Adler packt jagende Katze und tötet sie

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Werdenberg SGAdler packt jagende Katze und tötet sie

Leser beobachteten in der Pause, wie eine Katze einem Adler zum Opfer fiel. Haben es Adler oft auf Katzen abgesehen? Eine Tierschützerin klärt auf.

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Der Adler packte die Katze, als sie beim Mausen war. (Video: Leser-Reporter)

Ein trauriges Ereignis unterbrach die Mittagspause von Leser-Reporter A. F.* Er sei am Dienstag mit seinen Arbeitskollegen gerade in der Küche in Werdenberg SG gesessen, als eine Kollegin plötzlich gerufen habe, sie sollten aus dem Fenster schauen, sagt der Feinwerkoptiker.

«Da sahen wir, wie eine Katze auf dem Hügel draussen von einem Greifvogel gepackt wurde», so der 29-Jährige, der die Attacke filmte (siehe Video). Nach dem Tod der Katze sei der Adler lange über ihr gekreist. Vor der Attacke sei die Katze am Mausen gewesen. «Sie pirschte sich an etwas heran und bemerkte deshalb den angreifenden Vogel wohl nicht.»

«Kein Beutetier von Greifvögeln»

Das Schicksal der Katze habe die Mitarbeiter betrübt. «Es war traurig, mit ansehen zu müssen, wie die Katze starb», sagt F. Der Vorfall habe die Katzenbesitzer unter den Mitarbeitern auch beunruhigt. «Eine Arbeitskollegin, die zwei Hauskatzen hat, schätzte sich dann glücklich, dass sie ihre Katzen nicht rauslässt.» Der Vorfall habe die Zeugen aber auch überrascht. «Wir wussten nicht, dass es Greifvögel auf Katzen abgesehen haben.»

Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap), hat die Videoszene für 20 Minuten analysiert. «Beim Vogel handelt es sich ziemlich sicher um einen Adler», sagt sie. Katzen gehörten nicht zu den Beutetieren von Greifvögeln. Adler jedoch können durchaus Katzen töten. «Andere Greifvögel würden sich eher an einer bereits toten Katze bedienen.»

«Tragischem Schicksal bewusst ausgesetzt»

Laut Geisser können Katzen in Alpenregionen durchaus gefährdet sein. «Der Adler unterscheidet bei der Futttersuche nicht zwischen seinen üblichen Beutetieren und einer Katze.» Da die Katze aber meist schwerer sei als ein Hase oder eine Maus, gelinge es dem Adler nicht, mit ihr davonzufliegen. «Er wird sie am Boden töten und zerteilen.»

Die Tierschützerin kann nicht gänzlich ausschliessen, dass die Katze ihrem Schicksal bewusst ausgesetzt wurde. «Tatsächlich kennen wir Bauern, die zur Populationskontrolle junge Katzen auf die Alp nehmen, mit der Absicht, sie dem Adler zu überlassen.» Um zu verhindern, dass Landwirte zu solchen Massnahmen greifen, fordert Netap seit Jahren eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen.

Abwarten mit Rauslassen

Generell rät Geisser Katzenbesitzern, junge Büsi erst rauszulassen, wenn sie gechippt und kastriert sind sowie eine gewisse Grösse und Vernunft haben. «Statistiken zufolge sind die meisten verunfallten Katzen jünger als zwei Jahre.»

Leser-Reporter A. F. sagt, er wolle den Besitzer der Katze ausfindig machen. «Ein Halsband trägt sie nicht. Als Nächstes werden wir bei einem Tierarzt abklären, ob sie gechippt ist.»

* Name der Redaktion bekannt.

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