Majid PishyarDer Routine-Pleitier von Servette Genf
Erst den österreichischen Verein Admira Wacker, dann Servette, als nächstes Beira Mar in Portugal: Servettes Ex-Präsident Pishyar hat viel Konkurserfahrung. Sein Vorgehen ist immer gleich.

Vor dem Abschied? Servette-Präsident Majid Pishyar und sein Sohn und Vize-Präsident Ehsan in Genf. (Freshfokus)
Es gab Warnungen aus Österreich, als sich Majid Pishyar im Sommer 2008 anschickte Servette Genf zu übernehmen. Anrufe beim Klub, aber auch bei der Swiss Football League, wurden in den Wind geschlagen. Fast vier Jahre lang ist Pishyars Plan aufgegangen. Nach dem Aufstieg Servettes im Sommer in die Super League, träumte der Unternehmer vom Meistertitel 2014 und vom Gewinn der Champions League. Das Erwachen ist bitter. Aber eigentlich nur ein Déjà-vu einer Geschichte aus den Jahren 2004 bis 2007.
Im Dezember 2004 verkündete der damalige Präsident des österreichischen Fussballvereins Admira Wacker, Hans Werner Weiss, die Übernahme durch einen Investor. Es war Pishyar, ein Kanadier mit iranischen Wurzeln. Trotz Angeboten aus Deutschland und Tschechien und Interesse an Sturm Graz und Salzburg, soll sich der Unternehmer wegen der «guten Nachwuchs-Akademie» für Mödling entschieden haben. Ein gänzlich Unbekannter war Pishyar in Österreich damals nicht: Vor seinem Engagement bei der Admira war er als Hosen-Sponsor bei Rapid Wien eingestiegen. Bis heute steht der Iraner bei den «Grünen» mit rund 1,2 Millionen Euro in der Kreide. Bezahlt hat er nie. Rapid hat das Geld abgeschrieben. Die Gläubiger der Admira aber haben ihr Recht eingefordert.
Grosse Töne, nichts dahinter
Dabei war Pishyar, Leiter der «32 group», einer weltweit tätigen Unternehmensberatung, bei der Admira mit grossen Sprüchen eingestiegen. Er wollte die Niederösterreicher an die Spitze im österreichischen Fussball bringen, um den Meistertitel mitspielen und regelmässig am Europacup teilnehmen. Vorzugsweise in der Champions League. Aber es kam anders. Nach einer sportlichen schwachen Vorrunde im Herbst 2005 feuerte Pishyar den Vorstand und machte sich selbst zum Präsidenten. 2006 stieg die Admira trotzdem in die zweite österreichische Liga ab.
Er installierte einen ehemaligen Rapid-Trainer als neuen Coach der ersten Mannschaft. Später hat sich herausgestellt, dass dieser eine Marionette von Pishyar gewesen war und dafür Geld erhalten haben soll, dass er die (sportlichen) Wünsche des Präsidenten umsetzt. Im Frühjahr 2007 blieben erstmals die Spielerlöhne aus, später auch die der Klubangestellten. Der Aufforderung von der Liga, eine Bankgarantie zu hinterlegen, verweigerte er. Im November 2007 zwang ihn sein Nachfolger Richard Trenkwalder zum Rücktritt.
Insolvenz-Verfahren dauerte über zwei Jahre
Es wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, ursprünglich über Schulden von 1,5 Millionen Euro. Mit den Nachforderungen wuchs die Summe auf 3,4 Millionen Euro an. Trenkwalder übernahm und fusionierte die Admira mit Schwadorf, musste aber mit der Admira dennoch in der Regionalliga (3. Liga) neu beginnen. Pishyar war sich keiner Schuld bewusst und behauptete, dass er «eine lebende Leiche übernommen habe, mit vielen Leichen im Keller». Das juristische Nachspiel zog sich über zwei Jahre hin. Auch, weil Pishyar lange Zeit nicht greifbar war. Die Geschäftsadresse in Paris, wo er sich viel aufgehalten haben soll, stellte sich als Scheinadresse heraus.
Hannes Steiner begleitet die Admira seit Jahren für die «Kronen Zeitung»: «Ich habe gehört, dass er sich in New York aufhalten soll. Es würde mich nicht erstaunen, wenn es nicht auch diesmal nur eine Briefkasten-Anschrift wäre. Pishyars Handlungen sind das genaue Spiegelbild zu dem, was vor Jahren in Mödling abgegangen ist.» Das österreichische Gericht verurteilte Pishyar später zu Zahlungen über kolportierte 1,5 Millionen Euro, die er, so Steiner «schleppend zwar», aber bezahlt hat.
Fussballklubs sind für Pishyar Spielzeug
Pishyar gilt als sehr distinguiert. Die Zusammenarbeit, so der Journalist, sei sehr angenehm gewesen. Steiner: «Ich habe Pishyar in einem Trainingslager der Admira in der Türkei als einen höflichen und sympathischen Menschen kennen gelernt, der allerdings keine Ahnung von Fussball hatte und noch weniger von den Geschäftsgepflogenheiten in Europa.» Der Unterschied zu Österreich sei vielleicht der, dass das Unternehmen «32 group» von Pishyar seinen Sitz in Genf hat und der Iraner sein Gesicht nicht verlieren will. «Es ist gut möglich, dass er einen grossen Teil seinen Verpflichtungen nachkommt, wenn Servette einen Nachfolger findet», so Steiner.
Als zuvorkommend und höflich bezeichnete ihn auch SFL-Präsident Heinrich Schifferle. Zudem betont der SFL-Boss sei die Kommunikation mit Servette immer gut gewesen und der Servette-Präsident sei auch – im Unterschied zu Xamax-Boss Bulat Tschagajew auch meist an den Sitzungen des Liga-Komitees anwesend gewesen. Und, betonte Schifferle am FCZ-Talk vor wenigen Wochen, Servette habe die Lizenz immer bereits in erster Instanz erhalten. Auch weil die Zahlungsmoral des Iraners bis vor wenigen Monaten keinen Anlass zur Beanstandung gab. Steiner dazu: «Das passt alles ins Bild. Für Pishyar ist ein Fussballklub wie ein Spielzeug. Wenn er kein Interesse mehr daran hat, legt er es einfach weg.»
Der Traum vom eigenen «Manchester United»
Die «Liebe» zum Fussball hat Pishyar früh entdeckt und schaffte es als Spieler bis zu einer Teilnahme an einem Training in der iranischen U21-Nationalmannschaft. Sein Einsatz sei aber lediglich eine Geschichte, die der Iraner gern erzählt und nirgends dokumentiert ist. Aber in dieser Zeit begann auch der Traum Pishyars, einst einen europäischen Klub zu leiten und zu einem zweiten Manchester United zu machen. Pishyar gibt als Wohnsitz Dubai an. Aktuell tätig ist er unter anderem für die Genfer Finanzberatungsfirma Swiss Financial & Consulting Services SA (S.F.C.S.) und ist laut Handelsregister Mitinhaber der Team Vale Sàrl (Handel jeglicher Art) in Vevey. Zudem ist er Präsident des Golf-Klubs Vuissens im Kanton Freiburg.
Für Aufregung sorgte Pishyar im Mai 2011, als er sich in Portugal einen weiteren Erstligisten gekauft hat. Aber auch Beira Mar hat Geldsorgen. Von den Hiobsbotschaften aus Genf in diversen Schweizer Medien aufgeschreckt, wehren sich die Aktionäre des Klubs gegen den neuen Investor. Bei einer solchen Vorgeschichte wohl zu Recht.