31-Jährige ist bereits geimpft – wie geht das?

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Während sich eine 31-Jährige auf Instagram über ihre Corona-Impfung freut, wartet ein 89-Jähriger schon seit Wochen auf seinen Impf-Termin. Wie kann das sein?

Impfwillige wollen möglichst bald einen Termin. Doch wer wann an der Reihe ist, ist nicht immer klar.
Thomas Schneider kämpft mit seiner Webseite für mehr Transparenz in der Impf-Reihenfolge.
Viele Menschen hätten derzeit das Gefühl, zu kurz zu kommen, sagt der Hobby-Webdesigner Schneider.
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Impfwillige wollen möglichst bald einen Termin. Doch wer wann an der Reihe ist, ist nicht immer klar.

Urs Jaudas / Tamedia AG

Darum gehts

  • Auch unter 75-Jährige wurden bereits geimpft – noch bevor alle willigen Bewohner in Alters- und Pflegeheimen ihre Dosis erhalten haben.

  • Dies liegt daran, dass zeitweise bereits Spitalpersonal geimpft wurde und gleichzeitig nicht alle Altersheime an die Reihe kamen.

  • Wer zuerst eine Impfung erhalte, sei für die Bevölkerung nicht immer klar, sagt der Berner Thomas Schneider.

  • Er hat eine Webseite gegründet, die mehr Klarheit über die Impfgruppen im Kanton Bern bringen soll.

«Jetzt könnt ihr so viel rumhusten, wie ihr wollt», freut sich die 31-jährige D.* auf Instagram. Zu sehen ist ein Foto ihres Corona-Impf-Nachweises: Die Zürcherin gehört zu den wenigen Menschen in der Schweiz, die bereits gegen das Coronavirus geimpft wurden. Eine Ausnahme stellt sie nicht zuletzt aufgrund ihres Alters dar. Denn gleichzeitig wartet der 89-jährige Jakob G.* in seinem Winterthurer Altersheim seit Wochen auf die Einladung zum Impftermin: «Ich fühle mich hier eingesperrt. Ich will unbedingt diese Impfung, damit ich mich wieder freier bewegen kann», sagt er zu 20 Minuten. Und er ist nicht der einzige: Stand Dienstag wurden schweizweit erst 204’604 Impfdosen gegen Sars-CoV-2 verabreicht, Millionen warten.

«Es fehlt an Transparenz, wann wer geimpft wird. Das verunsichert die Bevölkerung», sagt der Berner Jurist Thomas Schneider. Auf seiner Webseite impfgruppen.be sammelt er deshalb Informationen, wie der Kanton die Impfwilligen priorisiert. Er fordert mehr Aufrichtigkeit vom Bund: «Indem die Regierung regelmässig Informationen zurückhält, vermittelt sie den Eindruck, dass sie etwas verheimlichen will – und heizt damit Verschwörungstheorien an.» Für ihn ist verständlich, dass die Bevölkerung die Welt nicht mehr versteht, wenn Geschichten über Vorzugsimpfungen wie die des südafrikanischen Multimilliardärs Johann Rupert oder Joker-Listen plötzlich ans Tageslicht kommen. «Natürlich möchte jeder, der geimpft werden will, möglichst bald einen Termin.» So hätten viele Menschen derzeit das Gefühl, zu kurz zu kommen, sagt der Hobby-Webdesigner.

Unterschiede je nach Kanton

Doch wer zuerst an die Reihe kommt, variiert kantonal: «Es liegt in der Verantwortung der Kantone, die Zielgruppen korrekt zu definieren und die vorhandenen Impfdosen jenen Personen zu verabreichen, die am dringendsten geschützt werden müssen», schreibt Masha Foursova, Mediensprecherin des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

So gehört für den Kanton Zürich auch das Gesundheitspersonal, welches auf Intensivstationen arbeitet, zu dieser Personengruppe. 3000 Dosen wurde für diese exponierten Personen freigegeben, «unabhängig vom Alter», erklärt Lina Lanz, Sprecherin der Zürcher Gesundheitsdirektion. Und deshalb wurde die 31-jährige D. bereits geimpft – während Rentner Jakob G. (89) weiterhin warten muss, weil in Winterthur von fünf städtischen Altersheimen bis jetzt gerade mal eines durchgeimpft wurde.

Höchste Priorität haben heute wieder Heime

Dazu kommt aber: Die Zürcherin D. würde heute nicht mehr geimpft. Aufgrund von Lieferverzögerungen beim Impfstoffhersteller Pfizer/Biontech hat der Kanton Zürich die Strategie bereits wieder angepasst und verzichtet vorläufig auf weitere Impfungen des Gesundheitspersonals in den Spitälern.

«Wir konzentrieren uns nun mit höchster Priorität auf das Impfen in den Alters- und Pflegeheimen», sagt Mediensprecherin Lina Lanz. Sobald wieder mehr Impfstoff zur Verfügung stehe, würden gemäss der Priorisierung des BAG nach und nach sämtliche Hochrisikopatienten und Personen über 75 Jahre geimpft. «Ab dem zweiten Quartal werden grössere Mengen der Impfstoffe erwartet, dann kann damit begonnen werden, auch die breite Bevölkerung zu impfen», sagt Lanz.

*Namen der Redaktion bekannt.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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