HIV: Forscher verhindern mit Antikörpern eine Infektion

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Aids-PräventionForschern gelingt wichtiger Schritt hin zu einem HIV-Impfstoff

US-Forscher haben drei Antikörper identifiziert, die Affen vor einer Infektion mit HI-Viren schützen können. Einer der Antikörper stammt von HIV-infizierten Menschen.

Ein amerikanisches Forschungsteam hat nachgewiesen, dass drei Antikörper Affen zuverlässig vor einer HIV-Infektion schützen können. (Im Bild: Eine 3D-Illustration des HI-Virus)
Die Forschenden des Vaccine Research Center der National Institutes of Health haben die Antikörper an Makaken getestet.
Affen, denen die Antikörper in der richtigen Dosierung verabreicht worden waren, erkrankten nicht am Simianen Immundefizienz-Virus (SHIV), dem Pendant zum HI-Virus bei Affen.
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Ein amerikanisches Forschungsteam hat nachgewiesen, dass drei Antikörper Affen zuverlässig vor einer HIV-Infektion schützen können. (Im Bild: Eine 3D-Illustration des HI-Virus)

iStock/Getty Images

Darum gehts

  • US-Forscher haben Makaken in verschiedenen Versuchen mehrere Antikörper gespritzt.

  • Die Antikörper verhinderten zuverlässig eine Ansteckung mit dem HI-Virus.

  • Die Forscher sehen ihre Studie als Beitrag zur Entwicklung eines HIV-Impfstoffs.

Welche Antikörper wurden verwendet?

Die Forschenden verwendeten für ihre Studie drei Antikörper. Der erste Antikörper namens VRC34.01 wurde vor einigen Jahren im Blut von HIV-Patienten entdeckt. Er hat eine stark neutralisierende Wirkung gegen das Virus. Die beiden anderen Antikörper DFW1W und DFPH-a1.5 wurden nach einer speziellen Impfung im Blut von Makaken gebildet.

Wie wirken die Antikörper?

Die Antikörper zielen auf das sogenannte Fusionspeptid ab, eine Stelle auf der Oberfläche des HI-Virus, das ihm hilft, sich mit Zellen zu verbinden und in sie einzudringen. Antikörper, die auf das Fusionspeptid abzielen, haben im Laborversuch bewiesen, dass sie verschiedene HIV-Stämme neutralisieren.

Wie wurde die Wirkung der Antikörper getestet?

Den Affen wurden die Antikörper jeweils in verschiedenen Dosierungen gespritzt. Die Forschenden vom Vaccine Research Center der amerikanischen National Institutes of Health (NIH) teilten die Makaken in vier Versuchsgruppen und eine Placebogruppe ein. Fünf Tage später wurden sie dem Simianen Immundefizienz-Virus (SHIV), dem Pendant zum HI-Virus bei Affen, ausgesetzt.

Wie gut wirkten die Antikörper?

Keiner der Affen, die eine hohe Dosis VRC34.01 erhalten hatten, erkrankten. Die geringere Dosis führte dagegen bei einem von vier Affen zu einer Erkrankung. Auch der DFPH-a1.5-Antikörper schützte zuverlässig vor einer Ansteckung. Beim zweiten Affen-Antikörper wurden 25 Prozent der Affen infiziert. Die Makaken der Kontrollgruppe, die keine Antikörper erhielten, wurden alle angesteckt.

Haben die Forscher damit einen Impfstoff gefunden?

Nein. Den Affen wurden die Antikörper von aussen zugeführt. Sie wurden also nur passiv geimpft. Eine solche Impfung müsste regelmässig wiederholt werden. Ziel bei einem Impfstoff ist es aber, dass der Körper die Antikörper selbst in ausreichender Menge bildet. Einen solchen Impfstoff gegen HIV gibt es noch nicht.

Was sagen die Forschenden?

Die Forscherinnen und Forscher halten fest, dass die drei untersuchten Antikörper alle einen statistisch signifikanten Schutz vor SHIV boten, wobei die Wirkung bei Affen mit höheren Antikörperkonzentrationen im Blut am grössten war. Laut dem Forschungsteam zeigen die Ergebnisse, dass Antikörper, die auf das Fusionspeptid abzielen, einen Schutz vor SHIV bieten können. Zudem können die Ergebnisse dabei helfen, die Konzentration von Antikörpern, die ein Impfstoff erzeugen müsste, um schützend zu wirken, zu bestimmen.

Wie könnte es weitergehen?

Die guten Ergebnisse mit VRC34.01 machen den Antikörper zum Kandidaten für Studien am Menschen. Die Forscher betonen aber, dass ein wirksamer HIV-Impfstoff, der auf das HIV-Fusionspeptid abzielt, mehrere Varianten von Antikörpern erzeugen sollte. Das ist nötig, da es sehr unterschiedliche HIV-Varianten gibt. Es braucht also noch viel Forschungsarbeit, bevor eine Impfung dem HI-Virus seinen Schrecken nehmen kann. Bis dahin gilt es, weiterhin die Safer-Sex-Regeln einzuhalten.

Die Studie wurde im Fachjournal «Science Translational Medicine» veröffentlicht.

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