Digitale Werbetafeln«Leute wollen in der Stadt keine Werbung sehen»
In der Stadt Zürich sollen 12 neue digitale Werbeflächen entstehen. Das stösst einer Interessengemeinschaft sauer auf. Sie wird nun aktiv.
So funktionieren die digitalen Werbetafeln – ein Zeitraffer. (Video: tam)
Zwischen den penibel in einer Reihe angeordneten Strassenbäumen an der Zürcher Bahnhofstrasse prangt ein rechteckiger, schwarzer Bildschirm. Er leuchtet, blinkt und zeigt verschiedene Werbebilder und -videos. 34 weitere solche digitale Werbebildschirme und City-Pläne stehen in Zürich, 12 weitere sollen folgen.
Dagegen regt sich Widerstand. Die Interessengemeinschaft Plakat, Raum, Gesellschaft will verhindern, dass die Stadt einen Vertrag mit einer Pächterin unterschreibt, die die Werbeanlagen künftig bewirtschaften wird. Potenzielle Kandidaten konnten sich bis Dienstag bewerben. Präsident Christian Hänggi hat am Donnerstag einen vierseitigen Brief an den zuständigen SP-Stadtrat André Odermatt verfasst. Er liegt 20 Minuten vor.
«Keinen gesellschaftlichen Nutzen»
«Wir fordern Sie auf, auf eine Vertragsunterzeichnung im Zusammenhang mit den jetzt ausgeschriebenen Werbebildschirmen zu verzichten und Aussenwerbung in der Stadt Zürich sukzessive abzubauen», heisst es. Wenn die Stadt Zürich innert nützlicher Frist auf 2000 Watt oder netto null kommen wolle, geschehe dies nicht dadurch, dass energieintensive Anlagen aufstellt würden. «Sie haben keinen gesellschaftlichen, dafür einen negativen ökologischen Nutzen», so Hänggi.
Er habe noch keine wissenschaftlich fundierte Studie gesehen, die beweisen würde, dass Aussenwerbung wirkt. «Wenn Aussenwerbung nicht wirkt, dann ist sie auch nicht notwendig und kann zugunsten des Stadtbildes entfernt werden», schreibt der Präsident der Interessengemeinschaft. Wenn Aussenwerbung aber funktioniere, dann sei die Sache ebenso problematisch.
Bevölkerung gegen Aussenwerbung
Aktive Kunden von Aussenwerbung seien unter anderem die Auto- sowie die Fleischindustrie und Fluggesellschaften. «Wenn Aussenwerbung wirkt, dann führt sie über das Konsumverhalten auch zu höheren CO2-Emissionen.»
Es sei zudem nicht Aufgabe der Stadt, Werbeträger für die Grossen und Grössten der jeweiligen Konsumgüter- und Dienstleistungsbranchen bereitzustellen. «Die Stadt Zürich sendet mit den Werbebildschirmen klare Signale an die Bevölkerung und das Gewerbe: Konsum ist per se wünschenswert, egal, welcher.» Dabei wolle die Mehrheit der Leute gar nicht, dass man sie in der Stadt auf öffentlichem Grund mit Werbung konfrontiere.
Gemeinderat involvieren
Hänggi hofft, mit seinem Brief eine Diskussion über die Werbeanlagen anzustossen und so womöglich eine Kursänderung der Stadt zu erreichen, wie er zu 20 Minuten sagte. «Dafür brauche ich aber auch politische Unterstützung.» Deshalb werde er Mitglieder des Gemeinderats anschreiben und in sein Vorhaben involvieren.
Beim Hochbaudepartement bestätigt man den Eingang des Schreibens. Eine Sprecherin sagt, dass dieses nun geprüft werde. «Es wird Zeit in Anspruch nehmen, diese Fragen zu beantworten.» Das Hochbaudepartement will sich auf Anfrage auch nicht äussern, warum sie digitale Werbeflächen auf öffentlichem Grund vorantreiben will.
Eines steht fest: Für die Stadt geht es auch um viel Geld. Für den Betrieb von 15 digitalen Stadtplänen mit Werbebildschirmen auf einer Seite zahlt Clear Channel der Stadt zurzeit knapp 45'000 Franken pro Monat.