KristallhöhlenmordProfiler versucht zu denken wie der Mörder
Tatortanalytiker Axel Petermann (66) durchforstet derzeit die Umgebung rund um die Kristallhöhle bei Oberriet SG. Seine Ergebnisse präsentiert der Profiler am Donnerstag.
Ende Juli 1982 ereignete sich in Oberriet SG ein Verbrechen, das auch Jahre danach die Menschen beschäftigt (siehe Box). Die beiden Goldacherinnen Karin Gattiker (†15) und Brigitte Meier (†17) begaben sich in den Sommerferien auf eine Velotour, von der sie nie mehr zurückkehrten. Ihre Velos wurden bei der Verzweigung zur Kristallhöhle gefunden, ihre Leichen neun Wochen später auf dem Gelände in der Nähe der Höhle.
37 Jahre später untersucht Tatortanalytiker Axel Petermann (66) das Verbrechen erneut. «Ein Tatort verrät auch Jahre später noch viel», sagt der Profiler am Montag in Oberriet SG zu 20 Minuten. «Täter hinterlassen Informationen, ob sie wollen oder nicht.» Bei der Tat und nach dem Verbrechen müsse ein Täter Entscheidungen treffen, ebenfalls bei der Beseitigung der Opfer. «Daraus ergeben sich Spuren, die man Rekonstruieren und Interpretieren kann und schliesslich ergibt sich ein Bild.»
Deshalb ist Petermann Ende letzter Woche ins St. Galler Rheintal gereist, um zusammen mit Mitgliedern der Interessengemeinschaft Kristallhöhlenmord den Fundort der Leichen und verschiedene mögliche Wege dorthin abzulaufen und zu begutachten. Ziel ist es, neue Erkenntnisse über den Ablauf des Verbrechens zu gewinnen. Die IG Kristallhöhlenmord besteht aus Privatpersonen, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, den Fall trotz Verjährung weiter zu bearbeiten und zu lösen.
Tatortanalytiker Axel Petermann (66) durchforstet derzeit die Umgebung rund um die Kristallhöhle bei Oberriet SG. Seine Ergebnisse präsentiert der Profiler am Donnerstag.
(Video: mwa)
Profiler Axel Petermann im Interview. Video: mwa
Neues zur Persönlichkeit des Täters
Die Ergebnisse wird Petermann am Donnerstagabend bei einem Vortrag in Oberriet bekanntgeben. Er werde keinen Täter mit Namen nennen, aber seine Analysen präsentieren.
Petermann hatte sich 2016 schon einmal mit dem Fall beschäftigt. Nach seinen aktuellen Nachforschungen vor Ort, wird der pensionierte Kriminalist, der früher als Mordkommissionsleiter arbeitete, neues zum Persönlichkeitsprofil des Täters präsentieren. Petermann hat in seiner Laufbahn rund tausend unnatürliche Todesfälle bearbeitet. Seit seiner Pensionierung widmet sich der Bremer der Aufklärung von ungeklärten Verbrechen.
Der Vortrag von Profiler Axel Petermann findet am Donnerstag 27. Juni 2019 im Werkhof in Oberriet SG statt. Start 20 Uhr, Einlass ab 19.15 Uhr, Tickets nur noch an der Abendkasse (Vorverkauf beendet).
Kristallhöhlenmord von 1982
Karin Gattiker (15) und Brigitte Meier (17) verschwanden am 31. Juli 1982 auf einer Velotour durch die Ostschweiz. Ihre Spur verlor sich an einer Wegkreuzung in Oberriet, wo ihre Velos zurückblieben. Ihre Leichen wurden neun Wochen später bei der Kristallhöhle entdeckt. Der oder die Täter wurden nie gefasst.
Es ist ein Fall, der europaweit für Aufsehen sorgte und noch heute weit über die Region die Menschen bewegt. Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist der Fall abgeschlossen und verjährt. Im Zuge dessen hat die Justiz alle Asservate vernichtet.