Birsfelden: Frau Schmid ist die Top-Adresse für Essenslieferdienste

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Birsfelden BLAlle bestellen Pizza zu Frau Schmid – nur nicht Frau Schmid

Die Türklingel von Familie Schmid in Birsfelden läuft an warmen Sommerabenden heiss. Ihr Haus ist die nächstgelegene Lieferadresse neben der beliebten Birsköpfli-Wiese.

«Wir haben nichts bestellt!» – deutliche Ansage vor dem Haus der Familie Schmid.
An dieser Adresse klingeln regelmässig die Lieferdienste.
Auf der benachbarten Birsköpfli-Wiese treffen sich junge Menschen. Gleich dahinter das Haus der Familie Schmid.
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«Wir haben nichts bestellt!» – deutliche Ansage vor dem Haus der Familie Schmid.

20Minuten/Amélie Schärer

Darum gehts

  • An der Adresse von Familie Schmid in Birsfelden klingeln regelmässig die Lieferdienste.

  • Der Grund dafür ist, dass ihr Haus die nächstgelegene Lieferadresse neben der beliebten Birsköpfli-Wiese ist.

  • Um dem Problem Herr zu werden, haben die Betroffenen nun den Aushang neben ihre Hausglocke gehängt. 

«Nicht klingeln! Wir haben nichts bestellt.» So steht es am Eingang des Einfamilienhauses von Familie Schmid am Birsquai in Birsfelden. Es dürfte kaum eine andere Adresse in der Region geben, die häufiger das Ziel von Pizzakurieren und Essenslieferdiensten ist. Denn Familie Schmids Haus grenzt direkt an das Birsköpfli, eine beliebte Liegewiese an der Flussmündung der Birs zum Rhein. Und wer hier im Sommer liegen bleibt, bekommt irgendwann Hunger. Dem Lieferdienst geben sie dann einfach die nächstgelegene Adresse an.

Um dem Problem Herr zu werden, haben die betroffenen Bewohner nun den Aushang neben ihre Hausglocke gehängt, wie die «Basler Zeitung» (Bezahlartikel) berichtet. «Auch nach Mitternacht wurde bei uns schon geklingelt», klagt Sylvia Schmid. Die Variation der Gerichte sei gross, am beliebtesten sei aber die Pizza.

«Da gibt es nichts zu machen»

«Da gibt es nichts zu machen. Ich rufe aus meinem Fenster, ich habe nichts bestellt», entgegnet Schmid auf die Frage, was sie gegen das nächtliche Klingeln unternehmen würde. Meistens reiche das auch. Viel mehr könne sie nicht unternehmen. Die Polizei zu rufen, mache keinen Sinn, wie sie sagt. «Das Problem sind nicht die Kuriere, sondern die jungen Menschen, die das Essen ungeniert an eine fremde Adresse bestellen.»

Zuweilen komme es auch vor, dass junge Menschen ihr Essen zwar auf ihre Adresse bestellen, ihre Bestellungen aber selbst in Empfang nehmen. Das ist für die Eigentümerin gar kein Problem, ihr gehe es schlichtweg um das Geklingel bis spät in die Nacht.  

Die vielen Menschen am Birsköpfli stören die 87-Jährige normalerweise nicht. Seit Jahrzehnten wohnt sie schon im Haus direkt neben der beliebten Liegewiese. Auch Schmid war einst selbst am Birsköpfli und versteht die jungen Menschen, die die schönen Abende am Birsufer geniessen wollen. 

Der Zettel hilft

Seit der Hinweis am Eingang hängt hat sich die Lage etwas beruhigt. «In den letzten zwei Wochen wurde nur einmal bei mir geklingelt», erzählt Sylvia Schmid. «Allerdings könnte dies auch mit dem schlechten Wetter der letzten Tage zusammenhängen», relativiert sie. 

Auch wenn die ausdrückliche Aufforderung vorübergehend zu funktionieren scheint, wird Familie Schmid in Zukunft nichtsdestotrotz mit dem einen oder anderen Klingeln rechnen müssen. Für Sylvia Schmid ist dennoch klar, wegen ein paar Pizzen und Bestellungen wird sie das Haus, in dem sie aufgewachsen ist, nicht verlassen. «Ich will nicht weg aus Birsfelden, aus meinem Haus, ich will hier sterben», versichert sie gegenüber der BaZ. 

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