Brisantes zur Meisterfeier 1989Kult-Präsident packt nach drei Jahrzehnten aus
1989 wurde der FC Luzern Meister. 24'000 Fans feierten im Stadion mit – zumindest offiziell. Nun sagt der damalige Präsi: Inoffiziell waren es 4000 mehr, mit Wissen der Polizei.
10. Juni 1989, Stadion Allmend, Luzern: Der FCL gewinnt gegen Servette 1:0 und wird Schweizer Meister. Das Stadion war völlig überfüllt, und Pyros fand man damals offenbar harmlos. (Video: 20 Minuten, mit Archivmaterial von SRF und Keystone)
Heutzutage wäre sowas undenkbar: Dass in einem ausverkauften Fussballstadion einfach tausende Fans zusätzlich reingelassen werden, von der Polizei toleriert.
So geschehen vor 30 Jahren, als der FC Luzern seinen bisher einzigen Schweizermeistertitel im alten Allmend-Stadion feierte. Das Spiel gegen Servette war mit angegebenen 24'000 Besuchern ausverkauft – doch hatte es damals viel mehr Fans im Stadion. Das sagte der damalige FCL-Präsident Romano Simioni, eine Clublegende, zu Zentralplus: «Tatsächlich waren es gut 4000 mehr. Die standen ohne Ticket draussen und hätten uns den Zaun eingerissen, wenn wir sie nicht reingelassen hätten. Mit Wissen der Polizei durften sie für zehn Stutz pro Nase rein ins Stadion», erinnert sich Simioni.

Der Zuschauer-Stadionrekord in der Allmend lag bei 26'100 aus dem Jahr 1993. Später wurden im alten Allmend-Stadion aber nur noch 13'000 Zuschauer zugelassen. Die heutige Swissporarena fasst 16'800 Zuschauer.

Die legendärste Szene der Meisterfeier auf der Allmend am 10. Juni 1989: Hansi Burri klaut sich den Pott aus dem Pulk und rennt mit ihm alleine auf die Fans zu.
«Sie feierten, bis die Holztische zusammenkrachten»
Simioni hat aber noch andere eindrückliche Anekdoten auf Lager. «Für mich war der Meisterabend ein Stress. Um 3 Uhr nachts feierten noch 10'000 FCL-Freunde den Meistertitel auf der Allmend.» Bier und Food seien ausgegangen, weil so viele Leute da waren. Also hat die Brauerei Eichhof laut Simioni in der Zentralschweiz Bier eingesammelt, um es auf die Allmend zu bringen. «Im Festzelt feierten die Leute auf den Holztischen, bis die zusammengekracht sind.»

Romano Simioni, hier im alten Stadion Allmend, war von 1975 bis 1998 Präsident des FC Luzern – so lange wie kein anderer vor ihm. (Bild: Keystone)
Pyros nahm man locker
Auch zu Pyros hatte man damals eine etwas andere Haltung als heute: Im Bericht des Schweizer Fernsehens über die Meisterfeier kam der Moderator auch auf Pyros zu sprechen. Als nach dem Spiel Pyros gezündet wurden, sagte er: «Der FCL hat ein fantastisches Publikum im Rücken, das sich heute sehr sportlich verhalten hat. Erst jetzt nach Spielschluss sind hier ein paar Rauchpetarden festzustellen. Aber auch das ist ja nicht so schlimm.» Die Gegentribüne, wo die FCL-Fans standen, war zu diesem Zeitpunkt ins tiefrote Licht der Pyros getaucht.

Die FCL-Meisterhelden von 1989 versammelt auf einem Bild.
Weitere Titel-Fakten
• Beim Meister-Spiel gegen Servette am 10. Juni 1989 spielte Weltstar und Europameister Karl-Heinz Rummenigge, damals bei Servette, sein letztes Spiel als Profi.
• Am 9. Juni 1989 verstarb die Mutter von FCL-Capitan Roger Wehrli. Dennoch führte er sein Team am 10. Juni zum Titel. Nachdem er als Kapitän den Pokal entgegennahm, verschwand er alleine in die Kabine.
• Im Kader des FCL standen damals viele Zentralschweizer: Zum Beispiel Hansi Burri, Herbert Baumann, Hans-Peter Kaufmann, Stefan Marini, Roger Tschudin, Marcel Kälin (später kurz CEO des FCL) und noch einige mehr.
• Goalie Roger Tschudin hatte ein Markenzeichen: Er trug immer lange, dunkelblaue Adidas-Hosen bei Spielen. Auch bei 40 Grad im Schatten.
• Damals, im Jahr 1989, sah man noch die damals typischen Fussballer-Frisuren: Vokuhila. Hairy Stiliklonen waren etwa Sigi Gretarsson und Peter Nadig.