«Täter kannte das Gelände in- und auswendig»

Aktualisiert

Kristallhöhlen-Mord«Täter kannte das Gelände in- und auswendig»

Der Mord an zwei Mädchen im Jahr 1982 ist nach schweizerischem Gesetz verjährt. Trotzdem sieht ein Profiler eine Chance, diesen noch aufzuklären.

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nab
Sie verschwanden am 31. Juli 1982: Karin Gattiker (links) und Brigitte Meier. Die beiden Mädchen...
... unternahmen eine Velotour durch die Ostschweiz (hier eine nachgestellte Szene aus der Sendung Aktenzeichen XY). Ihre Spur verlor sich...
... zunächst an dieser Wegkreuzung in Oberriet.
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Sie verschwanden am 31. Juli 1982: Karin Gattiker (links) und Brigitte Meier. Die beiden Mädchen...

Der deutsche Tatortanalytiker Axel Petermann (64) erstellt schon seit Jahrzehnten Persönlichkeitsprofile von Straftätern, hauptsächlich von Mördern. Nun will er dazu beitragen, dass das Rätsel um den «Kristallhöhlen-Mord» aufgeklärt wird, berichtet der «Sonntagsblick». Der Mord ist zwar 34 Jahre her, trotzdem ist er sicher: «Dieser Fall kann gelöst werden.» Auch wenn die Tat bereits verjährt sei, hätten die Menschen das Bedürfnis, die Wahrheit zu erfahren. «Dieses Bedürfnis kennt keine gesetzlichen Grenzen», so Petermann.

Die beiden Mädchen Birgitte Meier (17) und Karin Gattiker (15) aus Goldach SG waren 1982 bei einer Velotour verschwunden. Nach rund neun Wochen fand ein Spaziergänger ihre Leichen: Birgitte Meier lag in einem Wurzelloch, zugedeckt mit einer 100 Kilogramm schweren Steinplatte, Karin Gattiker wurde 50 Meter davon in einer Felshöhle entdeckt.

Laut Petermann führt die entscheidende Spur über den Fundort von Karin Gattiker: Sie sei höchst raffiniert und professionell versteckt worden. «Dieses Versteck sagt viel über den Täter aus», folgert Petermann. Der Mann sei ein enormes Risiko eingegangen. «Er muss das Gelände in- und auswendig gekannt haben und ein Kletterer gewesen sein», so Petermann. Ohne ein Seil oder Kletterwerkzeug hätte er den Abstieg mit der Leiche nie geschafft.

Drei Männer kommen für Petermann in Frage

Die Polizei hatte viele Verdächtige: Ein Chauffeur, der bereits früher mit Sexualdelikten auffällig wurde, wurde verhaftet und wird heute noch in der Strafanstalt Pöschwies verwahrt. Für den Profiler scheidet der Mann allerdings als Täter aus. Ebenfalls entlastet Petermann einen Lehrer und einen Architekten, die im Laufe der Ermittlungen ins Visier der Polizei geraten waren.

Dafür stehen für den Profiler drei Männer im Zentrum, die als Höhlenführer tätig waren. Einer von ihnen ist mittlerweile verstorben. Ein weiterer war damals 23 Jahre alt und arbeitete auch in einem nahen Hotel als Wirt. Am 31. Juli, als die Mädchen verschwanden, hatte dieser Dienst in der Höhle. Auf dem Weg fuhr er an der Kreuzung vorbei, bei der die zwei Mädchen ihre Fahrräder abgestellt hatten. Nur: Der Mann war kein Kletterer und wog damals 150 Kilogramm. Felsenfest behauptet dieser, weder die Mädchen noch die Velos am Strassenrand gesehen zu haben.

Ein Dritter bleibt für Petermnann übrig. Dieser meldete am Tag des Verschwindes der Mädchen einen Einbruch, der nur vorgetäuscht war. Zudem wurde ein Kugelschreiber der Firma Suhner in Herisau, bei der der junge Mann arbeitete, auf einer der Leichen gefunden.

Tatverlauf ist für Profiler rätselhaft

Petermann geht davon aus, dass die Mädchen freiwillig in ein Auto gestiegen sind. Dass sie gewaltsam in ein Fahrzeug gezerrt wurden, schliesst er aus: Sonst wären die Velos nicht parallel zueinander am Strassenrand gestanden.

Weiter glaubt der Profiler, dass sich irgendetwas im Bereich der Höhle abspielte – vielleicht ein versuchter sexueller Übergriff mit Todesfolge. Der Tatverlauf ist für den Profiler rätselhaft, ebenso, ob es sich beim Mörder und beim Verstecker der Leichen um dieselbe Person handelt. Fest steht für ihn aber: «Es war kein Profikiller, aber ein mit dem Gelände Vertrauter, ein Kletterer und Höhlenkenner.»

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