Auf diesen historischen Bildern leben Tote weiter

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Makaber oder schön?Auf diesen historischen Bildern leben Tote weiter

Früher war vieles anders. So gehörte es lange zum guten Ton, verstorbene Familienangehörige für Fotos in Szene zu setzen.

Wer nicht weiss, dass es sich bei dieser Aufnahme um ein Beispiel für Totenfotografie handelt, nimmt an, dass das eine Mädchen während des Shootings eingenickt ist.
Das Gleiche könnte man auch bei diesem Bild denken. Der Verstorbene wurde so arrangiert, dass sein rechter Arm den leblosen Kopf stützt und vor dem Abknicken bewahrt.
Bei dieser Fotografie ist es die Schulter der Mutter, die den Körper der verstorbenen Tochter stützt.
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Wer nicht weiss, dass es sich bei dieser Aufnahme um ein Beispiel für Totenfotografie handelt, nimmt an, dass das eine Mädchen während des Shootings eingenickt ist.

PD

Darum gehts

  • Mit Toten für Erinnerungsfotos zu posieren ist heute undenkbar.

  • Im späten viktorianischen Zeitalter (1860–1910) war es dagegen gängige Praxis.

  • Der Grund dafür war eher praktischer Natur.

Fotos sind seit vielen Jahrzehnten das Medium der Wahl, wenn es darum geht, Erinnerungen festzuhalten. Doch was heute dank der digitalen Möglichkeiten kaum etwas kostet, ging früher richtig ins Geld. Deshalb liessen die Menschen zu Zeiten Königin Victorias von England, die zwischen 1837 und 1901 auf dem Thron sass, nur hin und wieder Aufnahmen von sich und ihrer Liebsten anfertigen.

Weil zwischen den einzelnen Fototerminen oft viel Zeit verstrich, kam es mitunter vor, dass der Tod dem Fotografen zuvorkam. Nicht nur hatten die Menschen dann den Verlust eines Angehörigen zu beklagen, sondern oft auch das Nichtvorhandensein eines Erinnerungsfotos. Deshalb entschieden sich viele Familien, den Verstorbenen kurzerhand mit aufs Foto zu nehmen.

Viel Aufwand betrieben

Weil man mit der sogenannten Post-mortem-Fotografie nicht schocken, sondern die Erinnerung an einen lieben Menschen bewahren wollte, bemühte man sich, den Körper des Verstorbenen so lebensecht wie möglich darzustellen. Deshalb scheint es auf manchen Bildern so, als würde die betreffende Person schlafen. Kinder wurden oft in einer Krippe liegend, auf einem Stuhl sitzend oder mit ihrem Lieblingsspielzeug posierend abgelichtet. Sie wurden oft von einem Familienmitglied, meist der Mutter, gestützt.

Erst später ging man dazu über, den Verstorbenen im offenen Sarg zu porträtieren. Blumen, wie Vergissmeinnicht und Lilien, wurden vermehrt in die Bilder eingebracht. Anfang des 20. Jahrhunderts verlor die Totenfotografie an Bedeutung und verschwand beinahe völlig. Eine Auswahl historischer Aufnahmen haben wir für dich in der obigen Bildstrecke zusammengestellt.

Dieser Text ist erstmals am 15.02.2015 erschienen.

Trauerst du oder jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Tel. 147

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