Alex Frei: Aarau-Trainer im Interview über Aufstieg und den FCB

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Aarau-Trainer Alex Frei«Mir ist die Meinung von anderen Leuten herzlich egal»

Alex Frei (44) erklärt im Interview, warum er mit dem FC Aarau nicht aufsteigen muss und wie sehr seine Familie und er nach der Entlassung in Basel gelitten haben.

Alex Frei will mit seinem neuen Club Aarau vorne mitspielen.
Den Aufstieg in die Super League will er aber nicht als Ziel herausgeben.
Anfang Februar wurde der 44-Jährige beim FC Basel entlassen.
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Alex Frei will mit seinem neuen Club Aarau vorne mitspielen.

Claudio De Capitani/freshfocus

Darum gehts

  • Seit Mitte Juni steht Alex Frei beim FC Aarau an der Seitenlinie.

  • Im Interview verrät der 44-Jährige, warum er sich für den Schritt zurück in die Challenge League entschieden hat.

  • Die Entlassung beim FC Basel sei für seine Familie und ihn sehr schwierig gewesen.

Alex Frei, seit fünf Wochen sind Sie nun beim FC Aarau im Amt. Wie fällt Ihr erstes Zwischenfazit aus?

Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Es herrscht ein sehr familiäres Umfeld und die Spieler haben sich sehr arbeitswillig gezeigt. Ich freue mich, wenn es endlich mit der Meisterschaft losgeht.

Gab es keine negativen Überraschungen?

Nein, ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Klar, wir haben hier in Aarau nicht die modernste Infrastruktur oder das neueste Stadion. Aber das Brügglifeld hat seinen Charme und steht irgendwie auch für die Werte des Clubs: bodenständig und demütig.

Vor eineinhalb Jahren haben Sie in Winterthur übernommen und sind mit dem Club direkt aufgestiegen. Inwiefern lassen sich Winterthur und Aarau vergleichen?

Beide Clubs haben sich jahrelang nach dem Aufstieg gesehnt. In Winterthur hat man es im vergangenen Jahr endlich geschafft, hier wartet man noch darauf. Wie schnell es klappen wird, weiss ich nicht. Aber wir werden alles dafür geben.

Das Saisonziel lautet also Aufstieg in die Super League?

Nein, davon sprechen wir hier nicht. Für uns gilt es, gut aus den Startlöchern zu kommen. Im März oder April können wir dann immer noch schauen, wo wir stehen, und die Zielsetzungen entsprechend anpassen. Klar ist aber, dass der FC Aarau unter die ersten fünf gehört.

Ist der in den vergangenen Saisons jeweils knapp verpasste Aufstieg noch ein Thema?

Für den Club, aber auch die ganze Region ist es nicht ganz einfach, mit so etwas zurechtzukommen. Darum hat die neue Clubführung entschieden, sich neu zu positionieren. Das Budget wurde um 20 bis 30 Prozent reduziert. Das heisst nicht, dass wir jetzt 20 Prozent schlechter sind, aber die Erwartungshaltung, dass der FC Aarau unbedingt aufsteigen muss, wird nicht mehr geschürt.

Wer steigt in die Super League auf?

Was hat Sie an der Aufgabe FC Aarau gereizt?

Ich habe in den Gesprächen mit Geschäftsführer Sandro Burki gespürt, dass er in dieser Saison nicht auf Biegen und Brechen in die Super League aufsteigen will. Man hat einen klaren Plan, wie man als FC Aarau wachsen will. Davon möchte ich über die nächsten Jahre ein Teil sein.

Vor einigen Monaten haben Sie mit dem FC Basel noch in der Conference League gespielt, nun sind Sie in Aarau. Sehen Sie das nicht als persönlichen Abstieg?

Bis auf wenige Personen, die ich sehr schätze, ist mir die Meinung von anderen Leuten herzlich egal. Ich bin nicht der Typ, der nach Prestige entscheidet. Ich bin hier, weil ich hier etwas bewegen kann. Ob Super League oder Challenge League spielt dabei keine Rolle.

Wie blicken Sie auf Ihre Entlassung in Basel zurück?

Ich wurde das erste Mal in meinem Leben freigestellt. Die ersten drei, vier Wochen war das für mich persönlich sehr schwierig, für mein Umfeld aber wahrscheinlich noch schwieriger.

Wie meinen Sie das?

Meine Familie kommt aus Basel, wir leben im Baselbiet. Überall in der Öffentlichkeit war mein Umfeld meiner Entlassung ausgesetzt. Vor allem meine Frau und meine Eltern haben in dieser Zeit sehr gelitten. 

Ab wann hat sich das gebessert?

Wir waren zwei Wochen in den Ferien. Das hat mir sehr dabei geholfen, Distanz zu gewinnen und zu reflektieren, was ich rückblickend vielleicht anders machen würde. Das hat mir sehr gutgetan.

Der FCB wird aber immer einen Platz in Ihrem Herzen haben?

Die Fans und der Verein schon. Sie werden immer ein Teil meiner persönlichen Geschichte sein.

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