
11. Aufenthalt in Luzern
Mai und Juni 2018. «Loredana bestellte mich nach Luzern. Dort würde ich mein Geld bekommen», erzählt Petra Z. Drei Wochen hätten sie «diese Leute» in Luzern festgehalten und nicht ins Wallis gelassen. Ihr sei vorgeschrieben worden, in welchen Hotels sie schlafen müsse. Die Hotels seien auf ihren Namen vorgebucht worden. «Ich war im Radisson Blu, im Hotel Astoria, im Bellevue.»

Petra Z. verbrachte einige Tage in Luzern, unter anderem im Radisson Blu. Unfreiwillig, wie sie sagt. Bildquelle: www.booking.com
Als sie nach Hause habe gehen wollen, habe ihr Loredana dies verboten. Es könne sein, dass sie schon morgen ihr Geld bekommen könne. Ausserdem sei es auch für ihre Sicherheit besser, wenn sie in Luzern bleibe. Loredana befahl ihr, die Anweisungen ihrer Leute zu befolgen. «Sonst bekäme ich Probleme und verlöre alles. Ich würde mich strafbar machen und ins Gefängnis wandern. Ich habe das alles geglaubt.» Loredana könne einfach sehr gut reden. Nach drei Wochen habe es plötzlich geheissen, Petra Z. könne nun nach Hause gehen – einmal mehr ohne Geld.
Nach diesem traumatischen Erlebnis brach Petra Z. zusammen. Dank der Unterstützung der Opferhilfe Oberwallis schöpfte sie wieder Kraft und beschloss, Anzeige gegen Loredana und Berat einzureichen.
12. Strafanzeigen
Juli 2018. Petra Z. hat im Juli 2018 bei der Polizei in Brig Anzeigen gegen Loredana und Berat eingereicht. Petra Z. wirft Loredana Betrug, Erpressung, Nötigung und Drohung vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Loredana Zefi könnte unter anderem wegen Betrugs überführt werden. Wer sich an anderen unrechtmässig bereichert, indem er jemanden arglistig irreführt, dem droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Von Arglistigkeit spricht man, wenn jemand ein Lügengebilde aufbaut. Die Lügen müssen laut Strafrecht «von besonderer Hinterhältigkeit zeugen und derart raffiniert aufeinander abgestimmt sein, dass sich auch das kritische Opfer täuschen lässt».
Februar 2019. Gegen Loredanas Bruder Berat wird nicht ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Wallis hat die Anzeige im Februar fallen gelassen. Petra Z. habe Berat das Darlehen freiwillig gegeben und dabei die «grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen missachtet», schreibt die zuständige Staatsanwältin. Sie verweist ans Bundesgericht, das festhält: Fällt ein Opfer allzu leichtgläubig auf eine Lüge herein, greift das Strafrecht nicht.
Hoffnung
Warum hat das Ehepaar Z. nicht schon viel früher die Notbremse gezogen und die Geldflüsse gestoppt? «Ich habe einfach immer gehofft, dass es gut kommt. Sie hat mir ja geschrieben: ‹Es kommt gut, wir haben es geschafft.›»
Loredana habe ihr auch eine Voice-Nachricht mit diesem Inhalt geschickt: «Du brauchst nicht mehr arbeiten zu gehen. Wir haben es geschafft.»
In dieser Voicemail von Loredana an Petra Z. ist zu hören, wie die Rapperin der Geschädigten Mut machen will.
(Video: 20 Minuten)
Hoffnung
13. Das Leben danach
Petra Z. schildert, wie es ihr seit geht, seit sie um mehr als 700'000 CHF betrogen wurde.
(Video: 20 Minuten)
14. Februar 2019. Wie geht es Petra Z. zweieinhalb Jahre nach der ersten Begegnung mit Antonio Cas auf der Chatplattform Badoo? Die Walliserin kämpft mit Angststörungen und Suizidgedanken. Sie ist in psychologischer Behandlung. «Mein Vertrauen ist verloren. An gewissen Tagen habe ich keine Kraft. Da helfen Medikamente. Und Kraft geben mir meine Gottenkinder.» Dann blickt Z. zu ihrem Mann, der sich während des Interviews im Hintergrund gehalten hat, und sagt mit brüchiger Stimme. «Ich muss meinem Mann Danke sagen, dass er immer hinter mir gestanden ist. Jeder andere hätte gesagt: ‹raus!›.»
«An gewissen Tagen habe ich keine Kraft. Da helfen Medikamente»
Petra Z. hat einen einzigen Wunsch: «Lori soll endlich sagen, was sie mit unserem Geld gemacht hat, und es zurückgeben. Erst wenn ich allen Familienmitgliedern und Freunden die Schulden zurückgezahlt habe, werde ich Ruhe finden.»
14. Zeigt Loredana Reue?
12. März 2019: Petra Z. wollte endlich ihr Geld zurück und reiste an einem frühen Dienstagmorgen im März nach Luzern zu Loredanas aktuellem Wohnort. «Ihr Ehemann Mozzik war da. Ich sagte, dass ich ihrer Tochter ein Geschenk überreichen wolle. Doch ich durfte nicht rein.» Der Besuch zeigte Wirkung. Loredana überwies Petra Z. noch am gleichen Tag 3000 Franken. Dies solle nun monatlich geschehen, schrieb sie.
«Du weisst, ich tue alles für Gerechtigkeit»
In den Nachrichten, die 20 Minuten vorliegen, räumte Loredana ein, dass Z. über 900'000 Franken zustehen. Das Geld hätten ihr aber zwei ihrer Brüder abgeknöpft und nicht sie. So hiess es etwa: «Du kennst mich. Du weisst, ich tue alles für die Gerechtigkeit. Du musst einfach nicht jedem vertrauen.»

Loredana, die Petra Z. immer noch als «Bank» abgespeichert hat, schreibt ihr, sie tue alles für die Gerechtigkeit.
15. Treffen am HB Zürich platzt
6. April 2019. Agon hat Petra Z. versprochen, ihr am 6. April am HB Zürich 650'000 Franken zu übergeben. Diesmal sei es «definitiv». Am Vorabend lässt Agon das Treffen platzen.
16. Die Polizei schlägt zu
7. Mai 2019. Die Luzerner Polizei hatte Loredana Zefi schon länger im Visier. Dann, am Abend des 7. Mais 2019, schlug sie zu. Sie nahm die Rapperin in einer Wohnung in der Stadt Luzern fest und führte eine Hausdurchsuchung durch. Die Staatsanwaltschaft Luzern hat eine Untersuchung wegen Verdachts auf Betrug eingeleitet. Für Loredana Zefi gilt die Unschuldsvermutung.
*Namen geändert