Wahlen 2010BDP-Regierungsrat tritt nicht mehr an
Der bernische Finanzdirektor Urs Gasche wird bei den Wahlen 2010 nicht mehr antreten. Der einzige BDP-Regierungsrat will nach acht Jahren im Amt den beruflichen Wiedereinstieg wagen und sich auch vermehrt seiner Familie widmen.
«Der Entscheid ist mir nicht leicht gefallen», sagte Gasche am Mittwoch vor den Medien in Bern. Er habe nicht genug von seinem Job und sei auch nicht ausgebrannt. Zudem sei ihm klar, dass es für seine Partei einfacher wäre, mit einem Bisherigen anzutreten.
Die SVP hat sich vorgenommen, ihren zweiten Regierungssitz zurückzuerobern, den sie vor vor Jahresfrist mit Gasches Wechsel von der SVP zur neu gegründeten BDP verloren hatte.
Die BDP sieht Gasches Verzicht aber auch als Chance. Die Partei werde beweisen, dass sie über genügend Rückhalt in der Bevölkerung verfüge, um im Kanton Bern mitregieren zu können, schreibt sie in einer Mitteilung vom Mittwoch. Und auch Gasche betonte: «Die Partei hängt nicht von mir ab.»
Die BDP stellte am Mittwoch eine Einerkandiatur für die Wahlen im Frühling 2010 in Aussicht. Namen nannte die Partei noch nicht.
Beruf und Familie
Gasche führte vorab berufliche und persönliche Gründe für seinen Rückzug an. So will er im Sommer 2010 den beruflichen Wiedereinstieg in seinem angestammten Beruf als Rechtsanwalt wagen.
Dies gelinge im Alter von 55 Jahren leichter, als in vier Jahren. Und während der Legislatur zurückzutreten kommt für Gasche nicht in Frage: «Ich mache keine halben Sachen», betonte er.
Beruflich will er sich auf Beratungen konzentrieren und hofft, seine politischen Erfahrungen und seine juristische Bildung verbinden zu können. Erste Beziehungen zu Advokaturbüros seien bereits geknüpft.
Ausserdem wolle er am Heranwachsen seiner Kinder aus zweiter Ehe «etwas mehr Anteil haben als bei der ersten Generation», sagte Gasche weiter. Auch dafür sei der Zeitpunkt zum Rückzug nun richtig. Das Amt lasse nicht genügend Spielraum, um der Vaterrolle gerecht zu werden.
«Sommertheater» ohne Einfluss
Keinen Einfluss auf seinen Entscheid gehabt hätten die Schlagzeilen um die Überstunden, die ein hoher Kantonsangestellter während Jahren angehäuft hatte, betonte der scheidende Finanzdirektor. Sein Entscheid sei schon weit gereift gewesen und er habe die Sommerpause genutzt, um persönliche Gespräche zu führen.
Das mediale «Sommertheater» habe ihn zwar persönlich getroffen, so Gasche. Zu einer «Trotzreaktion» und damit zum Weitermachen hätte es ihn aber nicht verleiten können.
Finanzpolitiker mit Sinn fürs Machbare
Gasche war im Herbst 2001 als Nachfolger von Hans Lauri (SVP) in den Regierungsrat gewählt worden. Er stand während dieser Zeit der Finanzdirektion vor und konnte lange Zeit positive Staatsrechnungen präsentieren.
Doch während seiner Amtszeit herrschte nicht nur eitel Sonnenschein. Gasche musste auch rigorose Sparmassnahmen durchsetzen, so etwa 2002 mit der «Strategischen Aufgabenüberprüfung SAR».
In seine Amtszeit fielen ebenfalls die Einführung der Schuldenbremse oder jüngst ein Investitionsfonds gegen die Wirtschaftskrise.
In der seit 2006 rot-grün dominierten Regierung stand Gasche für eine restriktive Haushaltspolitik ein. Dennoch stand er auch den von Bürgerlicher Seite gewünschten Steuererleicherungen stets kritisch gegenüber. (sda)