Sanität wegen «Fieber» gerufen«Begriff ‹Männergrippe› ist eine Rache von Frauen»
Schutz & Rettung Zürich wurde von einem Mann gerufen, bei dem der Fiebermesser 37,8 Grad anzeigte. Ein Rettungssanitäter spricht von «Männergrippe». Ein Arzt klärt über das Phänomen auf.
Herr Huber*, gibt es das Phänomen «Männergrippe» wirklich?
Für mich ist der Begriff «Männergrippe» eine spassige Erfindung. Man macht sich dadurch lustig über die Wehleidigkeit der Männer. Ich glaube, der Begriff «Männergrippe» ist eine schelmische Rache der Frauen an Männern. Letztere geben sich gerne als das starke Geschlecht und auch viele Frauen haben dieses Bild im Kopf. Wenn Männer dann ihre Wehleidigkeit zeigen, wird diese Vorstellung auf den Kopf gestellt und als etwas Aussergewöhnliches wahrgenommen.
Sind Männer nicht wehleidiger als Frauen?
Das kann man so nicht sagen. Von beiden Geschlechtern gibt es Leute mit einer extremen Schmerzempfindlichkeit und Ängstlichkeit. Es gibt unabhängig vom Geschlecht Patienten, die schneller ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen als andere.
Also hat das Ganze nichts mit dem Wunsch nach Aufmerksamkeit zu tun?
Es gibt sicher Menschen, welche die Aufmerksamkeit geniessen, wenn sie krank sind. Aber auch hier glaube ich, dass die bei beiden Geschlechtern vorkommt.
Wie soll das Gegenüber reagieren, wenn jemand wegen einer Bagatelle ein Büro aufmacht?
Wenn jemand noch herumlaufen und ein Kind auf dem Arm tragen kann, handelt es sich vermutlich nicht um einen Notfall. Meist hilft dann, wenn jemand beim Erkrankten ist und ihm die Angst nimmt, dass es etwas Schlimmes ist, und ihn ein bisschen umsorgt. Ich beobachte, dass es vor allem in Städten, wo es viele Alleinwohnende gibt, vorkommt, dass Menschen schneller wegen einer Bagatelle zum Arzt gehen, weil sie allein überfordert sind.

*Felix Huber ist Allgemeinarzt und leitet das Ärztenetz mediX Zürich.