46’842 Start-ups2020 ist das Rekordjahr für Firmengründungen
Corona hält Firmengründer in der Schweiz nicht auf. Sie eröffnen wie wild neue Betriebe und machen das Krisenjahr zum Rekordjahr. Die Aussicht für 2021 ist noch besser.
Darum gehts
Trotz Corona wurden 2020 so viele Firmen wie noch nie gegründet.
Besonders im Tessin und in der Romandie sind die Auswirkungen der Krise aber zu spüren.
2021 soll das nächste Rekordjahr für Neugründungen werden.
Das Krisenjahr 2020 hat der Schweiz einen neuen Rekord beschert: 46’842 neue Unternehmen sind im Schweizer Handelsregister eingetragen. Das sind 5 Prozent mehr als im Vorjahr, wie eine Erhebung der Online-Firmengründungsplattform Startups.ch zeigt. Damals wurden 44’616 neue Firmen gegründet. Das war bis anhin die neue Höchstmarke.
Die rekordhohe Zahl an Firmengründungen ist ein grosser Erfolg für die Start-up-Branche, wie es in der Mitteilung heisst. Schliesslich mussten die Gründer und Jungunternehmer in der Krise mit völlig neuen Bedingungen kämpfen.
Die Krise als Chance gepackt
Viele, die schon länger mit dem Gedanken der Gründung einer eigenen Firma spielten, hätten die Krise als Chance gepackt und ihre Pläne umgesetzt, sagt Startups.ch-Gründer und -CEO Michele Blasucci zu 20 Minuten. Die Krise habe deutlich gemacht, was alles fehlt, wenn man nicht mehr aus dem Haus kann. «Das war für viele Neugründer ein klares Signal, sofort zu handeln und Marktlücken zu schliessen», so Blasucci.
Corona habe nicht nur dem Onlinehandel einen weiteren Schub verliehen, sondern auch Angebote rund um den Gesundheitssektor in den Fokus gerückt. Dementsprechend gab es in diesen Branchen die meisten Gründungen wie auch in den Bereichen Informatik und Software-Entwicklung sowie Consulting und Recht. Der Bereich Freizeit/Reise/Sport verzeichnete hingegen mit Minus 1,3 Prozent leicht weniger Gründungen.
2 Prozent weniger Konkurse
Für tausende Unternehmen ist im Krisenjahr ausserdem komplett Schluss. So kam es 2020 zu 3985 Konkursen. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 2 Prozent weniger. Laut Startups.ch ist das angesichts von Corona «ausgesprochen erfreulich». «Wir erwarteten im Frühling nach Ausbruch der Pandemie 10’000 Konkurse. Nur dank der finanziellen Hilfe des Bundesrats konnte schlimmeres verhindert werden», sagt Chef Michele Blasucci.
Damit sei die Konkursgefahr fürs erste gebannt. Sollte sich die Lage aber nicht so schnell wie möglich normalisieren und der Bund dann nicht nochmals ein Hilfspaket schnüren, wird die Konkurswelle nächstes Jahr kommen, so Blasucci.
Besonders hoch im Kurs bei Jungunternehmern ist die Nordwestschweiz mit 10’648 Neueinträgen – ein Plus von 9 Prozent. Laut Blasucci profitierte vor allem die Region Basel. Weil dort die Steuern gesenkt wurden und neu so tief wie in Zug seien, würden viele Firmen aus Frankreich und Süddeutschland in Basel ihren Standort eröffnen.
Tessin und Romandie spüren die Auswirkungen der Krise
Auch die Zentralschweiz ist mit einem Plus von 7 Prozent beliebt. Diese Region ist laut Blasucci wegen der tiefen Steuern schon lange attraktiv für Firmen. Ebenfalls gefragt sind der wirtschaftsstärkste Kanton Zürich und die Ostschweiz mit einem Zuwachs von 5 beziehungsweise 6 Prozent.
Im von Corona stark betroffenen Tessin fordert die Krise aber ihren Tribut. So sinkt die Zahl der Neugründungen um 16 Prozent. Auch in der Romandie sind die Spuren mit minus 4 Prozent deutlich.
Firmengründer sind jung und männlich
Startups.ch hat auch das Geschlechterverhältnis der Firmengründer untersucht. So sind die meisten Firmengründer jung und männlich. Ein Fünftel ist zwischen 28 und 32 Jahren alt und fast ebenso viele sind zwischen 33 und 37 Jahren alt. Das Verhältnis von Männern zu Frauen beträgt 77 zu 23 Prozent. Im Krisenjahr verschob es sich um 2 Prozent zugunsten der Männer. Startups.ch-CEO Michele Blasucci vermutet, dass Männer mehr Spielraum als Frauen hatten, die wegen geschlossener Schulen die Kinderbetreuung übernahmen.
2021 soll das nächste Rekordjahr werden
Blasucci erwartet nach Corona einen weiteren Gründungs-Boom. Viele angehende Unternehmer vor allem aus stark betroffenen Branchen wie Gastro, Events, Reisen und Unterhaltung hätten mit der Gründung einer neuen Firma zugewartet.
Aber auch in den seit Jahren starken Branchen IT, Sicherheit, Bau und Immobilien erwartet Blasucci viele Gründungen. Dazu beitragen dürften auch die tiefen Hypothekarzinsen von etwa 1 Prozent. «Für alles rund um Immobilien und Renovationen wird der Boom weitergehen», so Blasucci. So rechnet der Startups.ch-CEO für 2021 mit 2 bis 3 Prozent mehr Firmengründungen und damit einem weiteren Rekordjahr.