Terror-Razzia in 3 KantonenVerhafteter IS-Rückkehrer ist Winterthurer V. L. (21)
Am Dienstagmorgen kam es in drei Kantonen zu elf Hausdurchsuchungen wegen Terrorverdachts. Beschuldigt werden sechs Erwachsene und fünf Teenager.
Terror-Razzien in drei Kantonen
In verschiedenen Orten in den Kantonen Zürich, Bern und Schaffhausen wurden am Dienstagmorgen zeitgleich elf Hausdurchsuchungen durchgeführt. Im Einsatz standen nebst Vertretern der Jugendanwaltschaften und der Bundesanwaltschaft rund 100 Beamte von Fedpol und der Kantonspolizeien Bern, Zürich und Schaffhausen.
Dies im Rahmen von Strafverfahren gegen elf Beschuldigte – sechs Erwachsene und fünf Teenager. Grund: Unter anderem der Verdacht des Verstosses gegen Art. 2 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen al-Qaida und Islamischer Staat sowie verwandter Organisationen (SR 122) sowie des Verdachts der Unterstützung bzw. Beteiligung an einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB).
Bei einem der sechs erwachsenen Beschuldigten handelt es sich laut Mitteilung der Bundesanwaltschaft um einen in der Schweiz bereits wegen Verstosses gegen das IS-Gesetz verurteilten Rückkehrer. Für ihn und einen weiteren Beschuldigten wird Untersuchungshaft beantragt. Bis dahin verbleiben die beiden Beschuldigten in Haft.
IS-Rückkehrer V. L.* unter den Festgenommenen
Wie 20 Minuten weiss, handelt es sich beim festgenommenen Rückkehrer um den 21-jährigen V. L.* Der Winterthurer brach die KV-Lehre bei der Winterthurer Stadtverwaltung ab und reiste als 16-Jähriger im Dezember 2014 mit seiner Schwester nach Syrien zur Terrormiliz IS. Zuvor stand L. mit jungen Muslimen des ehemaligen An'Nur-Vereins in Kontakt und besuchte die umstrittene Moschee regelmässig. Er stand auch in Kontakt mit dem sogenannten Emir von Winterthur S. V., der ebenfalls nach Syrien gereist ist und sich dem IS angeschlossen hat.
Im Dezember 2015 kehrten die Geschwister dann zurück in die Schweiz und wurden am Flughafen verhaftet. Im Dezember 2018 kam es vor dem Bezirksgericht Winterthur zum Prozess. Beide Geschwister schwiegen grösstenteils und machten Gebrauch von ihrem Recht zur Aussageverweigerung.
V. L. kassierte eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten, wobei ihm zehn Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden. Zudem erhielten die beiden Geschwister eine einjährige Probezeit. Während diesem Jahr müssen die beiden Winterthurer regelmässig Kontakt mit der Gewaltschutzabteilung der Polizei halten. Die Probezeit war zum Zeitpunkt der Verhaftung immer noch aktuell.
Das sagt das Umfeld von L.
Aus dem Umfeld des heute 21-Jährigen heisst es, dass er sich nicht wieder dem IS angeschlossen hätte. «Er wird ja rund um die Uhr überwacht. Vermutlich hat er einfach wieder IS-Videos angeschaut und deshalb kam es nun zu dieser Razzia.» Die Person geht davon aus, dass L. bereits in wenigen Tagen wieder auf freiem Fuss sein wird.
Die Nachbarschaft hat Angst
Ein Nachbar hat die Razzia am Dienstagmorgen im Kanton Zürich mitbekommen. «Es hatte extrem viele Polizisten. Ich dachte zuerst, dass es eine grossangelegte Verkehrskontrolle ist.» Auch die Ambulanz sei vor Ort gewesen. «Die haben wahrscheinlich damit gerechnet, dass etwas hätte passieren können.» Die Festnahme von V. L. habe er aber nicht direkt mitbekommen.
Der Nachbar kritisiert die Behörden scharf. «Man hat dem jungen Mann und seiner Schwester nach ihrer Syrien-Rückkehr eine Chance gegeben und gehofft, sie umzupolen. Dass sie frei herumlaufen dürfen, verstehe ich nicht.» Es sei ein komisches Gefühl zu wissen, dass die Behörden solche Fehleinschätzungen treffen würden. «Ich habe eine Waffe zu Hause. Die Polizei schützt mich ja nicht.»
Ein anderer Anwohner bestätigt diesen Eindruck: «Das ganze Quartier hat Angst. Es ist offensichtlich, dass hier Dschihadisten verkehren.» Das sei unter den Anwohnern ein offenes Geheimnis. Es sei eine äusserst bedenkliche Situation, die man als Anwohner einfach hinnehmen müsse.
Dass in der Wohnung, wo der 21-jährige L. am Dienstagmorgen festgenommen wurde, Aggressionspotenzial besteht, zeigt eine Recherche vor Ort. Als ein 20-Minuten-Journalist mit den Anwesenden reden wollte, wurde er von zwei Mitgliedern der Familie L. heftig bedroht: «Wir machen dich kaputt», so einer der Aggressoren. Auch ein älterer, unbeteiligter Mann wurde von der Familie angegangen – auf öffentlichem Grund.
*Name der Redaktion bekannt.