Hochglanzleben in MonacoBaselbieter Finanztrickser wirbt trotz Strafverfahren munter um neue Kunden
Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt seit über einem Jahr gegen einen 26-jährigen Baselbieter Trader. Dieser wirbt derweil aus Monaco um neue Kunden und Kundinnen für seine Coaching-Programme.
Mitte Juli wagte der Baselbieter Finanztrickser den Neustart in Monaco. Mit einer frischen Webseite verkauft er Member Club Coachings für fast 3000 Euro, in denen er «alle nötigen Skills, um selbst auch ein erfolgreicher Trader zu werden», vermittelt. «Du lernst, wie du Gewinne optimierst und Verluste minimierst», verspricht er. In einem Imagefilm protzt er mit Uhren, Ferrari und einer Centurion Karte von American Express, deren Namen er auch für eigene Leistungen verwendet.
Seinen Kunden und Kundinnen verschweigt er allerdings einen wesentlichen Makel seiner Erfolgsbilanz: Mutmasslich hat er Gelder seiner Kunden und Kundinnen im Umfang von mehreren hunderttausend Franken in den Sand gesetzt. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Veruntreuung, es gilt die Unschuldsvermutung.
Die untersuchte Deliktsumme dürfte nach Informationen von 20 Minuten inzwischen die Millionengrenze überschreiten. Der Beschuldigte hat seinen Wohnsitz allerdings schon im März 2020 ins Ausland verlegt und operiert aktuell von Monaco aus, wo er im April eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung eintragen liess.
Anwalt und Beschuldigter schweigen
Inzwischen hat der Finanztrickser, der auch schon tatsachenwidrig behauptete, der reichste Schweizer zu sein, einen Strafverteidiger engagiert. Er lässt sich durch den Zürcher Anwalt Andrea Taormina vertreten, der als Spezialist für komplexe Wirtschaftsdelikte gilt. Wie er auf die Ermittlungen reagiert, ist aber weiterhin unklar. «Daraus lässt sich nichts ableiten», sagt der Basler Anwalt Christophe Dumartheray, der mehrere Geschädigte vertritt.
Taormina äussert sich nicht zu den Vorwürfen, die gegen seinen Klienten erhoben wurden. Der Beschuldigte selbst lehnte es bislang ebenfalls ab, die Anschuldigungen gegen ihn öffentlich zu kommentieren. Die Geschädigten werfen ihm vor, sein Hochglanzleben mit teuren Uhren, Luxushotels und schnellen Autos mit ihrem Geld finanziert zu haben.
Sein Vorbild landete im Gefängis
Während sich der Baselbieter in der monegassischen Riviera sonnt, reisst den Geschädigten langsam der Geduldsfaden. «Eine absolute Frechheit», kommentiert einer die neuen geschäftlichen Aktivitäten des selbsternannten Trading-Genies. Er würde sich da mehr Druck von den Schweizer Behörden wünschen.
In seiner ausführlichen Biografie, die er auf seiner neuen Website veröffentlichte, schreibt der Trader, dass er als 16-Jähriger durch den Filmklassiker «Wall Street» inspiriert wurde. Michael Douglas spielt darin den Börsenhai Gordon Gekko, der später wegen Insiderhandels hinter Gittern landen wird.
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