Aarau weint wegen des bösen Wunders

Aktualisiert

BarrageAarau weint wegen des bösen Wunders

Der Aarauer Aufstiegstraum ist jäh zerschellt. Doch zwei gute Nachrichten gibt es für den Club aus der Challenge League.

czu
von
czu
Elsad Zverotic weint und weint. Der FC Aarau scheitert gegen Xamax im Penaltyschiessen (und Captain Zverotic verschiesst). Bild: Keystone
Vor dem Rückspiel waren die Vorzeichen denkbar schlecht für Neuchâtel Xamax, hatte man ja zuhause im Hinspiel 0:4 gegen den FC Aarau verloren.
Doch in der 20. Minute kann Serey Die vom Penaltypunkt aus die Führung für seine Mannschaft verbuchen.
1 / 13

Elsad Zverotic weint und weint. Der FC Aarau scheitert gegen Xamax im Penaltyschiessen (und Captain Zverotic verschiesst). Bild: Keystone

kein Anbieter

Die Augen der Aarauer Spieler waren wie offene Wunden. Die Unfassbarkeit, der Schmerz tränte ihnen aus den Augen. Sie haben es vermasselt. Sie haben es verspielt. Und sie wussten es, jeder für sich.

Wobei: Ihr 4:0-Sieg im Hinspiel in Neuenburg war ja schon wundersam, doch die Reprise legte sich wie ein böses blaues Wunder über das Brügglifeld. Xamax holte das 4:0 auf und gewann im Penaltyschiessen. Für alle, die Wundern und diesem aberwitzigen Twist nicht trauen: Die Liga erreichte keine Nachricht des Uefa-Frühwarnsystems aufgrund von dubios platzierten Sportwetten – es ging alles rechtens zu. Xamax bleibt oben, Aarau unten. Chance verpasst.

Es ist ein Scheitern, das wenige für möglich gehalten haben, nicht die Spieler, nicht die Fans – und wohl auch nicht der Hauptsponsor. Der koreanische Autohersteller schaltete in der «Aargauer Zeitung» ein ganzseitiges Inserat mit jubelnden Spielern und euphorischem Titel: «Unsere Helden.» Darunter stand: «Der FC Aarau hat eine starke Saison hingelegt.» Es wollte nicht ganz zu den Ereignissen und den Bildern nach dem Spiel passen. Spieler schluchzten, Fans weinten, und die Aufstiegsfeierorganisatoren mussten auf dem Aargauerplatz die Bierstände wieder abbauen. Ungebraucht.

Burki bleibt

Einen Erfolg aber konnten die Aarauer verzeichnen. Wenigstens das. Ihr Sportchef Sandro Burki wird dem Club auch künftig erhalten bleiben, obwohl GC heftig um ihn buhlte. Wenn man sich im Umfeld des Clubs nach den Gründen für den jüngsten Aufschwung umhört, dann fällt immer auch Burkis Name. Er habe Club und Mannschaft stabilisiert und auch die Charakterstärke gehabt, Anfang Saison an Trainer Rahmen festzuhalten. Dieser verlor sechs Spiele in Serie und zeigte darauf doch noch, was in ihm steckt. Ab dem zwölften Spieltag holte Aarau 2,4 Punkte pro Spiel. Basel zeigt sich an Rahmen interessiert, Sportchef Streller soll viel von ihm halten.

Burki wiederum bekam eben von Rekordmeister GC ein Angebot, das einerseits hochdotiert war und andererseits Aarauer Verhältnisse überstieg. Doch Bürki sagte GC ab und erklärt seinen Verzicht in der «Aargauer Zeitung»: «Ich habe mich für den FC Aarau entschieden, das ist mein Verein, und es gibt viel zu tun.»

Tatsächlich hat Aarau einiges vor sich. Der Club will ein Stadion bauen (eine nie endende Geschichte), im November entscheidet voraussichtlich das Volk über die Nutzungsplanungsrevision, daran ist auch das Stadion geknüpft. Und da ist die sportliche Komponente. Es war wohl für Aarau die Gelegenheit, um aufzusteigen, die kommenden Jahre werden nicht einfacher.

GC sucht ein Budget

Absteiger GC will das Budget in den grossen Zügen zusammenhalten, von einem Etat von 18 Millionen Franken ist die Rede, doch das Budget ist auch Wochen nach dem Abstieg nicht bestätigt. Lausanne hat mit seinem englischen Besitzer Ineos einen ambitiösen Geldgeber im Rücken. Die Firma hat jüngst auch die Radfahrer-Equipe Sky alimentiert, Geld scheint eine Nebenrolle zu spielen. Dagegen liest sich Aaraus Budget von sechs Millionen bescheiden.

Und da sind ja auch noch Aussenseiter wie Winterthur; Wil, das mit Ciriaco Sforza den berühmtesten Trainer der Liga hat; und Schaffhausen, dem noch die Lizenz fehlt und das einer ungewissen Zukunft entgegengeht. Die kommende Saison wird spannend.

So bleibt dem FCA erstens die Hoffnung, dass nächste Saison das Glück des Gelingens auf Aarauer Seiten liegt; und zweitens die Gewissheit, dass die Barrage ein Gewinn ist. Für die Fans und für die Clubs (zumindest für die Optimistischen unter ihnen). Ohne die Barrage wäre die Meisterschaft früh entschieden und Aarau in der sportlichen Bedeutungslosigkeit verloren gewesen. Mit ihr war die Meisterschaft bis zum letzten Spieltag spannend (oben wie unten), und das diesjährige Ende hat gezeigt: Die Unterschiede zwischen Mannschaften der Super League und der Challenge League können plötzlich verschwinden. Wenigstens das.

Deine Meinung zählt