Wernli im RöckliSie will, dass Männer ihr Komplimente machen
Im Minirock ermuntert Kolumnistin Tamara Wernli Männer, ihr Komplimente zu machen. Feministinnen fürchten um die Glaubwürdigkeit der #MeToo-Debatte.
Seit der #MeToo-Bewegung fühlen sich einige Männer verunsichert. Man dürfe Frauen ja gar keine Komplimente mehr machen, ohne gleich als sexueller Belästiger abgestempelt zu werden, klagen sie. Diesen Männern dürfte Feminismus-Kritikerin Tamara Wernli mit einem aktuellen Tweet eine Freude bereitet haben.
Auf Twitter postete die Basler Kolumnistin ein Foto, das sie in fünf verschiedenen Posen in einem schwarzen Minirock zeigt. «Frauen freuen sich über Komplimente, darum posten wir u. a. ja nette Bildchen von uns, bitten senden Sie Ihr Wow!!», ermutigte die Feminismus-Kritikerin einen User. Dieser hatte zuvor gestanden, dass ihn der Gedanke an Sexismus und Feminismus von einem Kompliment abgehalten habe.
«Schärfer, als die Polizei erlaubt»
Danach kamen die User, vor allem Männer, in Fahrt. «Wow», «Hot», «Mörderfigur» oder «Schärfer, als die Polizei erlaubt», schrieben sie. Wernli konnte sich vor Komplimenten kaum mehr retten.
User Carlo Marx gab Wernli mit einem ironischen Kommentar weiteren Auftrieb. «Wer hat Ihnen das nur angetan, Frau Wernli?! Diese Reduktion auf Ihr Äusseres ist doch sowas von #sexistisch. Sie sollten sofort gegen den Fotografen vorgehen!» Danach folgt ein Seitenhieb gegen die BH-Verbrennungsaktion von Juso-Chefin Tamara Funiciello: Verbrenne sie in einem weiteren Bild ihren BH, sei es «natürlich eine politische Botschaft».
«Kompliment ist etwas Positives»
Für Wernli ist klar: «Ein Kompliment ist ein positives, freundliches Feedback, egal ob es zu äusserlichen oder inneren Merkmalen gemacht wird.» Ein Kompliment diene dem zwischenmenschlichen Umgang. «Es kreiert eine Art Wärme, die heute in der schnelllebigen Zeit ja oft verloren geht. Und es zaubert fast immer ein Lächeln ins Gesicht.»
Ein Kompliment für das Äussere sei eine kleine Bestätigung für die Arbeit, die man in seinen Körper oder in die Aufmachung wie Haar und Make-up stecke. «Würden mich solche Komplimente stören, würde ich solche Fotos nicht posten. Und grundsätzlich erhalte ich viel mehr Lob zu meiner Arbeit als zu meinem Äusseren.» Allerdings gehöre das Lob auch dem Fotografen Lucian Hunziker, der sie für seinen Fotoband «Basel in Porträts» so grossartig in Szene gesetzt habe, präzisiert sie. Laut Wernli sollen sich Menschen mehr Komplimente machen. «Auch Männer mögen Komplimente über ihr Äusseres. Sie strahlen dann wie Maikäfer.»
«Nicht alle Frauen freuen sich über Komplimente»
Für Rahel Fenini vom feministischen Magazin «Fempop» geht Wernli zu weit: «Mit ihrer Aussage, wir Frauen würden unter anderem nette Bildchen für Komplimente posten, wirft Tamara Wernli Frauen in einen Topf und bezeichnet sie als Personen, die mit ihren Posts nur nach Aufmerksamkeit und Komplimenten von Männern schreien», sagt Fenini. «So gibt Tamara Wernli Männern Auftrieb, die Frauen vor allem als Objekt sehen.» Daraus könne eine negative Spirale entstehen. «Diese spielt einer Bewegung wie #MeToo und der daraus folgenden Sensibilisierung für Grenzüberschreitungen entgegen.»
Auch Christina Klausener von der feministischen Friedensorganisation CFD kritisiert den Post. «Bei Frau Wernli mag das zutreffen, aber es ist nicht so, dass sich alle Frauen über Komplimente rein zu ihrem Äusseren freuen.» Mit ihrer Aussage trage Wernli dazu bei, dass Frauen auf ihre Äusseres reduziert würden, was Teil eines sexistischen Diskurses sei. «Das heisst aber nicht, dass Männer keine Komplimente machen dürfen.» Entscheidend seien lediglich der Kontext und die Beziehung. «Macht der Partner ein Kompliment über das Aussehen seiner Freundin, wirkt dies anders, als wenn dieses vom Chef kommt.» Durch die #MeToo-Bewegung fühlten sich zudem auch Männer durch traditionelle Geschlechterrollen eingeengt. «Viele Männer stören sich mittlerweile zum Beispiel an sexistischer Werbung.»