Bei Bewerbung und Lohn werden Schöne bevorzugt

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ArbeitsmarktBei Bewerbung und Lohn werden Schöne bevorzugt

Nicht nur mit den passenden Qualifikationen lassen sich Personaler beeindrucken, sondern auch mit dem Aussehen. Attraktive Angestellte erhalten zudem mehr Gehalt.

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Das Äussere hat bei der Personalauswahl einen Einfluss. Diesen Schluss lässt jedenfalls eine neue Umfrage unter Führungskräften zu.
Die Befragten sind zudem der Meinung, dass das Bild entscheidet, wie aufmerksam ein Lebenslauf gelesen wird.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Fast vier Fünftel sind der Ansicht, dass das Bewerbungsfoto mit der angestrebten Rolle übereinstimmen muss.
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Das Äussere hat bei der Personalauswahl einen Einfluss. Diesen Schluss lässt jedenfalls eine neue Umfrage unter Führungskräften zu.

Jacom Stephens

Auf das Aussehen kommt es an. So lassen sich die Ergebnisse einer neuen Umfrage unter Führungskräften ganz kurz zusammenfassen. Gemäss der Erhebung des Zuger Personalvermittlers Goldwyn Partners Group waren 84 Prozent der Meinung, dass «schöne» Menschen eher oder sicher bei der Personalauswahl bevorzugt werden. Rund 80 Prozent der Teilnehmer denken zudem, dass das Bild auf dem Lebenslauf darüber entscheidet, wie aufmerksam oder wohlwollend dieser gelesen wird.

Auch die Frage nach der Einschätzung, ob es für die meisten Personalverantwortlichen relevant sei, dass das Bild mit der angestrebten Rolle übereinstimmt, führte zu einem klaren Resultat: 78 Prozent der Befragten bejahten das. Sie denken also, dass jemand, der sich für eine Stelle als Buchhalter bewirbt, bessere Chancen hat, wenn er wie ein Buchhalter aussieht. Die Umfrageergebnisse stützen sich auf die Antworten von insgesamt 609 Führungskräften, wobei 71 Prozent Männer sind. Gemäss Goldwyn Partners Group würden sich die Ergebnisse aber zwischen den Geschlechtern und verschiedenen Alterskategorien nicht wesentlich unterscheiden.

Schöne Frauen erhalten 20 Prozent mehr Lohn

Dass das Aussehen einen Einfluss auf Jobchancen und Gehalt hat, konnte bereits in einer Reihe von Untersuchungen festgestellt werden. In einem Artikel des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn wurden verschiedene Resultate zur Forschung in diesem Bereich vorgestellt. Demnach verdienen schöne Frauen in Deutschland rund 20 Prozent mehr als eine durchschnittlich aussehende Frau. Bei den Männern ist der Effekt etwas weniger ausgeprägt. Doch auch attraktive Männer verdienen rund 14 Prozent mehr als jene, deren Äusseres nur durchschnittlich ist. Ähnliche Ergebnisse waren auch in anderen untersuchten Ländern zu beobachten.

Die Studie des IZA zeigte zudem, dass in gewissen Ländern Personen mit unterdurchschnittlichem Aussehen bei der Höhe des Gehalts gar «bestraft» wurden. In Grossbritannien beträgt diese Strafe 11 Prozent bei Frauen und 15 Prozent bei Männern. Im Gegensatz zu Deutschland erhielten in Grossbritannien überdurchschnittlich attraktive Angestellte allerdings nicht mehr Gehalt.

Bewerbungsfotos weglassen?

Warum Angestellte mit einem überdurchschnittlichen Äusseren mehr verdienen als der Durchschnitt kann verschiedene Erklärungen haben. Wer gut aussieht, hat auch eher gute Kommunikationsfähigkeiten, mehr Selbstbewusstsein und ist eher extrovertiert. Alle diese Faktoren führten tendenziell zu höheren Gehältern, so die IZA-Autoren. In ihrer Untersuchung kamen sie zudem zum Schluss, dass gut aussehende Personen eher in Branchen tätig sind, wo die Gehälter vom Äusseren abhängen. Angestellte, die weniger attraktiv sind, meiden hingegen diese Branchen.

Auch aufgrund solcher Erkenntnisse gibt es immer wieder Forderungen, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren eingeführt werden sollen. Etwas, das beispielsweise in den USA Standard ist: In den Bewerbungsunterlagen sind dort keine Fotos zu finden. Ob das Weglassen von Bildern die Aussehenseffekte bei Bewerbungen und Lohn aber tatsächlich verringert, ist umstritten. Denn dank sozialen Medien lassen sich heute leicht online Bilder der Bewerber finden. Zudem könnte die Bevorzugung von gut aussehenden auch einfach nur bis zum Bewerbungsgespräch aufgeschoben werden.

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