ArbeitsmarktLehrlinge sind erschöpft – Unia fordert kürzere Arbeitszeiten
Gemäss einer Umfrage der Unia leiden viele Lernende unter Druck und Diskriminierung in der Ausbildung. Die Gewerkschaft fordert deswegen bessere Kontrollen und kürzere Arbeitszeiten. Bei der Privatwirtschaft kommt dies nicht gut an.
Darum gehts
In einer Studie der Unia geben viele Lernende an, unter Erschöpfung und den Zuständen in den Lehrbetrieben zu leiden. Die Gewerkschaft sieht Handlungsbedarf.
Konkret fordert die Unia mehr Kontrollen durch das Amt für Berufsbildung, kürzere Arbeitstage und die Unterstellung der Lernenden unter die Gesamtarbeitsverträge.
Diana Gutjahr, SVP-Nationalrätin und selbst Geschäftsführerin eines Betriebs mit zehn Lernenden, sieht die Beschwerden der Lernenden als eine Unterstellung.
Knapp 30 Prozent der Lernenden sind immer erschöpft, 26 Prozent sehen ihre Lehre gerade mal als befriedigend an: Eine Studie der Unia attestiert den Lehren in der Schweiz ein schlechtes Zeugnis. Die befragten Lernenden geben an, unter zu langen Arbeitstagen, Diskriminierung und einem niedrigen Lohn zu leiden.
Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, länger als neun Stunden pro Tag zu arbeiten. Damit würde das Schweizer Arbeitsrecht verletzt. Weiter sehen sich die Auszubildenden mit Rassismus und sexueller Belästigung innerhalb des Lehrbetriebs konfrontiert. Die Unia befürchtet durch den Stress und die starke Erschöpfung der Lernenden ein erhöhtes Risiko von Arbeitsunfällen und sieht ein Problem für die allgemeine Gesundheit der Gesellschaft.
Studie der Unia
In der Studie wurden 1100 Lernende zu ihrem Eindruck auf die Qualität ihrer Lehre befragt. Wie Félicia Fasel von der Unia mitteilt, sei die Umfrage als erster Schritt gedacht, um die Situation zu verbessern. Mit den Resultaten wolle die Gewerkschaft der Privatwirtschaft und der Politik aufzeigen, dass das viel gelobte duale Ausbildungssystem bei weitem noch nicht funktioniere. Jeder vierte Lernende bricht gemäss der Unia die Lehre ab.
Unia fordert mehr Kontrollen
Um die Gesundheit der Lernenden zu schützen, fordert die Unia konkret kürzere Arbeitszeiten sowie einen besseren Schutz vor Diskriminierung und Mobbing. Dazu lanciert die Gewerkschaft eine Sensibilisierungskampagne zu den Rechten der Lernenden. Diese sollen sich so besser vor Ausbeutung und Diskriminierung schützen können. Auch gemeinsam mit der Privatwirtschaft möchte die Unia Massnahmen entwerfen und Lösungen finden.
Ein weiterer Aspekt der Studie liegt in den Kontrollen der Lehrbetriebe durch das Amt für Berufsbildung. Diese werden gemäss der Studie kaum durchgeführt – knapp 55 Prozent der Befragten geben an, nie eine Kontrolle miterlebt zu haben. Daher fordert die Gewerkschaft strengere und häufigere Kontrollen durch das Amt.
Zuletzt prangert Félicia Fasel von der Unia die vertragliche Situation der Lernenden an. Sie fordert die Unterstellung der Lernenden unter die Gesamtarbeitsverträge. «Von den Arbeitgeberverbänden werden diese leider allzu oft ausgeschlossen, ohne überhaupt darüber zu diskutieren», sagt Fasel. Die Frage der Berufslehre betreffe heute nicht mehr nur die Ausbildung, «sondern die allgemeine Gesundheit unserer Gesellschaft».
Leidest du unter Stress bei der Arbeit?
«Es kostet viel Zeit und Geld, einen Lernenden auszubilden»
Für SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr, selbst Unternehmerin, führt sich die Unia auf wie ein Polizist. «Die Unia muss aufpassen und darf nicht nur einfach mit dem Finger auf die Unternehmer zeigen. Es ist ja in unserem eigenen Interesse, dass wir die jungen Leute zu unseren Fachkräften ausbilden», so Gutjahr. Es sei also eine generelle Unterstellung zu behaupten, dass die Betriebe die Lernenden nicht richtig betreuen würden. Dazu betont sie aber auch: «Es kostet viel Zeit und Geld, einen Lernenden auszubilden, und wird auch immer aufwendiger.»
Sie sieht das Problem eher in den Schulen und bei den Eltern, dort würden die Jugendlichen nicht richtig auf die Ausbildung vorbereitet und begleitet. «Im Grundsatz kann man sagen, die Anforderungen an die Jungen sind gesunken. Diejenigen, die in die Lehre kommen, weisen eine schlechtere Qualität auf, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Sie werden schon in der Schule weniger gefordert, da Leistung immer wenig im Zentrum steht, und sind dann in der Lehre überfordert. Auch der übermässige soziale Medienkonsum trägt seinen Teil dazu bei.»
Auch der Mangel an Interesse ist für Gutjahr problematisch. «Ich erwarte von den Jungen auch ein bisschen mehr Einsatz. Früher holte man Wissen ab, heute warten die Jungen eher darauf, dass man ihnen etwas bringt», sagt sie.
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