Aktienbetrüger erbeuten 1,5 Millionen im Baselbiet

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AbzockeAktienbetrüger erbeuten 1,5 Millionen im Baselbiet

Mit sogenannten Cold Calls haben Aktienschwindler im Baselbiet fette Beute gemacht. Fünf Opfer haben grosse Geldbeträge verzockt. Die Täter dürften kaum gefasst werden.

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Bei Anruf Totalverlust: Im Baselbiet gingen fünf Opfer auf die Betrugsmasche von Penny-Stock-Verkäufern ein. (Symbolbild)
Die Betrüger treten professionell auf und versprechen grosse Kursgewinne bei real existierenden Aktien, die für sehr wenig Geld gehandelt werden, sogenannten Penny Stocks. (Symbolbild)
«The Wolf of Wall Street»: Jordan Belfort (im Film gespielt von Leonardo DiCaprio) machte ebenfalls ein Vermögen damit, ahnungslosen Investoren Ramschaktien zu verkaufen. Durch aggressiven Telefonverkauf konnten er und seine Angestellten die Kurse dieser Penny Stocks in die Höhe treiben.
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Bei Anruf Totalverlust: Im Baselbiet gingen fünf Opfer auf die Betrugsmasche von Penny-Stock-Verkäufern ein. (Symbolbild)

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Mindestens fünf Baselbieter haben in den vergangenen Monaten ein Vermögen verloren, weil sie Aktienschwindlern auf den Leim gegangen sind. Wie die Staatsanwaltschaft Baselland am Freitag mitteilte, beläuft sich die Deliktsumme auf knapp 1,5 Millionen Franken.

Die Opfer wurden von den Betrügern telefonisch kontaktiert. Man spricht von sogenannten Cold Calls, bei denen die Täter unaufgefordert ihre Opfer kontaktieren und mit lukrativen Finanzprodukten ködern. «Diese Täter beherrschen das Fachvokabular und sprechen akzentfrei Englisch oder Deutsch», erklärt Nico Buschauer, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

In den im Baselbiet ruchbar gewordenen Fällen verkauften die Betrüger Aktien mit scheinbar hohem Gewinnpotenzial. Ihre Opfer drängten sie aber nicht allein mit Hartnäckigkeit zum Kauf. «Die hatten professionell gefälschte Unterlagen und haben für ihre Scheinfirmen auch professionelle Websites aufgesetzt», so Buschauer.

Opfer bezahlten bis zu 600'000 Franken

Biss ein Investor erst mal an, wurde er bearbeitet, bis kein Geld mehr zu holen war. Eines der fünf Opfer zahlte insgesamt 600'000 Franken. Auf die professionellen Täter fielen sogar Fachleute rein. Unter den Opfern befindet sich auch ein ehemaliger Bankdirektor.

Das Geld werden die Geschädigten kaum je wiedersehen. Die Überweisungen gingen laut Staatsanwaltschaft auf ausländische Bankkonten, oftmals nach Singapur oder Hong Kong. Die strafrechtliche Verfolgung gestalte sich äusserst schwierig, so Buschauer. Rechtshilfeersuchen dauerten in der Regel Monate. In dieser Zeit kann das Geld elektronisch x-fach verschoben worden sein.

Cold Calls in der Schweiz nicht verboten

Das Problem: Der Aktienverkauf am Telefon ist in der Schweiz, im Gegensatz etwa zu Deutschland, nicht verboten. Der «Kassensturz» bezeichnete die Schweiz deshalb auch schon als Eldorado für Schwindlerfirmen, wo die Finanzbetrüger straffrei Ramschaktien übers Telefon verticken dürfen.

So hat ein Tessiner Callcenter insgesamt 800 Anleger über Jahre hinweg um bis zu 60 Millionen Franken betrogen. 2010 flog der Schwindel auf. Sechs Jahre später ist der Chef des Callcenters immer noch auf freiem Fuss, wie der «Kassensturz» im April dieses Jahres berichtete. Wohin das Geld floss, weiss niemand, ausser die Täter.

Die Betrugsmasche ist nicht neu, aber dennoch immer wieder erfolgreich, wie die jüngsten Fälle im Baselbiet illustrieren. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma führt eine Warnliste mit Unternehmen, die möglicherweise in solche Geschäfte verwickelt sind.

«The Wolf of Wall Street»: Im Film spielte Leonardo DiCaprio den berühmt gewordenen Aktienschwindler Jordan Belfort, dessen Firma Stratton Oakmont mit Cold Calls in den USA Anleger systematisch um ihr Vermögen gebracht hatte. (Video: Youtube.com/Filme)

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