Kaserne ChurArmee serviert Rekruten rohes Poulet
Die Rekruten der Kaserne Chur sollen Hunger leiden und Gefahr laufen, sich eine Salmonellen-Vergiftung einzufangen, klagt ein Rekrut. Die Armee will nun Massnahmen einführen, dass dies nicht mehr vorkommt.
Darum gehts
- Die Rekruten in der Kaserne Chur sollen seit fünf Wochen zu wenig Essen erhalten.
- Viele Speisen seien auch nicht richtig durch, so ein Rekrut.
- Die Armee verspricht Besserung.
Zu kleine Portionen und Salmonellen-Gefahr: Seit RS-Beginn vor fünf Wochen sollen die Rekruten der Kaserne Chur leiden. «Weil wir ständig Hunger haben, sind viele von uns zickig oder auch aggressiv drauf», sagt ein Rekrut zu 20 Minuten, der anonym bleiben möchte, weil er Konsequenzen fürchtet. «Die Portionen entsprechen zwar einer normalen Tellergrösse. Nur: Wir schuften den ganzen Tag. Da braucht man einfach mehr Essen, um die geforderte Leistung erbringen zu können.» Nachschöpfen könnten die Rekruten kaum.
So hätten sie am Mittwoch vor einem 15-Kilometer-Marsch je drei Rölleli erhalten, die zwölf Zentimeter lang, drei Zentimeter breit und mit Hackfleisch gefüllt gewesen seien. «Die Stimmung war dementsprechend schlecht.» Auch das Morgenessen bestehe einzig aus zwei Scheiben Brot. An einem anderen Tag hätten sie zu Mittag je einen Hotdog erhalten.
Mutter ist besorgt
Den Tiefpunkt habe die Armee-Küche am letzten Freitag erreicht: «Als 1.-August-Festtagsschmaus wurde uns Poulet serviert. Wir haben uns extrem gefreut, bis wir das Fleisch von innen gesehen haben. Es war noch roh.» Ein Bild davon hat der Rekrut seiner Mutter gezeigt. Für sie steht fest: «In der Kaserne Chur herrschen unhaltbare Zustände in der Küche. Nachdem ich das rohe Poulet gesehen habe, mache ich mir Gedanken um die Gesundheit meines Sohnes und seiner Kollegen.» Durch das rohe Fleisch könnten sich die Rekruten mit Salmonellen infizieren.
Armee-Sprecher Daniel Reist bestätigt, dass das Poulet auf dem Bild nicht den Vorschriften entspricht. «Die Bildung von Bakterien ist zu befürchten und Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Hier muss das Küchenpersonal nachgeschult werden.» Die Rekruten könnten das Poulet jederzeit zurückgeben, damit es die Küchenequipen nachgarten.
Rekruten erhalten Fresspäckli
Dass die Angehörigen der Kaserne Chur insgesamt zu wenig Essen bekommen, könne sich der für die Kaserne verantwortliche Schulkommandant jedoch nicht vorstellen, so Reist. Es kann vorkommen, dass bei sehr beliebten Menüs wie etwa Hamburger oder Pizza nicht jeder x-mal nachfassen kann.» Zudem werde infolge der Corona-Auflagen jedem Armeeangehörigen seitens der Küche ein Teller fixfertig ausgegeben. Aber: «Sollte der Armeeangehörige nach diesem Teller noch Hunger haben, kann er nochmals nachfassen.»
Der betroffene Rekrut widerspricht: Nachschöpfen sei kaum möglich, weil es meistens nach der ersten Portion nichts mehr gebe. In Absprache mit seiner Familie erhalte er nun Zustupf von zu Hause wie viele seiner Kollegen auch. «Mein Sohn bekommt jetzt zweimal pro Woche ein Fresspäckli mit Salametti und Käse von mir zugestellt», sagt die Mutter.
Armee wird unangemeldete Kontrollen durchführen
Laut Reist ist eine «vollständige und ausgewogene Ernährung in der Armee auch ohne Fresspäckli» möglich. Allerdings sei bekannt, dass es gerade zu RS-Beginn Probleme bei den Bestandesmeldungen geben könne, so Reist: «Die Kader melden einen falschen Standort für einen Zug oder eine Kompanie – das Essen wartet am falschen Ort. Dann gibt es dort Überfluss, andernorts zu wenig. Die Kader werden aber laufend sensibilisiert und weitergebildet.»
Auch die Kaserne Chur will sich bessern: «Der Schulkommandant wird das Thema Verpflegung mit dem Führungspersonal besprechen, nach Optimierungspotential suchen und vermehrt Kontrollen in diesem Bereich durchführen. Zudem wird er die Fachvorgesetzten anweisen, diese Thematik mit dem Küchenpersonal anzuschauen und vermehrt Kontrollen durchzuführen.» Auch unangemeldete Kontrollen sollen in den nächsten Wochen durchgeführt werden. Reist: «So wollen wir solche Vorwürfe künftig ausschliessen und die korrekte Ernährung der Armeeangehörigen sicherstellen.»
Salmonellen-Infektionen
Salmonellen sind kleine, stäbchenförmige Bakterien. In einer bestimmten Menge aufgenommen, können sie Magen-Darm-Infektionen (Salmonellosen) verursachen. Häufigste Ursache ist der Verzehr von erregerhaltigen Lebensmitteln wie etwa rohem Fleisch oder nicht ausreichend erhitzten Eiern. Salmonellen können sich gemäss einer Studie auch in geschnittenem, abgepacktem Salat überproportional schnell vermehren.
Symptome einer Salmonelleninfektion sind ein plötzlich einsetzender Durchfall mit Unwohlsein, Kältegefühl, Kopf- und Bauchschmerzen, manchmal auch Erbrechen und leichtem Fieber. Diese Beschwerden treten in der Regel 12 bis 36 Stunden nach dem ersten Kontakt mit dem Erreger auf. Normalerweise dauern sie nur wenige Stunden bis wenige Tage an.
So vermeiden Sie eine Ansteckung mit Salmonellen:
- Achten Sie beim Kauf von tierischen Produkten wie Poulet, Eiern etc. auf eine lückenlose Kühlkette.
- Tauen Sie gefrorenes Fleisch in einer Schale auf und giessen Sie den Fleischsaft danach weg.
- Beachten Sie das Verfallsdatum bei tierischen Produkten.
- Erhitzen Sie Poulet, Eier und Eiprodukte ausreichend. Erst ab einer Temperatur von 70 °C über eine Garzeit von mindestens zehn Minuten lassen sich Salmonellen abtöten.
- Waschen Sie sich nach jedem Toilettengang die Hände.