Sammelt mysteriöses Kästchen unsere Daten?

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Hauptbahnhof ZürichSammelt mysteriöses Kästchen unsere Daten?

Am Hauptbahnhof könnte eine neue Technik getestet werden, um Informationen über Passanten zu erhalten. Die Zuständigen schweigen.

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Auf Plakatständern am Zürcher Hauptbahnhof sind rund 30 Zentimeter lange Kästchen montiert.
Wahrscheinlich handle es sich um eine Anwendung der sogenannten Cross-Device-Tracking-Technologie, sagt Christian Hänggi zum «Tages-Anzeiger».
Die SBB sagt nichts dazu und verweist an die APG.
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Auf Plakatständern am Zürcher Hauptbahnhof sind rund 30 Zentimeter lange Kästchen montiert.

urs Jaudas

Auf allen Plakatständern, die im Bereich der Tiefgleise 31 bis 34 und 41 bis 44 des Zürcher Hauptbahnhofs stehen, sind seit kurzem schwarze, glänzende Kästchen montiert. Wahrscheinlich handle es sich um eine Anwendung der sogenannten Cross-Device-Tracking-Technologie, sagt Christian Hänggi von der werbekritischen IG Plakat Raum Gesellschaft zum «Tages-Anzeiger». Diese ermöglicht es, mit mobilen Geräten in Kontakt zu treten. Dazu wird ein hoher Ton abgegeben, den erwachsene Menschen nicht hören können – Kleinkinder und Hunde hingegen schon.

Mit dem Ton werden Handys angesteuert. Die dazugehörende Software kann das Aufscheinen von Werbung bewirken, das Gerät orten, Cookies ablegen oder Informationen wie die IP-Adresse ablesen. Damit die Kontaktaufnahme funktioniert, müssen die Nutzer eigentlich eine entsprechende App auf ihr Smartphone geladen haben.

Verantwortliche schweigen

Aber: «Diese lässt sich auch via eine andere App auf das Telefon schmuggeln», sagt Hänggi. Bei der Installation der Träger-App werde man in den Geschäftsbedingungen darauf hingewiesen. «Weil aber kaum jemand diese langen Texte liest, kann dies ohne das Wissen der Besitzer geschehen», sagt er.

Was die Kästchen am HB genau bezwecken, bleibt ein Rätsel. Die APG, welche die Plakatflächen bewirtschaftet, äussert sich nicht. Auch die Firma, von der die Audiotechnologie stammt, schweigt. Die SBB verweisen an die APG. Bezüglich Datenschutz würden auf Bahnarealen die gleichen Regeln gelten wie auf öffentlichem Grund.

++Update++

Hinter der Aktion stehen laut Swisscom mehrere Medienhäuser. Mehr Informationen folgen am Montag.

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