ETH-InformatikerStudenten sagen Professor mit Inserat Danke
Eine Gruppe ETH-Studenten will sich bei einem ihrer Professoren bedanken. Dafür kauft sie eine ganze 20-Minuten-Seite. Auf das ungewöhnliche Geschenk reagiert der Lehrer sichtlich gerührt.
Für 20 Franken konnte man Ende November auf Ricardo einmalig ein ganzes A4-Seiten-Inserat für die Jubiläumsausgabe von 20 Minuten ersteigern, die heute erschienen ist. Das Angebot wurde in Zusammenarbeit von Ricardo und 20 Minuten lanciert, da beide dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern.
Auf dieses Angebot stiessen Informatikstudent Jason Zibung und neun seiner Studienfreunde beim Lesen von 20 Minuten. «Wir wollten die Seite unbedingt kaufen, um uns bei einem unserer Professoren für seinen Einsatz zu bedanken», sagt Zibung. Tatsächlich schaffte es einer der Studenten, der erste von 4000 Teilnehmern zu sein, die in den ersten drei Sekunden nach Aktionsstart den Sofortkaufen-Button auf Ricardo drückten. Somit gehörte die Seite ihnen.
Positives Feedback für positive Leistung
«Uns ist direkt Professor Maurer in den Sinn gekommen», sagt Zibung. Ueli Maurer unterrichtet an der ETH diskrete Mathematik im Fach Computerwissenschaften. Laut Zibung ist Maurer nicht nur ein sehr bekannter Professor seines Fachs, sondern unterrichtet herausragend gut. «An der ETH kümmern sich alle Profs gut um die Studenten. Auch diesen möchte ich danken», sagt Zibung. «Aber Maurer sticht mit seiner Art, wie er uns den komplexen Stoff vermittelt, einfach hervor. Er hat eine sehr lockere, aber aufschlussreiche Unterrichtsweise.»
Zudem nehme sich Maurer sehr viel Zeit für seine Studenten und sei immer bereit, bei Unklarheiten aufzuklären. Die im Inserat abgebildete Lehrskript-Seite zur Logik hätten sie beispielsweise alle in sehr guter Erinnerung behalten. «Damit wurden die Inhalte auch auf andere Bereiche unseres Studiums gut anwendbar.»
Zibung ist überzeugt: «Ich denke, das Inserat wird ihn bestimmt freuen und zum Lachen bringen.» Die Aktion soll laut Zibung ein positives Feedback sein: «Es soll Herrn Maurer zeigen, dass er mit seiner Art zu unterrichten auf dem richtigen Weg ist und gute Arbeit leistet.»
«Unterrichten ist nicht einfach ein Job»
Maurer hat die Anzeigenseite mittlerweile gesehen. «Das ist unglaublich», sagt er zu 20 Minuten sichtlich gerührt. Er investiere sehr viel Zeit in seine Unterrichtstätigkeit und habe deshalb schon ein paarmal Fanpost von Studenten erhalten. «Doch das ist wirklich sehr speziell.»
Dass seine Studenten seine Leistungen als Dozent wertschätzen, liege daran, dass er authentisch und begeistert bei der Sache sei, sagt Maurer. «Mathematik und das Unterrichten derselben ist nicht einfach ein Job. Ich bin davon überzeugt, ich lebe es und ich bin Teil des Prozesses.»
Strategien der Vermittlung
Grundsätzlich sei diskrete Mathematik nicht gerade das Fach, das die Informatikstudenten am meisten begeistern würde. «Viele interessieren sich mehr fürs Programmieren oder für Anwendungen. Und dann komme ich und sage: «Abstraktion ist wichtig.» Das ist im ersten Moment nicht so spannend.»
Deshalb brauche es eine gute Vermittlungsleistung. Diese setze sich bei ihm im Unterricht aus Didaktik, aber eben auch aus der Vermittlung von Freude an der Materie zusammen. «Man muss ein gewisses Rollenmodell einnehmen und zeigen, dass man den Stoff nicht nur einfach für die Prüfung abarbeiten sollte, da das schade wäre. Ich versuche, zu vermitteln, dass Freude an Mathe Lebensinhalt sein kann, und lebe den Studenten diese Freude vor.»