Nach Tod von Bruno R.SBB findet über 500 Mängel bei Unfallwagen
Der Bund rügt die SBB und verlangt Sofortmassnahmen, nachdem bei einem Unfall ein Zugbegleiter sein Leben verlor. Jetzt reagiert die Bahn.
Das Bundesamt für Verkehr (BAV) findet deutliche Worte: Nachdem am 4. August ein Zugbegleiter von einer defekten Tür eingeklemmt wurde, verlangt es bis Ende Oktober Verbesserungen. Bis dann muss die SBB sicherstellen, dass die Lokführer den richtigen Zustand der Türen des betroffenen Wagentyps EW IV sehen können.
Zudem muss die SBB bis Ende Oktober darlegen, wie sie den Einklemmschutz, der bei diesen Wagen laut einem Zwischenbericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle nicht richtig funktioniert, verbessern will. Das BAV rügt die SBB auch, weil die Sonderkontrollen nach dem tödlichen Unfall eine hohe Fehlerquote gezeigt hätten. Zudem gebe es möglicherweise Lücken beim Unterhalt und der Arbeitsausführung.
SBB entdeckte 512 Mängel
Nun reagiert die SBB. Am Freitagnachmittag gibt die Konzernspitze um CEO Andreas Meyer bekannt, wie sie die Sicherheit garantieren will. Die Bahn habe in der Zwischenzeit ein Massnahmenpaket geschnürt. Im Rahmen von Sonderkontrollen nach dem Unfall seien bei 384 kontrollierten Zügen und 1536 Türen 512 Mängel entdeckt, wovon der grösste Teil nicht sicherheitsrelevant gewesen sei.
66 Mal sei beim Einklemmschutz ein Mangel in der Funktionsweise erkannt worden, wobei 7 nicht funktioniert hätten. Die SBB prüfe zurzeit, ob der Abfertigungsprozess, der sicher sei, weiter verbessert werden könnte. Gemäss jetzigem Kenntnisstand sei es nicht nötig, die EW-IV-Wagen ausser Betrieb zu nehmen.
Die SBB schreibt in einer Mitteilung, dass die vergangenen Wochen gezeigt hätten, dass «bei einem Teil der Mitarbeitenden das Vertrauen fehlt, dass ihre Meldungen ernst genommen werden und zu Massnahmen und Verbesserungen führen». Die SBB überprüfe deshalb alle Hinweise der Mitarbeitenden und Kunden der vergangenen Jahre noch einmal und überprüfe das Meldewesen auf seine Wirksamkeit.