Am 2. AprilTrump ruft «Liberation Day» aus – das musst du wissen
Am Mittwoch will Trump noch mehr Zölle ankündigen. Er nennt es «Liberation Day», weil er die US-Wirtschaft damit reformieren möchte. Doch welche Auswirkungen müssen erwartet werden?
Darum gehts
Trump plant am 2. April einen «Liberation Day» mit neuen Zöllen.
Ziel ist es, die US-Produktion zu stärken und Arbeitsplätze zurückzuholen.
Wirtschaftsexperten warnen vor steigenden Preisen und globalen Auswirkungen.
Als Trump am 5. November 2024 zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt worden war, liess er einen «Liberation Day» (Tag der Befreiung) ausrufen. Dasselbe tat er bei seiner Amtseinführung am 20. Januar. Nun spricht der US-Präsident wieder vom «Liberation Day».
Dieser komme am 2. April, so Trump. Dann plant er, eine Reihe von Zöllen auf Güter von Handelspartnern einzuführen. Damit will er die USA von einem Handels- und Produktionsdefizit «befreien».
Was passiert am «Liberation Day»?
Am 2. April will Trump Importsteuern ankündigen, einschliesslich «reziproker» Zölle. Diese sollen die Zölle kontern, die in anderen Ländern bereits auf Importe aus den USA auferlegt werden. Er hat bisher unter anderem über Tarife für die Europäische Union, Südkorea, Brasilien und Indien gesprochen. Angefangen hat es bereits mit den 25-Prozent-Zöllen, die Trump auf Autos angesetzt hat.
Der Präsident hat angedeutet, dass er bei seinen Zöllen flexibel sein wird. Dies beflügelt Diskussionen darüber, ob die Zölle langfristig gedacht sind, oder ob sie lediglich Druckmittel für Verhandlungen sein werden. Von Trump und seiner Umgebung werden diesbezüglich gemischte Signale ausgesendet, schreibt die Associated Press.
Warum überhaupt «Liberation Day»?
Die Globalisierung liess die Produktion von Gütern aus den USA abwandern. Dabei wurde insbesondere der sogenannte Rust Belt, eine Region, die mehrere US-Staaten umschliesst, hart getroffen. Viele Fabriken schlossen und Arbeitsplätze gingen verloren. Das Gefühl dieses Verlustes hat Trumps politischen Aufstieg beflügelt, wie die CNN schreibt.
Was hältst du von Trumps «Liberation Day» und den geplanten Zöllen?
Bei der Verhängung der Zölle auf Autos, sagte er letzte Woche: «Wir werden die Länder dafür belangen, dass sie in unserem Land Geschäfte machen und unsere Arbeitsplätze, unseren Reichtum und viele Dinge, die sie uns über die Jahre hinweg genommen haben, mitnehmen. Sie haben so viel aus unserem Land genommen, Freund und Feind.»
Trump kritisiert die ihm vorangegangenen Regierungen in ihrer Wirtschaftspolitik und argumentiert jetzt, dass er durch die Verhängung von Zöllen Unternehmen dazu zwingen wird, ihre Produktions- und Lieferketten zurück in die USA zu verlagern, wodurch Regionen, die durch die Globalisierung verarmt sind, wiederbelebt werden. Somit kommt der Einführung der Zölle eine zentrale Bedeutung in Trumps Amtszeit zu, die er mit dem Namen «Liberation Day» unterstreichen will.
Was sind die erwarteten Konsequenzen?
Sollte Trump die Zölle tatsächlich nicht nur als Druckmittel einsetzen, spielt er ein langes Spiel – denn bis die ersten Unternehmen sich dem Druck fügen und sich in den USA aufbauen, könnte es Jahre dauern – und riskiert dabei vieles. Wirtschaftsforscher und Politiker warnen vor den kurzfristigen Auswirkungen und viele teilen auch seine langfristige Zuversicht nicht.
Auswirkungen auf US-Bürger
Beobachter der US-Politik sind der Meinung, Trump habe die Wahlen in 2024 vor allem auf der Plattform der Inflationsbekämpfung gewonnen. Biden habe zwar die Wirtschaft gestärkt, so das Argument, aber schaffte es nicht, die Preise für die Konsumenten zu senken. Trump versprach, genau dies zu tun. Doch die Tarife werden laut Wirtschaftlern, die mit der Associated Press sprachen, das Gegenteil erreichen.
Trump selbst scheint sich dessen bewusst. In einem Telefoninterview nach der Ankündigung der Autozölle sagte er: «Es ist mir völlig egal, ob sie die Preise erhöhen, denn die Leute werden anfangen, Autos aus amerikanischer Produktion zu kaufen». Allerdings scheint er hierbei auszulassen, dass die lokale Produktion auf Teile angewiesen sind, die in Kanada oder Mexiko hergestellt werden und die ebenfalls von den Tarifen betroffen sind.

Sollte es sich bei den Zöllen um eine langfristig gedachte Strategie handeln, geht Trump damit ein kurzfristiges politisches Risiko ein, indem er das Gegenteil von dem tut, was er den Wählern versprochen hatte.
IMAGO/ZUMA Press WireSomit werden auch die Preise der amerikanischen Autos steigen, schreibt die CNN. Ähnlich wie bei den Autos wird es bei Lebensmitteln, Wohnungen und anderen Gütern aussehen, warnen Wirtschaftler und Politiker, wie zum Beispiel der Bürgermeister von Columbus, Ohio, Andrew Ginther.
Auswirkungen auf die globale Wirtschaft
Trumps Handelskriegspolitik hat bereits Billionen von Dollar an den US-Aktienmärkten vernichtet und die Furcht vor einer Rezession angesichts des schwindenden Verbrauchervertrauens verstärkt. Am Montag starteten die asiatischen Märkte mit Verlusten in die neue Woche, wie verschiedene Medien meldeten. Die Angst vor einer schlimmer werdenden Inflation und vor noch mehr Tarifen, sowie Trumps kurzfristigem Hin und Her, wenn es zur Durchsetzung kommt, macht Investoren Angst, schreibt die «NZZ». Demnach steht die Befürchtung im Raum, dass der Wirtschaft eine Ära droht, in der Inflation und wirtschaftliche Stagnation vorherrschen.
Was heisst das für dich als Aktionär?
Sandro Merino, Anlagechef bei der Basler Kantonalbank, sagt gegenüber der «NZZ», worauf man sich beim Handel mit Aktien jetzt achten sollte. In unsicheren Zeiten sei «abwarten und nichts tun die beste Strategie». Sollte Trump die Zölle nur als Verhandlungsmittel einsetzen, könnte sich punktuell der Kauf abgestrafter Aktien lohnen.
Die UBS sieht eine Chance darin, die Unsicherheit zu nutzen, um günstig langfristig in KI-Aktien zu investieren. Wer den Schwankungen der volatilen Situation entgegenwirken möchte, sollte auf Cash, Gold oder Hedge-Funds setzen, um das Risiko eines Portfolios zu mindern, wie ebenfalls die «NZZ» schreibt.
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