Anouk und Zoé Vergé-Dépré: Beachvolley-Schwestern im Interview

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Beachvolley-Schwestern«Einige Leute sagen, wir sähen auf den ersten Blick böse aus»

Die Bernerinnen Anouk und Zoé Vergé-Dépré spielen beide erfolgreich Beachvolleyball – jedoch nicht gemeinsam. Im Doppel-Interview mit 20 Minuten erklären sie, weshalb.

Die Vergé-Dépré-Schwestern Anouk und Zoé übereinander. 

20min/fbo

Darum gehts

  • Die Schwestern Anouk (31) und Zoé (25) Vergé-Dépré sind erfolgreiche Beachvolleyballerinnen. 

  • Die Bernerinnen freuen sich auf das anstehende Heimturnier in Gstaad. 

  • Im Doppelinterview verraten die Schwestern, was sie von der anderen halten. 

Weshalb bildet ihr kein Familien-Duo im Sand?

Anouk: Wir sind sechs Jahre auseinander, ich begann früher. Und wir haben noch ein anderes Commitment in diesem Olympia-Zyklus mit unseren jeweiligen Partnerinnen Joana (Mäder) und Esmée (Böbner). Wir arbeiten beide auf Paris 2024 hin, sind Konkurrentinnen. Danach stellt sich die Frage: Geht es weiter und mit wem? Dann ist alles wieder offen.

Ihr habt ein Turnier zusammen gespielt: Was gefiel euch dabei?

Zoé: Es hat «gfäggt». Obwohl wir uns schon sehr gut kennen, war es nochmals etwas Neues, sich auf dem Feld kennen zu lernen. 

Anouk: Es war etwas anderes, wenn man etwas leisten muss, statt Freizeit zusammen zu verbringen. 

Zoé: Wie man reagiert, wenn man unter Druck steht, das sieht man sonst nicht so. Da lernt man sich anders kennen. 

Was macht deine Schwester besser als du?

Zoé: Anouk hatte schon immer den Antrieb, etwas zu machen, das war schon immer inspirierend für mich als kleine Schwester. 

Anouk: Zoé ist ein ruhigerer Mensch als ich, das hilft in gewissen Situationen. 

Was kopiert ihr von der Schwester?

Zoé: Aufessen! (beide lachen) Ich habe durch Anouk gesehen, dass man trotz professionellen Sports das Privatleben aufrechterhalten kann und Freizeit hat. 

Anouk: Ich finde es schön zu sehen, wie sie denselben Weg wie ich einschlägt und dabei Spass hat. Früher dachte ich, sie müsse das, weil die ganze Familie Volleyball spielte. Ich bin nun schon elf Jahre auf der Tour – ein alter Hase – und es ist erfrischend, ihre Leichtigkeit zu sehen. 

20 Minuten traf die Beachvolleyball-Schwestern Anouk (l.) und Zoé Vergé-Dépré in Bern. 
Im Doppelinterview erklären die Bernerinnen unter anderem, wie es ist, gegeneinander zu spielen. 
Das Interview fand im Rosengarten statt, denn die Schwestern lieben die Natur, das haben sie von der Mutter. 
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20 Minuten traf die Beachvolleyball-Schwestern Anouk (l.) und Zoé Vergé-Dépré in Bern. 

20min/Marco Zangger

Wie beschreibt ihr eure Schwester?

Anouk: Eine Frau, die viel Lebensfreude besitzt, die im Moment lebt, offen gegenüber allen Menschen ist. 

Zoé: Sie ist sehr fokussiert und eine loyale Person. Sie hat viel Lebensfreude, das haben wir von der Familie gelernt. Das strahlen wir auch aus. Wobei wir von einigen Leuten gesagt bekommen haben, wir sähen auf den ersten Blick böse aus, es schüchtere ein.

Wie wichtig ist euch die Familie?

Zoé: Ich bin noch mehr der Familienmensch als Anouk. Hier können wir sein, wie wir sind. Hier können wir Energie tanken, wir teilen auch die schwierigen Momente. 

Anouk: Ja, das gibt uns Kraft. Wir erleben viel Humor zu Hause.

Euer Vater stammt aus Guadeloupe, inwiefern seid ihr karibisch beeinflusst?

Zoé: Die «Joie de vivre» – das Leben zu nehmen, wie es kommt. Nicht zu viel mit der Vergangenheit hadern, sondern nach vorne schauen. 

Inwiefern typisch bernerisch von der Mutter?

Anouk: Den Bezug zur Natur von unserer Mutter haben wir übernommen, draussen sein, in die Aare baden gehen. Sie ist ein Sonnenmensch. Darum finden wir es auch so toll, Beachvolleyball zu spielen, immer draussen zu spielen. 

Wie oft tauscht ihr euch bezüglich Sport aus?

Zoé: Ich weiss, wie sie sich fühlt, wenn ihr etwas passiert. Dann muss ich nicht nachfragen, wie es ihr geht. Wenn ich sehe, dass sie Unterstützung braucht, dann melde ich mich. 

Anouk: Wir haben eine gute gegenseitige Unterstützung. Man weiss aber eigentlich immer, was bei der anderen läuft.  

Interessiert dich Beachvolleyball?

Was wünscht ihr eurer Schwester für die sportliche Zukunft?

Anouk: Ich wünsche Zoé, dass sie noch viel wachsen kann in diesem Sport, sie kann noch viel erleben. Dass sie sich stetig weiterentwickelt. 

Zoé: Ich wünsche ihr, dass sie am Karriereende sagen kann, sie habe alles investiert und alles gemacht, was sie wollte. Dass sie zufrieden die Karriere beenden kann … irgendeinmal.

Gstaad folgt als nächstes, was hat das Turnier für eine Bedeutung für euch?

Anouk: Ich finde es mega cool, ich musste letztes Jahr zusehen (weil ihre Partnerin Joana Mäder verletzt war, Red.) und beobachtete das zum ersten Mal seit zehn Jahren von aussen. Da merkte ich wieder, wie gern ich auf diesem Platz stehe. Es ist ein Riesenprivileg, dass wir so ein grosses Turnier in der Schweiz haben, das die Beachvolleyball-Familie zusammenbringt. Der Kontrast von der Sportart und den Bergen sowie die Stimmung sind dort immer sehr toll. 

Zoé: Da wir bereits als Ballmädchen dort oben waren, hat das für uns eine ganz spezielle Bedeutung. Als ich vor zwei Jahren das erste Mal spielte, war das ein krasses Gefühl.  

Gibt es Sticheleien, wenn ihr gegeneinander spielt?

Anouk: Nein, es wird aber klar, dass wir gegeneinander antreten, wir zeigen kein Erbarmen. Aber es ist anders für mich, weil sie die kleine Schwester ist. Früher musste ich auf sie aufpassen, schauen, dass es ihr gut geht. Und jetzt muss ich sie im übertragenen Sinn fertigmachen. Das musste ich zuerst mental so hinbekommen. Beim Beachvolleyball ist man nur zu zweit und sucht sich immer die schwächere Gegnerin aus und spielt auf sie, probiert, das auszunutzen. Die direkte Konfrontation gegenüber der Schwester macht es speziell. 

Zoé: Für mich war es immer das Duell gegen die ältere Schwester, da ist es normal, dass die ältere gegen die jüngere gewinnt. Das musste ich umpolen, ich wollte auch gewinnen.  

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