Zürcher Firma zweifelt auf Plakat an Epstein-Suizid

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«Epstein didn't kill himself»Zürcher Firma zweifelt auf Plakat an Epstein-Suizid

Ein Plakat der Firma Kaex auf einem Zürcher Parkhaus geht viral. Die Gründer säen darauf Zweifel am Suizid des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.

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Mit diesem Plakat wirbt die Firma Kaex für ihr Produkt. (Video: J. Probst)

Jahrzehntelang soll der US-amerikanische Millionär Jeffrey Epstein einen Sexhandelsring mit Hunderten Minderjährigen unterhalten haben. Nach einer ersten Verurteilung als Sexualstraftäter im Jahr 2006, die in einer kurzen Haftstrafe endete, wurde er im Juli 2019 erneut verhaftet. Im August beging Epstein in seiner Zelle laut den Behördenangaben Suizid.

Um Epsteins Tod wurden schnell Verschwörungstheorien konstruiert. Er hatte Kontakte und Freundschaften zu vielen Prominenten. Dazu zählten etwa der ehemalige US-Präsident Bill Clinton oder Donald Trump, zuletzt sagte eines seiner Opfer gegen Prinz Andrew aus (20 Minuten berichtete). Schnell entstand das Meme «Epstein didn't kill himself». Demnach sollen mächtige Hintermänner den Tod Epsteins veranlasst haben, um ihre Verstrickungen geheimhalten zu können.

Tausendfache Verbreitung im Internet

Mit diesem Spruch wirbt nun die Zürcher Firma Kaex. Sie vertreibt ein Mittel gegen Kater. Auf einem Megaposter, das am Parkhaus Pfingstweid bei der Zürcher Hardbrücke steht, hat die Firma ihren Produkteslogan «recharge overnight» geschrieben – und daneben «Epstein didn't kill himself». Auf Plattformen wie 9Gag werden die Aufnahmen zurzeit tausendfach angeschaut.

Auslöser für die Wahl des Slogans sei ein Wechsel des Produkte-Claims gewesen, sagt Pedro Schmidt, CEO von Kaex. Neu heisse die Kampagne «recharge overnight + protect the next day». Mit dem Epstein-Slogan anstelle von «protect the next day» wollten sie bei Leuten, die das Produkt noch nicht kennen würden, Aufmerksamkeit erregen.

«Epstein beging keinen Suizid»

«Für die Guerilla-Aktion nahmen wir den aktuellen Trend auf, ganz ohne Kontext ‹Epstein didn't kill himself› zu jedem erdenklichen Thema einzubauen.» Der Spruch wird in Amerika etwa auch auf Bierdosen, Sweatshirts oder auf Poster geklatscht. Auch platzen Interviewte gerne am Ende von Gesprächen damit völlig unmotiviert heraus.

«Auch wir vertreten die Meinung, dass Epstein keinen Suizid beging», sagt Schmidt. «Die ganze Geschichte berührt uns emotional.» Schliesslich sei Kaex schon mehrmals mit dem Vorwurf konfrontiert worden, ein Produkt anzupreisen, dessen Wirkung wissenschaftlich nicht bewiesen sei.

Stadt bewilligte Plakat

Tatsächlich beruhe die gesamte Entwicklung von Kaex auf wissenschaftlichen Studien, die in renommierten Journalen publiziert worden seien. Aus regulatorischen Gründen dürften diese aber nicht für Werbezwecke verwendet werden. «Mit dem Spruch wollen wir auf dieses Problem anspielen. Wie auch bei Eppstein, werde «kontrolliert, was stimmt und was nicht».

Eigentümerin des Parkhauses ist die Firma Welti-Furrer. Diese will sich zum umstrittenen Inhalt nicht äussern und verweist auf die Vermarkterin, die APG. Deren Sprecherin Nadja Mühlemann sagt: «Grundsätzlich sollen und dürfen Plakate provozieren, auffallen und inspirieren, sofern sie die gesetzlichen Rahmenbedingungen einhalten. Die APG übt keine Zensur aus.»

Das Megaposter sei der Stadt Zürich zur Prüfung vorgelegt und von dieser bewilligt worden. Das ist nötig, weil es sich um einen Standort mit viel Verkehr handelt, an dem Plakate gewisse Richtlinien einhalten müssen.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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