Türkische Buben spielen Kriegsszene nach

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Heimatkunde im ThurgauTürkische Buben spielen Kriegsszene nach

Im Rahmen des Heimatkunde-Unterrichts haben türkischstämmige Kinder die Schlacht von Gallipoli nachgestellt. Die türkische Botschaft in Bern war Schirmherrin.

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Im Thurgau stellten Primarschüler die Schlacht von Gallipoli nach: Ein Kind hält eine Spielzeugwaffe in der Hand.
Ein Türkei-Experte bezeichnet die Szenen als einen Anlass, bei dem Kinder gezielt für nationalistische Kriegs-Propaganda von Staatspräsident Tayyip Erdogan instrumentalisiert würden.
Ahmet Tak, Präsident des Dachverbandes der türkischen Elternvereine in der Ostschweiz, versteht die Polemik nicht: «Vor 20 oder 30 Jahren war dieses Stück für niemanden ein Problem, jetzt soll es plötzlich Propaganda für Erdogan sein?» sagt er im Interview mit 20 Minuten.
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Im Thurgau stellten Primarschüler die Schlacht von Gallipoli nach: Ein Kind hält eine Spielzeugwaffe in der Hand.

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Schweizerisch-türkische Primarschüler haben im Rahmen eines Freifachs im Thurgau in Militäruniformen und mit Spielzeugwaffen blutige Schlachten nachgespielt. Bei der Darbietung in der Unterrichtsreihe «Heimatliche Sprache und Kultur» in einer Mehrzweckhalle Uttwil am 25. März zielten gemäss vom «SonntagsBlick» publizierten Videobildern sechsjährige Buben gegenseitig aufeinander und posierten als Leichen – zugedeckt mit türkischen Fahnen. Dabei sei die Schlacht von Gallipoli dargestellt worden

- ein Gefecht im Ersten Weltkrieg, bei dem Soldaten des Osmanischen Reiches britische, australische und französische Einheiten zurückschlugen.

Treibende Kraft hinter der Darbietung ist laut der Zeitung die türkische Botschaft in Bern, im Publikum sassen Ehrengäste aus Ankara.

Für die Heimatkunde arbeitet die Botschaft mit den Kantonen zusammen. Diese stellen etwa Klassenzimmer zur Verfügung, der Besuch wird im regulären Zeugnis vermerkt.

Etwas zu weit gegangen

Ein Türkei-Experte erklärte der Zeitung, bei dem Anlass würden Kinder gezielt für nationalistische Kriegspropaganda von Staatspräsident Erdogan instrumentalisiert. Beim in dem Fall zuständigen Kanton St. Gallen wusste man laut Angaben eines Amtsleiters nichts von den Kriegsszenen.

Der Kurs-Organisator räumte ein, beim militärischen Schauspiel wohl etwas zu weit gegangen zu sein. Es sei aber «nur» ein historisches Ereignis nachgespielt worden. Ähnliche «Kriegsspiele» gab es laut «SonntagsBlick» auch in Solothurn und im Aargau. (roy/sda)

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